Mike traf „Checker“, wie seine Freunde Kevin nannten, nach der Schule in der Stadt auf dem Marktplatz.
„He Alter, was geht….?“
„Boah, voll öde, nix los auf der Chaussee. Was meinst Du, sollen wir mal die Leute ein wenig aufmischen?“
„Wie jetzt, was hast Du denn vor?“
„Gleich kommt noch Robbin, der muss mitmachen. Das können wir allerdings nicht hier, dazu müssen wir ins Centro fahren. Hier kennt uns ja jeder. Pass auf Alter, dann geht die Post ab.“
„Mach ´ne Ansage“, forderte Mike.
Checker hatte immer irgendwelche Asse im Ärmel, womit sie sich die Zeit vertrieben. Genau genommen waren es immer nur Streiche, die allerdings meistens sehr effektvoll waren. Das zogen sie in der Regel zu Dritt durch, wobei einer von ihnen die Geschehnisse immer mit der Handykamera aufnahm und diese kleinen Filmchen dann ins Internet stellte.
Sie warteten also auf Robbin und fuhren dann gemeinsam ins Centro. Hier setzten sie sich zunächst auf eine der Bänke und nahmen die Passanten ins Visier. Sie hatten genau besprochen, wie das laufen sollte, was sie vorhatten. Robbin, mit dem leistungsstärksten Handy, hielt sich zum filmen bereit, während sich Checker und Mike einer Gruppe junger Mädels näherten.
„He Maus, Du hast aber ´ne schnuckelige Laufmasche“, meine der Kessere zu einem der Mädel.
Sie schaute sofort rings um ihre Beine –die Kamera lief- und ereiferte sich empört, als sie feststellte, dass es überhaupt keine Laufmasche gab.
Die Jungen fingen lauthals an zu lachen und zeigten auf ihren filmenden Kumpel.
„Versteckte Kamera….“, dröhnten sie und „paafff“ spürte Checker die Hand des Mädels in seinem Gesicht.
„Vollidiot“, schimpfte sie und ging mit ihren Freundinnen weiter.
Au Backe, das hatte gesessen. Er rieb sich lachend seine Wange und fragte seinen Kumpel, ob er die Ohrfeige etwa auch mit gefilmt hätte. Als dieser lachend nickte, verlangte Kevin von ihm, dass er das Video löschen sollte.
„Mach ich später“, meinte Robbin und fingerte an seinem Handy, um es für die nächste Aufnahme startklar zu machen. Diesmal gingen die Burschen auf einen älteren Herren zu, und sprachen ihn an:
„Entschuldigung, Ihr Hosenstall ist offen und ihr Hemd schaut raus.“
Der ältere Herr schaute sofort an sich hinunter und meinte: „Das stimmt doch gar nicht, sitzt doch alles tadellos“.
Die Jungen drehten sich um und zeigten auf Robbin und winkten ihm zu. Rob winkte zurück.
„Tja, mein Herr, wir drehen mit versteckter Kamera und Sie wurden soeben gefilmt. Da drüben sitzt unser Kameramann. Wir wollten nur sehen, wie Sie reagieren.“
„Ach so ist das“, meinte der ältere Herr freundlich, strich sich mit seinen dürren Fingern über seinen breiten Scheitel und winkte mit der anderen Hand dem vermeintlichen Kameramann zu.
„Komme ich jetzt ins Fernsehen?“ wollte er noch wissen und die Jungen antworteten:
„Nein nicht ins Fernsehen, wir arbeiten für´s Internet, speziell für Youtube, da kann man Sie sehen.“
„Ach, das ist schade, ich empfange bei mir kein Internetz. Intermezzo kenne ich, das gab es früher mal.“
„Internet, es heisst INTERNET“, antworteten die beiden.
„Ach so, nun ja, das ist wirklich schade. Also dann auf wiedersehen.“ Er verabschiedete sich und ging seines Weges.
Checker und seine Freunde lachten lauthals und miemten den alten Herren nach: „….ich empfange bei mir kein Internetz…..
He, pass auf, da kommt unser nächstes Opfer“.
Sie wendeten sich diesmal einer knuffeligen alten Oma zu, die auf einen Krückstock gestützt vor einem Schaufenster stehen blieb.
