Enkelins Storry Nummer 1

Wir sitzen während der Kommunionszeremonie in einer Kirche in Hamburg-Harburg. Die Familien, Angehörigen und Freunde der Kommunions-Kinder sitzen auf den signierten Bänken und warten auf die Zeremonie. Musikalische Beiträge von Kindern und Jugendlichen verkürzen die Wartezeit. Ein Jeder schaut in das Programm, das vor ihm liegt. Alle studieren die Beiträge und prüfen, ob sie selbst der Liedtexte noch mächtig sind. Langeweile nur für die kleinen Begleiter, die Geschwisterkinder oder die kleinen Kinder der Angehörigen und Freunde. So auch für meine kleine Zuckerschnecke mit ihren zwei Jahren. Sie hat alles registriert. Ich sah ihren kleinen Kopf rauchen vor lauter Fragen. Wenn die Kinder und Jugendlichen ihre musikalischen Beiträge vorbrachten, begann sie zu tanzen und zu klatschen, allerdings nur auf meinem, dem ihrer Mutter, ihres Vaters, oder dem irgendeines Bekannten Schosses. Musik macht ihr eben sehr viel Freude. Das Herumlaufen der Kleinen und auch Großen, wurde durch den sehr sympathischen afrikanischen Priester untersagt. Das Verlassen des Kirchengebäudes war ebenso nicht erwünscht, was ich persönlich nicht verstehen konnte, weil man stattdessen die Unruhe der Kleinstkinder ertragen bzw. regeln musste. Gut – er wollte es so, und trotzdem konnte sich zwangsläufig niemand daran halten, weil Kinder nun mal Kinder sind! Sie plappern laut, haben Hunger, weinen, kreischen und sind unzufrieden auf den steifen Plätzen, auf denen sie 1 ½ Stunden stumm verharren sollten. Ich kenne das aus anderen Kirchengemeinden anders! Egal! Sie war dreimal vor der Tür und hat sich die Beine vertreten und sich auf dem nebenan liegenden Spielplatz abreagieren können, so wie übrigens auch andere Besucherkinder der Heiligen Messe. Als sie leise bei Papa auf dem Arm wieder herein kam, wollte sie auf meinen Schoß. Ich flüsterte ihr ins Ohr, dass sie mal dahin oder dorthin schauen sollte, um sie abzulenken von ihrer Unruhe. Auch hatte ich, wie alle Eltern der lieben Kleinsten, zwei Bilderbücher in die Leiste gepackt, wo sonst nur Gesangbücher liegen. Sie hatte also die Möglichkeit, sich damit abzulenken. Bonbons befanden sich ja in der Tasche einer Bank-Nachbarin… Das war für die kleine Maus auch sehr wichtig und die forderte sie auch von Zeit zu Zeit. Doch dann schaute sie, auf meinen Fingerzeig hin, auf das überdimensional große Kreuz hinter dem Altar, an dem Jesus in erbärmlicher Weise angenagelt war. Ich bemerkte ihre Blicke. Selbst als Erwachsene fiel mir diese deutliche Abstraktion auffällig ins Auge, obwohl meine `abgebrühten` Augen dieses Bildnis mittlerweile gewohnt sind. Es gehört zum Christentum dazu und ist jedoch immer wieder erschreckend – auch für mich. Nach einer kurzen Weile, als sie wohl registriert hatte, was dort dargestellt war, sagte sie ganz laut in einer Sprechpause des Priesters: „ Oma, guck mal, DER ARME ! „ Ohnmächtig musste ich wahrnehmen, dass die Katholiken merkwürdigerweise kein Verständnis für ihre überaus laute und für mich durchaus lustige Aussage, hatten. Als ich mich verstohlen in der Runde umschaute, bemerkte ich nur böse Blicke. Die Menschen anderer Konfessionen beschmunzelten den Ausruf meiner kleinen Zuckerschnecke, weil ich selbst auch Kindermund sehr begrüße! Ich bin jedenfalls stolz auf die Wahrnehmungsfähigkeit meiner kleinen zweijährigen Enkelin. Alle anderen Meinungen sind für mich nichtig und vollkommen unverständlich. „Man kann nicht früh genug mit dem Begreifen beginnen“ (© Christiane Rühmann) Gott oder Jesus hätte diese Bemerkung meiner Enkelin sicherlich gefallen. © Christiane Rühmann (19.05.2014)

