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Lustiger Irrtum


Als Weihnachtsgeschenk bekamen die Geschäftsleute von ihren bereits erwachsenen Kindern Karten für ein Musical geschenkt. Das Ehepaar freute sich schon jetzt sehr auf dieses Event.

Dieses Musical wurde seit dem Start als so glorreich durch die Medien angepriesen, das es daher bereits Monate zuvor ausverkauft war, und somit keine Chance mehr bestand, für ebenfalls interessierte Freunde, sich an diesem Abend dem Ehepaar anzuschliessen.

Als der Konzertabend nahte, richtete sich das Ehepaar auf einen wunderbaren Abend ein. Es plante vorher ein Candlelight-Dinner und hatte hierzu in der Grossstadt in einem Nobelrestaurant  einen Tisch reserviert. Es sollte ein alles übertreffender, unvergesslicher Abend werden. Und so kam es auch.......

Die Eheleute warfen sich in Robe und starteten rechtzeitig, um relaxt den Abend geniessen zu können, ohne die aus dem Alltag bekannte, zeitweise Hetze. Sie wurden von auffallend elegant gekleidetem Personal empfangen, zu ihrer Niesche begleitet und von vorne bis hinten betüddelt. Dass sie selbst das Essbesteck halten und zum Mund führen mussten, war alles. Der prunkvoll hergerichtete Tisch mit seinen liebevollen Accessoires, hinterliess grossen Eindruck bei der erfahrenen Geschäftsfrau, die selbst auch in ihrem Bekanntenkreis dafür bekannt war, sich als hervorragende Gastgeberin immer etwas Neues einfallen zu lassen und durch ihre gestalterischen Ideen stets den positivsten Eindruck hinterliess.

Auch die Speisen verdienten ausgesprochenes Lob, mehr ging einfach nicht....

Gut gelaunt und frohen Mutes liessen sie sich von einem Taxi zur Musicalhalle fahren. Der Herr beteuerte, dass er ohne Platzanweiser die reservierten Plätze finden würde, schliesslich sei dies ja nicht ihr erster Konzertbesuch. Der Eintrittsabschnitt wurde also von den Platzordnern abgetrennt. Nun dann - auf gings.

Sie verglichen die Zahlen auf den Karten, Block, Sitzreihe und Platz. Als sie ihre Sitzplätze erreichten, waren diese bereits besetzt. Wie konnte das sein...? Sie forderten die Besetzer auf, sich einen anderen Platz zu suchen, dies seien ihre Stühle, die man bereits lange zuvor reserviert habe. Leider wollten diese das nicht einsehen und meinten, ebenfalls reserviert zu haben. Daher verglichen sie mit den fremden Leuten ihre Reservierungsnachweise und stellten fest, dass .... es darf doch nicht wahr sein, .....ihr Termin bereits GESTERN war! Unglaublich, alles stimmte überein - nur das Datum nicht. Mensch, war das peinlich!

Sie fühlten sich von weiterem Publikum, das die kleine Auseinandersetzung mitbekommen hatte, sowie von den Platzhaltern ausgelacht, drehten sich um und verliessen ein wenig verärgert, eiligst den Showroom.

Draussen vor der Halle mussten sie sich erstmal erholen, bis sie dann allerdings über ihr eigenes Missgeschick so fürchterlich lachen mussten, dass sie beschlossen, wo sie doch bereits schon einmal hier waren, noch das Nachtleben in der Stadt zu geniessen.

So wurde es also doch noch ein unvergesslicher Abend......

Es wird heute noch darüber gesprochen - und natürlich gelästert. Es ist eben so: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.....

(c) Christiane Rühmann

Nonverbale Kommunikation

Unendlich viel Getümmel in der Stadt. Scheinbar hat niemand mehr etwas Anzuziehen im Kleiderschrank. Einschließlich mir selbst…

Ich bemühe mich, nicht aufdringlich zu wirken und taste mich langsam an einen mit Kleiderbügeln eng behängten Ständer heran. Es lässt sich nichts verschieben. Das regt mich ein wenig auf. Zu eng hängen die angebotenen Artikel. Ich hole tief Luft und zwinge mich, ruhig zu bleiben und dennoch etwas mich Ansprechendes aus dem Textilgehänge heraus zu fischen.