„Guten Tag, junge Frau, Ihr Unterrock ist runtergerutscht…“
Auch sie schaute an sich hinunter, drehte sich ins Hohlkreuz, um sich ein wenig von hinten betrachten zu können und zog dabei ihre Schultern abwechselnd nach oben. Das sah fast aus, wie ein Tanz, ähnlich wie „Houlahoup“. Als sie feststellte, dass jedoch alles in Ordnung war, prusteten die Jungen los und konnten sich vor lachen nicht mehr halten. Die alte Dame war so empört, dass sie rot anlief und stürmte erhobenen Krückstockes auf die Jungen zu, die schleunigst sahen, dass sie Land gewannen. Damit hatten sie nicht gerechnet. Die Alte verfolgte sie, wild mit dem Stock in der Luft fuchtelnd, noch etwa 30 Meter. Erst dann konnte sie wohl nicht mehr, verschnaufte kurze Zeit und ging dann entrüstet weiter.
Robbin hatte alles gefilmt. Das sollte erst mal genügen für heute. Die drei setzten sich in ein Eiscafé, steckten die Köpfe zusammen und sahen sich die Filmchen an. Sie hatten ihre Freude gehabt. Nur Checker war nicht so ganz zufrieden. Die schlechteste Figur hatte er selbst abgegeben: Erst die Backpfeife und dann noch die wild gewordene Oma…….
.
„He krass, wie die Alte abgegangen ist“, feixte Rob, „das schmeisse ich gleich auf den Rechner“.
„Hat trotzdem Bock gemacht“, meinte Kevin. „Ich lasse mir halt beim nächsten mal was Neues einfallen“.
Sie schlürften ihre Cola aus und sahen zu, dass sie Land gewannen.
(c) Christiane Rühmann
Beerdigung ohne Leiche
Wolfgang wurde von seinem ehemaligen Chef telefonisch darüber benachrichtigt, dass ein früherer Mitarbeiter, also Wolfgangs Ex-Kollege verstorben sei.
„Das kann doch gar nicht sein“, meinte Wolfgang. „Er hat doch gestern noch neben mir an der Ampel gestanden. Unfassbar.“
Sein alter Chef wollte noch wissen, ob Wolfgang die Telefonnummern von einigen anderen Kollegen aus der Vergangenheit hatte und dieser versprach dem älteren Herren, ihn zurückzurufen, wenn er sie ausfindig gemacht hätte.
Nachdem er eine Reihe von Nummern notiert hatte, rief er den Informanten an und gab die Nummern mit Namen durch.
Immerhin habe man über 20 Jahre miteinander gearbeitet, und man sei es dem Verstorbenen schuldig, sich würdig von ihm zu verabschieden, meinte der ältere Herr. Zwar sei seine Information die, dass es keine grössere Bestattung geben sollte, da das familiäre Verhältnis zu des Verstorbenen einziger Tochter so gut wie nicht mehr bestand, aber er empfand es gerade deshalb als seine Pflicht, auch dessen einstige Kollegen über den Tod zu informieren.
So hatte der Sohn des Fabrikanten, der als Erster über die Beisetzung des ehemaligen Mitarbeiters informiert war, seinem Vater den Beisetzungstermin auf einen Zettel geschrieben, den dieser sich sorgfältig in seinem Portomonaie verstaut hatte.
Eigentlich hatte Wolfgang dieser Zeitpunkt gar nicht in den Kram gepasst, da er arbeiten musste und ihm nur drei Tage Zeit blieben, seine Schicht umzuorganisieren. Den anderen Kollegen war es ähnlich gegangen. Trotzdem fanden sich alle Informierten rechtzeitig vor Beginn der Beisetzung vor der Friedhofskapelle ein. Jeder hatte einen Strauss Blumen in der Hand. Es war bitter kalt. Es hatte über Nacht geschneit und die Wege waren mehr oder weniger nur notdürftig geräumt.
Wolfgang schaute ungeduldig auf seine Uhr und fragte den älteren Herren: „Wo bleiben sie denn alle? Ich kann niemanden, ausser uns entdecken. Sind denn alle schon in der Kapelle?“
„Nein, das kann nicht sein. Ich stehe bereits seit einer Viertelstunde hier. Das verstehe ich auch nicht. Thomas hat mir doch den Termin aufgeschrieben. Moment mal…..“ Er kramte seine Geldbörse unter dem dicken Wintermantel aus seiner Gesäßtasche und fingerte den besagten Zettel heraus.