Fritzchen

Jeden Tag sehne ich mich nach Dir. Ich schlafe nicht ohne Dich ein. Mir gefällt Deine Form, Deine Wärme, Deine Nähe. Du bist mir so vertraut. Du darfst mich begleiten, Du allein darfst nachts in meiner Nähe sein, Ich kann nicht ohne Dich leben - mit Dir werde ich alt! Mein geliebtes Kissen - Mein „FRITZCHEN“. © Christiane Rühmann

HONDI - seine Gedanken

HONDI ist das liebenswerteste und treueste Auto, dass Ihr Euch vorstellen könnt. Auto-Alter sind gleichzustellen mit ‚Hundejahren‘, na ja, so irgendwie, also sind sie leistungsmäßig gleichzustellen mit einem Welpen, wenn sie bereits 16 Jahre oder mehr auf dem Puckel haben. So ergeht es unserem HONDI, einem kleinen blauen Honda Civic mit 55 kw/79 PS und einem Benzinmotor, dem lange Jahre nichts fehlte. HONDI stand traurig bei einer Autowerkstatt und glaubte, dass sich niemand für ihn interessieren würde, bis eine alte lustige Witwe kam, und ihn gegen einen 6-Zylinder und 178 kw-starken MB eintauschte. Warum tat die Frau das? HONDI beäugte sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn die Frau nahm ihn zunächst zur ‚Probe‘ mit, mit einem roten Kenzeichen. Folgendes geht HONDI durch den Zylinderkopf: „Hurra, da ist ja jemand, der mich mag! Wie jetzt? Nur zur Probe? Oh, da muss ich mich ja anstrengen! Was, sie will mich eintauschen gegen einen 6-Zylinder? Kann ich kaum glauben! Hu, da muss ich mich ja anstrengen und mich von der besten Seite zeigen! Ich glaube jetzt nicht, was ich gerade vom Monteur gehört habe: „Der kleine Honda ist ja noch blutjung und hat erst 28 Tausend Kilometer gelaufen. Den Alten lassen wir über die Klippe springen!!!“ Hilfe! Für mich soll jemand sterben? Hm, ich verstehe es einfach nicht! Egal, Hauptsache, ich muss jetzt nicht mehr hier rumstehen und blöde grinsen, damit mich jemand kauft. Ist ja eh schon so anstrengend, sich ständig der Sonne auszusetzen. Ich bin blau und kann stehen, stehen und stehen und werde trotzdem nicht braun! …War ein Scherz… Aber mal echt, ich würde schon wieder gerne mal auf die Piste gehen… Oh, da kommt die Frau und holt mich ab, das ist fein! Auaaaa, was machen die denn da? Achso, die schrauben das komische rote Kennzeichen an… Uuups, hat sie mich abgewürgt? Aber sie scheint ganz nett zu sein! Ich helfe ihr auf die Sprünge! Na, siehste, geht doch!!! WOW, cooles Feeling!! Sie kann ja fahren und hat wirklich was drauf! Ich komme zu dem Entschluss, dass sie schon sehr zu mir passen würde! Ob sie auch so denkt? Oooh, ich beginne langsam zu schwitzen… „Huhuuuu, Du, Frau, gefalle ich Dir?“ Merkwürdig, ich kann Frau’s Gedanken hören: „He HONDI, hast Du zu mir gesprochen?“ „…äähh, ja, das habe ich. Kannst Du mich etwa verstehen? Wieso? Ich rede sonst immer nur mit Metall, Alu und normalem Blech. Du bist aber doch so ein Teil, was wir unter unseren Kreisen „Weichei“ nennen. Wieso kannst Du „autoisch‘‘ sprechen und verstehen?“ „Ach weißt Du HONDI, das ist wie bei uns Menschen. Man muss nur zuhören und verstehen! Ich habe Dich und Deine Gedanken verstanden. Mach Dir keine Sorgen. Du bist ein prima Kerl und Du gefällst mir! Du bist jung, dynamisch und hast noch nicht sehr viele Kilometer gelaufen. Du siehst chic aus und passt wohl in meine Geldbörse.