Ja, das Oberteil könnte mir gefallen. Hmmhh, eine passende Hose dazu wäre auch nicht schlecht. Auf zum nächsten Ständer. Das gleiche Spiel. Endlich habe ich etwas gefunden. Obwohl…. Die andere Hose sieht auch nicht schlecht aus. Also entschließe ich mich, beide mit zur Kabine zu nehmen und noch eine, und noch ein passendes Oberteil vom anderen Ständer……, nee, doch besser noch ein drittes…..

In der langen Warteschlange reihe ich mich ein. Geduldig verharre ich hier, Schrittchen für Schrittchen mühsam auf den Vorhang zu stippelnd.

Puuh, heiss ist es hier. Ich merke, wie sich langsam Schweißperlen auf meiner Stirn bilden. Hoffentlich merkt mir niemand an, dass es mir nicht gut geht….

Einige Ehemänner, Lebenspartner oder Freunde und Kinder sitzen auf bereit stehenden Sitzmöbeln vor den Umkleidekabinen und warten darauf, dass die Holde endlich etwas Passendes finden würde.

Endlich, jetzt bin ich dran. Ich ziehe den Vorhang hinter mir zu, kleide mich um und verlasse für einen Blick in den Ganzkörperspiegel kurzfristig die Kabine, um mich zu überzeugen, dass mich das Ausgewählte auch kleidet.

Skeptisch betrachte ich mich und bemerke dabei, dass mich jemand beobachtet. Ich treffe auf den Blick eines Mittfünfzigers, der mich lächelnd anschaut. Lacht er mich jetzt an oder aus? Was will der?

Auf einmal schüttelt er seinen Kopf. Ich blicke ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an und murmele so etwas wie: „Äh äh….?“

Er schüttelt wieder den Kopf. Also ich zurück in meine Kabine und ein neues Outfit angezogen. Mann, ist das anstrengend! Ich begebe mich wieder zum großen Spiegel nach draußen. Der fremde Mann sitzt immer noch dort. Erneut schaut er mich grinsend an, nur diesmal wiegt er seinen Kopf hin und her, als wolle er sagen: `Schon besser, aber immer noch nicht so das Wahre`.

Ich hole tief Luft, gehe wiederum zurück, pelle mich aus der Robe und versuche eine neue Kombination. Als ich erneut die Kabine verließ, um mich im großen Spiegel anzusehen, bemerke ich, wie mein Blick diesmal den seinen sucht, um seine Meinung zu erfragen.

Diesmal öffnete er seinen Mund und stammelte, für mich geräuschlos, ein `wow`, was ich anerkennend zur Kenntnis nahm. Er erhob seinen Daumen nach oben und nickte kräftig mit dem Kopf. Es schien ihm zu gefallen.

Ich lächelte ihn an, legte meine beiden Hände ineinander, was ihn erkennen lassen sollte, dass ich mich bei ihm für seine Meinung bedankte und verschwand zurück in meine Umkleide, um meine alten Sachen wieder anzuziehen
.
Endlich war ich fertig und hing die nicht ausgewählten Kleidungsstücke an einen Ständer im Kabinenvorraum, wo eine Mitarbeiterin ständig damit beschäftigt war, diese wieder an ihre ursprünglichen Plätze im Verkaufsraum unterzubringen.
Ich begab mich mit den neuen Kleidungsstücken zur Kasse und stellte fest, dass der freundliche Herr mit seiner ‚Madame‘ vor mir stand.

Sie keifte ihm ständig etwas entgegen und er antwortete: „Ja Schatz, ist ja gut, machen wir…, Du hast ja recht…, ist in Ordnung., meinetwegen“, usw.

Er bemerkte, dass ich hinter ihm stand, schaute mich kurz an, lächelte freundlich und zwinkerte mir mit einem Auge zu.

Ich lächelte ebenfalls, jedoch sehr belustigt, zwinkerte ebenfalls dankbar zurück und verließ, nachdem ich die Kasse passiert hatte, immer noch lächelnd das Kaufhaus.
Das war mal ein lustiger Einkauf. Hatte echt Spaß gemacht.

Danke an den Fremden. Ich fühlte mich bestens beraten, auch ohne Gekeife und große Worte….

© Christiane Rühmann