„Hier steht doch…..momentmal, ich habe meine Brille nicht auf…..liess Du mal Wolfgang“
Wolfgang musste schmunzeln. „Hier steht Dienstag den 26., und heute ist Donnerstag, der 28.01.“!
Die Kollegen schauten sich gegenseitig an und mussten lachen. Dem älteren Herren schoss die Röte ins Gesicht und verwandelte sich dann wiederum in eine Blässe. Man sah ihm an, dass ihm das fürchterlich unangenehm war. Er stammelte einige Worte vor sich hin, die kaum jemand verstand.
„Tja Chef, das kostet Dich eine Runde“, meinte Wolfgang und alle stimmten ihm zu.
„So was ist mir ja noch nie passiert, das kommt davon, wenn man ohne Brille……..“, versuchte er sich zu rechtfertigen.
„Also gut, kommt alle mit, gehen wir noch ins Hotel, trinken eine Tasse Kaffee und essen eine Kleinigkeit. Ich lade Euch natürlich ein. Also so was, nein…..“
Kopf schüttelnd ging er voraus und die anderen folgten ihm zu einem Hotel in der Nähe. Hier setzte man sich beisammen und scherzte, dass der Verstorbene sicherlich jetzt sehr schadenfroh wäre, wenn er das mitbekommen hätte, wo der Ex-Chef doch immer so genau war und Verspätungen absolut nie billigen wollte. Nun hatte er selbst den Vogel abgeschossen. Alte Betriebsgeschichten wurden durch die Erzählungen wieder belebt und so hielten sie ihre eigene Trauerfeier ab – ohne Leiche.
(c) Christiane Rühmann
„Das kann doch gar nicht sein“, meinte Wolfgang. „Er hat doch gestern noch neben mir an der Ampel gestanden. Unfassbar.“
Sein alter Chef wollte noch wissen, ob Wolfgang die Telefonnummern von einigen anderen Kollegen aus der Vergangenheit hatte und dieser versprach dem älteren Herren, ihn zurückzurufen, wenn er sie ausfindig gemacht hätte.
Nachdem er eine Reihe von Nummern notiert hatte, rief er den Informanten an und gab die Nummern mit Namen durch.
Immerhin habe man über 20 Jahre miteinander gearbeitet, und man sei es dem Verstorbenen schuldig, sich würdig von ihm zu verabschieden, meinte der ältere Herr. Zwar sei seine Information die, dass es keine grössere Bestattung geben sollte, da das familiäre Verhältnis zu des Verstorbenen einziger Tochter so gut wie nicht mehr bestand, aber er empfand es gerade deshalb als seine Pflicht, auch dessen einstige Kollegen über den Tod zu informieren.
So hatte der Sohn des Fabrikanten, der als Erster über die Beisetzung des ehemaligen Mitarbeiters informiert war, seinem Vater den Beisetzungstermin auf einen Zettel geschrieben, den dieser sich sorgfältig in seinem Portomonaie verstaut hatte.
Eigentlich hatte Wolfgang dieser Zeitpunkt gar nicht in den Kram gepasst, da er arbeiten musste und ihm nur drei Tage Zeit blieben, seine Schicht umzuorganisieren. Den anderen Kollegen war es ähnlich gegangen. Trotzdem fanden sich alle Informierten rechtzeitig vor Beginn der Beisetzung vor der Friedhofskapelle ein. Jeder hatte einen Strauss Blumen in der Hand. Es war bitter kalt. Es hatte über Nacht geschneit und die Wege waren mehr oder weniger nur notdürftig geräumt.
Wolfgang schaute ungeduldig auf seine Uhr und fragte den älteren Herren: „Wo bleiben sie denn alle? Ich kann niemanden, ausser uns entdecken. Sind denn alle schon in der Kapelle?“
„Nein, das kann nicht sein. Ich stehe bereits seit einer Viertelstunde hier. Das verstehe ich auch nicht. Thomas hat mir doch den Termin aufgeschrieben. Moment mal…..“ Er kramte seine Geldbörse unter dem dicken Wintermantel aus seiner Gesäßtasche und fingerte den besagten Zettel heraus.
„Hier steht doch…..momentmal, ich habe meine Brille nicht auf…..liess Du mal Wolfgang“
Wolfgang musste schmunzeln. „Hier steht Dienstag den 26., und heute ist Donnerstag, der 28.01.“!