“ „Wie jetzt? Willst Du mich wirklich haben? Du kennst mich doch gar nicht!“ „Stimmt. Darum nehme ich Dich ja auch nur zur Probe mit.“ „Heißt das, ich darf mir Hoffnung machen, dass ich bei Dir bleiben darf…schnief?“ „Ja HONDI, das heißt es. Wenn Du meinen Anforderungen entsprichst, darfst Du bei mir bleiben.“ So hatte die Frau damals gesprochen. Oh, hatte ich mich in sie seit dem ersten Date verliebt!!! Sie war so zärtlich, sportlich, energisch, geschickt und liebevoll!!! Ich mochte sie gleich und sie…??? Wir verbrachten 5 tolle und wirre Tage. Noch war nicht klar, ob wir ein Paar werden würden. Ich bekam immer nur am Rande mit, dass ich ‚eingetauscht‘ werden sollte, gegen den starken Typen. Man war sich wohl lediglich über den Preis nicht einig. So wartete ich. Ich wartete und hoffte. Meine sonst so niedlichen Scheinwerfer verzerrten sich zur Nacht oftmals traurig. Ich mochte die Frau, die mich gefahren hatte. Warum holte sie mich nicht? War ich nicht nett genug zu ihr? Ich habe mich doch so angestrengt! Ich ging wieder traurig schlafen und glaubte nicht mehr daran, dass ich diese nette Frau jemals wiedersehen würde, doch dann stand sie plötzlich vor mir: „He, HONDI. Kennst Du mich noch?“ Mir begann das Füllwasser aus der Scheibenwaschanlage zu laufen. „Chris, bist Du es wirklich? Ich dachte, Du kommst nie mehr!“ Chris hatte sich für mich entschieden und nahm Platz auf ihrem Sitz. Sie kraulte mich unter meinem Lenkrad, streichelte meine Armaturen und meinte zärtlich wispernd: „Jetzt gehörst Du mir, Kleiner!“ Wäre ich nicht von Natur aus blau gewesen, wäre ich vermutlich ganz „schamviolett“ geworden. Das verkniff ich mir jedoch. Sie zuppelte mir kraulend unter dem Lenkrad rum, streichelte mir über meine Armaturen und sprach zu mir. Wie könnte ich sie jemals im Stich lassen? Ich war damals 28.000 Kilometer jung. Ich träume heute noch von unseren Anfangszeiten… Heute, nach annähernd 12 Jahren wilder Ehe, blicke ich auf eine wilde Zeit zurück. Wie oft habe ich mit ihr am Abgrund gestanden? Ich meine das jetzt echt! Wir haben in den Alpen Wege erklommen, auf denen es keine Wendemöglichkeit mehr gab. Mir war schon ganz schwindelig, aber sie hat es immer wieder geschafft, mich auf einer ‚Bierdeckel‘ gleichenden Fläche umzudrehen, mir die Schönheiten der Natur zu zeigen, mich stark fühlen zu lassen und zu zeigen, dass sie mich wirklich lieb hat, dass ich HONDI bin. Dafür habe ich ihr gezeigt, dass ich für die zahlreichen Umzüge ihrer Ableger Platz bieten kann, welchen niemand hinter meiner smarten Fassade vermutet. Ich bin irgendwie sehr stolz auf mich! „Das kannst Du auch, mein treuer HONDI“! „Wie jetzt? Hast Du mich schon wieder verstanden?“ „Ja, das habe ich und werde es auch immer tun!“ Ich traue jetzt gerade mal wieder meinen Zylindern nicht! Sie versteht mich tatsächlich! Sie versorgt mich mit Öl und Benzin, wie eine Mutter ihr Baby mit Milch! Ich kann mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Ich habe jetzt in den vergangenen, fast 12 Jahren, für sie 305 Tausend Kilometer geleistet, also insgesamt 333.000 und sie wird einfach nicht müde! Dann werde ich es auch nicht!!! „Danke HONDI, das habe ich gehört! Ich werde wirklich nicht müde, meine Zeit mit Dir zu verbringen. Ich liebe Dich!!!“ Haaaach, ist das schöön. Ich war noch nie so verliebt! Psst, unter uns gesagt, ich glaube, sie war es auch noch nie so sehr, wie in mich, und ich bin HONDI… © Christiane Rühmann