Die Kollegen schauten sich gegenseitig an und mussten lachen. Dem älteren Herren schoss die Röte ins Gesicht und verwandelte sich dann wiederum in eine Blässe. Man sah ihm an, dass ihm das fürchterlich unangenehm war. Er stammelte einige Worte vor sich hin, die kaum jemand verstand.
„Tja Chef, das kostet Dich eine Runde“, meinte Wolfgang und alle stimmten ihm zu.
„So was ist mir ja noch nie passiert, das kommt davon, wenn man ohne Brille……..“, versuchte er sich zu rechtfertigen.
„Also gut, kommt alle mit, gehen wir noch ins Hotel, trinken eine Tasse Kaffee und essen eine Kleinigkeit. Ich lade Euch natürlich ein. Also so was, nein…..“
Kopf schüttelnd ging er voraus und die anderen folgten ihm zu einem Hotel in der Nähe. Hier setzte man sich beisammen und scherzte, dass der Verstorbene sicherlich jetzt sehr schadenfroh wäre, wenn er das mitbekommen hätte, wo der Ex-Chef doch immer so genau war und Verspätungen absolut nie billigen wollte. Nun hatte er selbst den Vogel abgeschossen. Alte Betriebsgeschichten wurden durch die Erzählungen wieder belebt und so hielten sie ihre eigene Trauerfeier ab – ohne Leiche.
(c) Christiane Rühmann
Tod in der Drachenhöhle
Es waren schöne Häuser, drei an der Zahl und noch gar nicht so alt, etwa 20 Jahre. Sechs Familien hatten hier in jedem Platz. Zwar passten die Wohnblöcke nicht so wirklich zu den schmucken alten Siedlungshäuschen, die wohl etwa in den 60-er Jahren entstanden waren, aber man konnte erkennen, dass der Architekt zumindest versucht hatte, sie in die Wohngegend zu intrigrieren. Diese grossen Häuser verfügten über ein wunderschönes grosses Grundstück, auf das der Besitzer einen kleinen Spielplatz für die in seinen Häusern lebenden Kinder errichten lies. Mehrere grosse Birken spendeten im Sommer Schatten, während sich die Kleinen austoben konnten und ihre Mütter sich auf den im Schatten stehenden Bänken unterhielten. Ja, sie verabredeten sich sogar. So brachte die eine Mutter Kaffee und Becher und eine andere Kuchen und eine weitere Getränke für die Kinder mit.
Es gab ebenso viele ältere Menschen, die hier wohnten, und das sogar bereits seit Erbauung der Blöcke. Dies liessen sie allerdings oft die neu einziehenden Paare mit oder ohne Kinder spüren. Alles konnten die Älteren besser, ob es die Art war, wie man eine Schneeschaufel zu führen oder den Besen zu schwingen hatte, oder aber auch wie die jungen Frauen ihre Wäsche auf ihren Leinen in den grossen geräumigen Waschräumen aufzuhängen hatten. Mit ihrer unlogischen Logik hatten sie bereits mehrfach erreicht, dass neue Mieter bald schnell wieder auszogen, weil sie diesen Krieg nicht mitmachen wollten.
Die alte Frau Griessheim aus der mittleren Etage auf der linken Seite, hatte diesbezüglich ein besonders loses Maulwerk. Ständig hatte sie etwas zu nörgeln und schrieb Briefe an den Vermieter, in denen sie sich beschwerte, dass der Sandkasten abends nicht abgedeckt würde, die Wäsche auf den Leinen nicht mit Klammern befestigt, sondern einfach nur übergeworfen sei, dass unter der Treppe Spielzeug der Kleinen deponiert würde usw. Sie war ein richtiger Drachen. Irgendwie sah sie auch Echsenartig aus. Man konnte bei ihrem Anblick jederzeit erwarten, dass Feuer aus ihrem giftigen Rachen sprühen würde. Was bildete sich diese alte Schachtel eigentlich ein? Einmal hatte Petra, die Mutter von den Zwillingen Till und Jens, sie dabei erwischt, wie sie in der Waschküche in der Wäsche der Familie rumschnüffelte. Als Petra den Waschraum betrat, hielt die alte Frigatte gerade einen von Petras Tangas in der Hand.
„Suchen sie was?“ fragte Petra höflich aber dennoch sehr energisch.
„Äääh, das lag im Hausflur“, versuchte der Drachen sich irritiert zu verteidigen. „Ich wollte es nur zu Ihrer Wäsche legen.“
„Sie lügen doch! Ich trage meine Wäsche immer in einem geschlossenen Korb nach unten und gehe anschliessend denselben Weg wieder nach oben, und da lag nichts auf der Treppe. Sie sind bösartig neugierig und eine verbale Dreckschleuder. Es wird Zeit, dass Ihnen mal jemand richtig die Meinung geigt. I C H werde mich diesmal beschweren, warten Sie´s nur ab! Gehen Sie zurück in Ihre Drachenhöhle und verschonen Sie mich, die Nachbarn und die Kinder mit Ihrem Monstercharme.“
Petra wendete sich um und begab sich wutschnaubend nach draussen: „Das ist doch nicht zu fassen, diese, diese, diese …… ach, was rege ich mich überhaupt auf?“
„Hi Pet, hast Du mit den Fingern in die Steckdose gegriffen?“ scherzte Linda, die gerade vom einkaufen kam. „Du explodierst ja gleich. Oder hat die Alte Dir wieder in die Suppe gespuckt?“
„Stell Dir vor, jetzt durchwühlt sie auch noch unsere Wäsche. Die hat doch nicht mehr alle Latten am Zaun. Aber diesmal werde ich mir das nicht gefallen lassen.“ Petra schilderte einige Attacken des Hausdrachens.
„Meinst Du“, wollte Linda wissen, „dass sie auch hinter der Zettelattacke steckt, dass die Kinder hier nicht mehr auf der Wiese spielen sollen? Zutrauen würde ich es ihr ja, nach all dem, was Du mir erzählst. Und sie hat echt einen Tanga von Dir in der Hand gehabt? Hah, das ist ja krass.“
„Ja, sie wusste nichtmal, wie herum sie den halten sollte. Ich glaube schon, dass sie das mit den Zetteln auch war. Ach, guten Tag Frau Schneider,“ grüsste Petra die andere Nachbarin, die gerade an ihnen vorbei ging, um einen Sack mit Müll in den Mülltonnen zu entsorgen. „Wie geht es Ihrem Mann? Wenn Sie der Lärm der Kinder stört, sagen Sie uns doch bitte Bescheid, dann lassen wir den Lärmpegel herunterschrauben“.
„Nein, nein, um Himmels willen. Kinder müssen sich austoben, und mein Günter freut sich immer, wenn er am Nachmittag das lustige Treiben der Kleinen beobachten kann. Das muntert ihn auf und sie werfen ihm sogar bei offenem Fenster oft Bälle zu, die er dann zurück wirft. Das wird ihm nie zuviel.“
„Ach daher stammen die hässlichen Flecken an den Schieferplatten! Das werden Sie alle säubern müssen……!“ schrillte es aus dem Hintergrund.
„Nun halten Sie mal die Luft an, Frau Griessheim“, empörte sich Frau Schmitz. „Wo gehobelt wird, fallen eben Späne. Seien Sie froh, dass die Kinder alle gesund sind und…..“
„Papperlapapp! Das ist Sachbeschädigung, von der Lärmbelästigung und der Unordnung ganz zu schweigen. Zu meiner Zeit hätte es das……“
„Ja, ja, zu Ihrer Zeit sind Sie vermutlich mit einer Eisenkugel an den Fussgelenken tagsüber im Keller angekettet worden! Und wären Sie ein Jahrhundert früher geboren, hätte man sie vermutlich auf dem Scheiterhaufen abgefackelt.“
Frau Schmitz zwinkerte ihren beiden jüngeren Nachbarinnen vergnügt zu und genoss es offensichtlich, dass Frau Griessheim der Dampf bereits aus den Ohren raus zu puffen schien. Nachdem die Drachin wutschnaubend in ihre Wohnung gestapft war, beruhigten sich vor der Haustür die Gemüter langsam wieder. Die Frauen verabschiedeten sich mit einem netten „man sieht sich“ und wünschten sich noch einen guten Weg.