Der kleine Osterhase

So, mein Sohn, jetzt ist es bald soweit. Ostern steht vor der Tür und wir haben eine große Aufgabe. Wir werden viele Kinder glücklich machen, mit unseren Ostereiern. Du bist jetzt fast ein Jahr und nun darfst Du helfen, unsere bunten Ostereier zu verteilen. Muckel war unsicher, traute sich jedoch nicht, seinen dominanten Vater nach weiteren Details zu fragen. Er, Muckel, hatte seine Lebenszeit mit herumtollen und Spielen mit seinen Kameraden verbracht. Das, was seine Mum und sein Pa immer um dieselbe Jahreszeit gestalteten, war bisher an ihm vorüber gegangen. Er hatte registriert, dass sie unglaublich viele Hühnereier bemalten. Manche Eier waren ein wirkliches Wunderwerk. Muckel seufzte. Was sollte er wohl dazu beitragen, um den Eltern zu helfen? Er begab sich mit Papa und Mama in die Osterwerkstatt. Bislang hatte ihn das alles nicht interessiert, was sich in ihr befand, doch diesmal wurde sein Interesse geweckt. „Papa, was sind das alles für Stöcke mit den Borsten oben dran?“ „Das sind Pinsel, mein Junge“. „Pinsel? Wozu braucht man sie denn? Sie sind ja auch noch unterschiedlich dick. Was hat das auf sich?“ „Weißt Du Muckel, Ostern ist ein großes Fest. Dazu benötigen die Zweibeiner bunte Eier, die wir bemalen und ausliefern. Je bunter und kreativer ein Ei bemalt ist, desto lieber haben es die Menschenkinder. Sie werden in Gärten unter Blumen, Sträuchern und Bäumen versteckt, damit die Menschenkinder sie suchen sollen. Mit diesen unterschiedlich starken Borstenpinseln können wir die schönsten Dinge auf ein Ei malen. Willst Du es mal ausprobieren?“ Muckel war beeindruckt. Noch nie hatte er bemerkt, wie wichtig der Beruf seines Dad´s als Eiermaler war. Die Kunstwerke dann auch noch ausliefern zu dürfen, war wohl das Größte, was im Leben eines Hasen passieren konnte. Er müpfelte begeistert mit seiner Hasenschnute, nochmal und nochmal. „Du meinst, ich darf auch ein Ei bemalen? Ja denkst Du denn, dass ich das kann?“ „Sicher kannst Du, Du bist ja schließlich mein Sohn!“ Vater Hase lachte laut. Muckel begann, einen dünnen Pinsel in die vielfältigen Farben zu tauchen. Vorsichtig streifte er die überflüssige Farbe ab. Er begann, eine Kontur auf ein Ei zu malen. Mit hochrotem Kopf stellte er fest, dass sein erster Versuch gar nicht mal so schlecht war. Es machte ihm jetzt Spaß und so begann er, als die Konturen getrocknet waren, diese farbig auszumalen. Er war eifrig bei der Sache und seine kleine Hasenzunge glitt langsam über seine kleinen Hasenlippen hin und her. Sorgfältig mischte er die Farben, um einen natürlichen Effekt zu erhalten. Papa Hase beobachtete ihn genau bei seiner Tätigkeit und blinzelte ab und zu über seine Brille hinweg zu seinem tüchtigen Sohn. Er erkannte sehr bald, dass Muckel Talent hatte. „Zeigst Du mir Dein Ei, wenn Du fertig bist, Muckel?“ „Ja, Papa. Ich bin schon so weit. Komm schauen, ich bin ganz stolz!“ Papa Hase erhob sich von seinem Hocker und ging zu Muckels Arbeitsplatz. Er stieß einen Schrei aus, so laut, dass Muckel erschrak. „Muckel, das ist ja ein wahres Kunstwerk! Du bist ja richtig begabt! Damit wirst Du den Junior-Eier-Malwettbewerb gewinnen! Großartig!“ Von seinem Geschrei aufgeschreckt, kam Muckels Mama aus der Küche gestürmt: „Was ist denn hier für ein Lärm?“ „Schau mal, was mein Sohn hier für ein wunderbares Ei kreiert hat! Er ist ein wahrer Künstler!“ „Wow, das ist ja wirklich ein Kunstwerk! Aber wieso eigentlich DEIN Sohn, häh? Muckel ist MEIN Sohn! Das Kreative hat er von MIR!“ „Mama, Papa, hört auf zu streiten! Gefällt es Euch wirklich so sehr?“ Ja, das tat es. Überwältigt und stolz nahmen sich die Eltern bei den Händen und tanzten durch die Wohnung. Muckel verstand seine ausgeflippten Eltern nicht mehr so wirklich. „Könnte mir bitte mal jemand erklären…..“, begann er zu fragen, als seine Eltern ihm den Wert seines allein kreierten Ei´s erklärten. Muckels Ei wurde beim Eier-Mal-Wettbewerb ausgestellt – und gewann!! Warum, wurde ihm erst viel später bewusst. Er hatte ein Ei kreiert, an dessen Bild sich bereits viele Hasen vorher probiert hatten. Niemand war es gelungen, ein EI DES KOLUMBUS zu gestalten. Muckel hatte es geschafft! Er schuf Amerika mit winzig schmalen Strichen auf einem kleinen Hühnerei, Schiffe, die den Ozean überquerten und einen überglücklichen Kapitän, der die Arme zum Himmel streckte, als er den amerikanischen Boden betrat. Er hatte Koordinaten gezeichnet und eine Weltgeschichte dargestellt, die kaum jemand vor ihm auf ein Papier, geschweige denn, auf ein Hühnerei gezeichnet hatte. Es war das schönste Ei der Saison geworden. Mit dem Erlös aus dem Sieg dieses Malwettbewerbes, machte sich Muckel ein Jahr später selbstständig. Er eröffnete eine Künstler-Ei-Werkstatt und beschäftigte viele Junghasen. Sie konnten bei und von ihm lernen. Die Kreationen seiner Werkstatt sind mittlerweile auf der ganzen Welt berühmt und geschätzt. „Muckels Werkstatt“ stellt die schönsten und kreativsten Eier der Welt her. Wenn Du ein wunderschönes Ei zu Ostern findest, ist es sicherlich von ihm… © Christiane Rühmann (Kindergeschichte April 2014)

Die fliegende Katze

Nach dem Tod ihres Vaters erhielt Laura die Zusage von mir, sich ein Kätzchen auf dem Bauernhof aussuchen zu dürfen. Ihre ältere Schwester besaß bereits seit zwei Jahren einen eigenen Kater nur sie hatte kein eigenes Tier. Mit ihren 8 Jahren war sie von der Reife her durchaus in der Lage, sich um ein Tier kümmern zu können. Also fuhr ich mit Laura auf den nahe gelegenen Bauernhof, um ein niedliches Kätzchen auszusuchen und mit nach Hause zu nehmen. Es würde ihr wohl auch über den plötzlichen Verlust ihres Vaters hinweg helfen. Aus allen möglichen Schlupflöchern lugten kleine niedliche Fellnasen hervor. Schwarz-weiße, bunte, braun getigerte oder rot getigerte. Tollpatschig kletterten sie über wackelige Holzstapel, überschlugen sich dabei oder jagten sich gegenseitig unter und über landwirtschaftliche Maschinen. Der freundliche Landwirt wollte uns dabei behilflich sein, ein kleines Tigerkätzchen einzufangen, das Laura sich ausgesucht hatte. Er wartete einen günstigen Moment ab, von dem er glaubte, das kleine wuschelige Knäuel greifen zu können. Doch, das hatte er halt eben nur geglaubt. Blitzschnell war das kleine Tier auf seinen Samtpfötchen ihm wieder durch die Finger geschlüpft. Laura wollte ihm natürlich helfen, aber auch ihr gelang es nicht, das Kätzchen einzufangen. Geduld war also gefragt, und die hatte das Mädchen nicht. Nach einer halben Stunde Hetze und Treiberei, war es dem freundlichen Landwirt dann doch gelungen, eins der kleinen Streuner einzufangen. Allerdings war es nicht das Kätzchen, das Laura sich ausgeguckt hatte, aber mittlerweile war es ihr auch egal. Die kleine Tigerin hatte dem Mann bereits ordentlich zugesetzt. Blut rann über seine kräftigen Hände, die jedoch den kleinen wilden Körper sacht umschlossen und nicht mehr los ließen. Behutsam setzte er das Tier in den von Laura mitgebrachten Transportkäfig, schloss diesen zu und umwickelte seine blutende Hand mit einem Taschentuch. Er tat uns leid. „Tut es sehr weh?“ Laura war schon ein wenig besorgt. „Nein nein, es geht schon. Pass nur auf, dass sie mit Dir nicht dasselbe macht. Lass sie am besten erstmal einige Tage hinter Gittern, bevor Du sie rausholst. Das wird ihren unglaublichen Willen brechen.“ Laura durfte die Transportkiste, aus der es laut fauchte, selbst zum Auto tragen. Brav bedankte sie sich bei dem Landwirt, der ihr noch Glück wünschte. Das kleine Mädchen befolgte seinen Rat und öffnete die Türe des Käfigs nur, um ein Schälchen mit Futter und Wasser hinein zu stellen. Dabei randalierte und fauchte die kleine Stubentigerin so sehr, dass Laura begann, sich vor ihr zu fürchten und schnell das Törchen wieder verschloss. Langsam wurde sie traurig und glaubte nicht mehr daran, dass „Lady“, wie sie die Katze inzwischen nannte, jemals zahm werden würde. „Du musst nur Geduld haben“, erklärte ich ihr und liess meine Tochter bewusst die Käfigarbeit verrichten, weil es ja ihr Tier sein und Laura für Lady Bezugsperson werden sollte. Am viertenTag, als Laura wieder Futter auffüllen wollte, verhielt sich das Tier total ruhig. Sie streckte vorsichtig Lady ihre kleine Hand entgegen, und siehe da, Lady ließ sich streicheln. Nun war es also so weit. Überglücklich holte Laura Lady aus ihrem Gefängnis, nahm sie sogleich mit in ihr Zimmer und natürlich in ihr Bett. Schon begann die kleine Tigerin, sich an das Mädchen anzuschmiegen, ja sogar zu schnurren. Fortan sah man beide nur noch im Doppelpack. Katze folgte Kind und Kind folgte Katze. In Wirklichkeit kam Lady mir überhaupt nicht wie eine Katze vor. Ich hatte das Gefühl, man konnte sich mit ihr unterhalten. Sie antwortete auf jedes Wort mit einem freundlichen „Miau“, wenn man sie direkt ansprach und sie dabei ansah. Es war schön, Laura wieder einigermaßen glücklich zu sehen. Wenn sie nicht in der Schule war, waren die beiden unzertrennlich, auch nachts. Lady kroch unter Lauras Bettdecke und fühlte sich sichtlich wohl. Nach drei Jahren hatten wir beschlossen, uns eine kleinere Wohnung zu nehmen, weil die große Vier-Raum-Wohnung zu teuer wurde, und ich den Zickenalarm meiner Töchter nicht mehr ertragen konnte. Ich hatte beschlossen, die Ältere meiner Töchter aus dem Nest zu schubsen, und ihr eine eigene Wohnung anzumieten. Aus gesundheitlichen Gründen war ich nicht mehr in der Lage, den häufigen Eskallationen der Mädchenkriege gewachsen zu sein. Ich brauchte meine Kräfte für die laufenden Chemotherapien, Rehas und die weiteren Operationen. So zogen wir also alle um. Linda bezog ihr neues Nest nur 800 m von Laura und mir entfernt unter dem Dach. Die Jüngere und ich zogen ebenfalls unters Dach in eine zweieinhalb Zimmer-Wohnung. Auch die Katzen mussten sich an ihr jeweiliges neues zu Hause gewöhnen. Lauras großes Zimmer hat zwei riesige Gaubenfenster. Es war Sommer und so standen in unserer Dachwohnung sämtliche Fenster Tag und Nacht offen. Lady genoss das sehr. Sie erfreute sich an dem Anblick der an ihr in Augenhöhe vorbei fliegenden Vögel. Wachsam verfolgte sie mit ihren großen kugelrunden Augen den streunenden Kater in der benachbarten parkähnlichen Anlage, der sich auf Beutezug befand. Ich sah jedesmal, wenn ich während meiner Hausarbeit einen Blick in Lauras Zimmer warf, auf Ladys Rücken. Sie konnte stundenlang auf der Fensterbank sitzen. Nie hatte sie jemals versucht, sich übers Dach zu schleichen. Plötzlich kam Wind auf. Gewitter war angesagt und ich begann, zunächst im Bad das Fenster zu schließen. Ich begab mich weiter in Lauras Zimmer und musste hilflos mit ansehen, wie sich die Fensterflügel schnell zu schließen begannen - zu schnell! Der Durchzug - au Backe! Das durfte jetzt doch nicht wahr sein: Laaaiiidyyyy….. !! Und weg war sie !! Mir wurde heiß und kalt. Ich lief zum Fenster und schaute übers Dach, konnte das Kätzchen aber nirgends entdecken. Ich rief ihren Namen, in der Hoffnung, sie würde antworten um zu sagen: Ich bin hier, mir geht es gut, es ist nichts passiert. Schockiert lief ich die Treppe bis ins Erdgeschoss, rannte ums Haus und rief: “Lady, Lady….“ Nichts!!! Was würde Laura wohl sagen, wenn sie aus der Schule kam, und ich ihr beichten musste? Ich fühlte mich recht unwohl bei dem Gedanken daran. Später, als die Kleine aus der Schule gekommen war, und ich ihr die missliche Geschichte erzählte, brach sie in Tränen aus. Sie machte mir den Vorwurf, nicht genügend aufgepasst zu haben und Schuld daran zu sein, wenn Lady jetzt tot sei. Bis es fast dunkel war, hielt sie Ausschau im Garten und Umgebung, aber es gab kein Lebenszeichen. Laura hasste mich! Zumindest von jetzt an. Sie mied mich und sprach nicht mehr mit mir. Sie war sehr traurig und verstand das Leben nicht mehr. Mir brach das Herz, das alles zu beobachten und ihre Ignoranz zu spüren. Dann plötzlich nach drei Tagen, es war immer noch sehr heißes Wetter, hörte Laura in ihrem Zimmer ein zartes Miauen und rief voller Freude: „Mama, ich habe Lady gehört! Sie lebt!“ Aber wo kam das Miauen her? Wir stellten uns beide an Lauras Zimmerfenster und riefen, und immer bekamen wir Antwort, konnten allerdings nicht feststellen, von wo die Hilferufe stammten. Eine Nachbarin aus dem Nebenhaus, ebenfalls unter dem Dach lebend, hatte unsere Unternehmungen wahr genommen. Seitdem hielt sie ebenfalls Ausschau. Plötzlich bewegte sich etwas in der hohen Fichte, die nahe der Hauswand stand. „Da ist sie!“, rief Laura. „Lady sitzt in dem Baum!“ Tatsächlich! Hilflos und ängstlich saß ihr kleiner Körper auf einem Zweig, scheinbar unfähig, sich zu bewegen. Die hilfsbereite Nachbarin fuchtelte mit einem langen Besen in Richtung Baum, in der Hoffnung, die Katze würde den Weg über den Stiel zu ihr finden, aber das gefiel Lady scheinbar absolut nicht. Laura lief nach unten, zurückrufend: „Ich klettere auf den Baum und hole sie!“ Nach etwa einer halben Stunde hatte meine Tochter es geschafft, ihren kleinen Liebling aus dem Gezweig zu locken. Stolz und überglücklich kam sie mit ihrer kleinen Fellfreundin auf dem Arm wieder nach oben. Sofort umsorgte sie das Samtpfötchen mit Futter und Katzenmilch. Am Abend schlief Laura überglücklich mit Lady im Arm ein. Seither haben wir die Fenster mit Sofakissen vor dem ungewollten Zuschlagen geschützt. Als Laura unserem Vermieter diese unglaubliche Geschichte erzählte, meinte dieser nur: „Also bin ich doch nicht verrückt!! ich habe tatsächlich eine Katze fliegen sehen! Nur, mir glaubt ja keiner!“ © Christiane Rühmann

Die Predigerin - die Frau, die Leben lehren wollte

Sie war bekannt, wurde umlagert, gefeiert und allgemein sehr geschätzt. Ich hielt nichts von ihrer einfältigen Moralität. Ich wünschte, sie sei nicht dort gewesen, nicht so gegenwärtig. Sie inspirierte mich, aber sie irritierte mich – vorrübergehend nur! Ich fand wieder zu mir selbst. Merkte ich doch, dass sie in relevanten Dingen recht unsicher war. Ihre Augen schauten stets in verschiedene Richtungen. Merkwürdig, ich habe Resistenz und Kompetenz anders kennen gelernt! Was war mit ihr? Diese Frau machte mich neugierig. Auch schien sie verbalen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen. Sie wirkte unsicher. Ich stellte Fragen, die sie verunsicherten. Antworten wurden umschrieben. Das ist etwas, was ich absolut nicht akzeptieren kann! Ich brauche klare Konfrontation! Ich suchte also ihren persönlichen Kontakt. Nach ihrer Veranstaltung gab ich vor, mich für ihr Dasein, ihr Leben und ihre Vision zu interessieren. Ich stand ihr jetzt gegenüber und schaute ihr tief in die Augen – nur vorübergehend, denn sie wich meinen Blicken aus. Als ich sie gezielt auf ihre Verhaltensweise ansprach, errötete sie deutlich und versuchte, meinen persönlichen Fragen auszuweichen. „Frau K…., warum weichen Sie mir aus“, wollte ich wissen. Sie drehte sich um, schien recht irritiert und verließ das Foyer, in dem sie ihr Buch signieren und sich den Fragen und Antworten der Interessierten stellen wollte und sollte. Das schaffte sie nicht mehr. Sie flüchtete. Warum? Unsicherheit? Unehrlichkeit? Unflexibilität? Betrug? Scharlanatanität? Konfrontation mit einer/einem Gleichgesinnten? Was war das denn für eine erbärmliche Vorstellung, bitte? Große Worte und nichts dahinter? Was hatte sie so verstört, verunsichert oder vertrieben? War ich es etwa, der sie durch meine Fragen und Konfrontationen so verunsichert hatte? Bin ich es gewesen, dem sie nicht mehr begegnen wollte, weil meine fragenden Kompromissionen für sie zu viel waren? Sie war offensichtlich sehr verstört und befand sich in einer stressartigen Situation, der sie nicht gewachsen war. Meine verbale Stärke hatte gesiegt! Aber wie sah es mit der Moral aus? Wie stand es um ihre Seele? Kareen K. war verschwunden! Sie verschwand aus meinem Leben, meiner virtuellen und visuellen Welt. Sie hat mich im wahrsten Sinne des Wortes ‚blockiert‘. Schade, ich hätte ihr gerne etwas übermittelt! Nämlich: „Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Jeder hat sein Schicksal in der Hand. Jeder hat unter seiner Unfähigkeit zu leiden. Jeder ist jedoch fähig…! © Christiane Rühmann

DANKSAGUNG

Burscheid im März 2014 Liebe Familie, Freunde, Bekannte, die Ihr mir die Feier zu meinem 60. Geburtstag durch Eure Anwesenheit bereichert habt, ich möchte mich recht herzlich bei Euch bedanken. Ohne Euch wäre dieses Event nicht das gewesen, was es für mich ist – nämlich „unvergeßlich“. Lieben Dank auch für die Zuwendungen, dank derer ich mir den einen oder anderen Wunsch erfüllen kann. Besonders möchte ich die Mitwirkenden des hervorragenden Programms, das wir erleben durften, hervorheben. Eure Beiträge in musikalischer und verbaler Form waren der Hit. Dank an die Fotografen für die zahlreichen Impressionen, die Ihr im Bild eingefangen habt. Eure Bilder werden ein -für mich- ganz besonderes Album füllen. Ebenfalls bedanke ich mich bei allen, die dabei geholfen haben, für das leibliche Wohl meiner Gäste zu sorgen. Kurz und knapp : D A N K E ! Eure Chris