Die verbalen Auseinandersetzungen rissen nicht ab. So ging das Tag für Tag, Woche für Woche und Monat für Monat. Mittlerweile hatten sich noch andere Bewohner gegen diese alte Plageschachtel verschworen und wagten es, ihr mehr und mehr Contra zu geben. Selbst der Vermieter beachtete ihre zahlreichen Zettelchen, Briefe und wörtlichen Eingaben nicht mehr. Im Gegenteil, er hatte sie mittlerweile mehrfach aufgefordert, den nachbarlichen Frieden in seinen Wohnblocks nicht mehr zu stören. Nun erntete sie, was sie selbst gesät hatte: Unfrieden und Hass.
Das reichte nun der alten Frigatte anscheinend, seit ihr Woogen der Antipathie entgegen schlugen. Man sah sie auf einmal tagelang nicht mehr. Das erschien allen dann doch sehr merkwürdig. Also versuchte der Vermieter sie aufzusuchen. Er hatte mehrmals geklingelt, aber es rührte sich nichts. Er stellte nur fest, dass es im Hausflur merkwürdig roch, eher gesagt, es stank schon. Er klingelte erneut mehrfach und als immer noch nicht geöffnet wurde, verschaffte er sich mittels seines Generalschlüssels Zutritt zu Frau Griessheims Drachenhöhle. Beim Betreten wäre er fast umgefallen. Schnell hielt er sich ein Taschentuch vor den Mund und entdeckte sogleich auch den alten Drachen, aufgeknüpft an dem Knauf ihres Schlafzimmerfensters. Neben ihr auf dem Bett befand sich ein Briefumschlag, offensichtlich ein Abschiedsbrief. Dies zu klären, wollte er allerdings der Polizei überlassen, die er gleich von seinem Handy aus informierte. Er forderte die Mitbewohner, die sich im Hausflur versammelt hatten, auf, in ihre Wohnungen zu gehen oder so lange das Haus zu verlassen und die Kinder fern zu halten, bis alles geklärt sei.
Nachdem die Beamten eingetroffen waren und durch den mitgebrachten Arzt die Todesursache dokumentieren liessen, öffnete einer der Polizisten den Umschlag und las den Inhalt des Schreibens laut den Anwesenden vor.
Darin stand:
„Ich halte diese gesellschaftliche Zerrottung nicht mehr aus. Meinen Entschluss schreibe ich der antiautoritären Bevölkerung dieser Wohnblocks zu. Mit meinem Ableben werden hier sicherlich bald asoziale Verhältnisse herrschen und man wird mir noch lange nachtrauern……. Elisabeth Griessheim“
Sie hatte sich also selbst in ihren letzten Lebensminuten noch im Recht gefühlt. Welch eine Vermessenheit. Sie bekam eine einsame Beisetzung. Nur der Pfarrer, die Sargträger und der Herr vom Beerdigungsinstitut waren zugegen. Familie und Freunde hatte sie nicht. Woher auch….
Nach sechs Wochen war die Wohnung bereits, nachdem sie frisch renoviert war, wieder vermietet an ein junges Ehepaar mit einem Kind. Das Haus bekam erneut Leben, aber diesmal erfreuliches. Seitdem hatten alle Anwohner Ruhe und man vergnügte sich ohne Gepöbel auf dem Park ähnlichen Gelände. Man half sich gegenseitig bei den kleinsten Kleinigkeiten, feierte gemeinsam, brachte das Kinderspielzeug täglich unter die Treppe, schaufelte Schnee oder fegte die Gehwege so, wie man es für richtig hielt und warf seine Wäsche zum Trocknen, ohne sie mit Klammern zu befestigen, über die Wäscheleinen. Alle waren seither zufrieden und hatten das alte Lästermaul schon bald vergessen.
(c) Christiane Rühmann
Es gab ebenso viele ältere Menschen, die hier wohnten, und das sogar bereits seit Erbauung der Blöcke. Dies liessen sie allerdings oft die neu einziehenden Paare mit oder ohne Kinder spüren. Alles konnten die Älteren besser, ob es die Art war, wie man eine Schneeschaufel zu führen oder den Besen zu schwingen hatte, oder aber auch wie die jungen Frauen ihre Wäsche auf ihren Leinen in den grossen geräumigen Waschräumen aufzuhängen hatten. Mit ihrer unlogischen Logik hatten sie bereits mehrfach erreicht, dass neue Mieter bald schnell wieder auszogen, weil sie diesen Krieg nicht mitmachen wollten.
Die alte Frau Griessheim aus der mittleren Etage auf der linken Seite, hatte diesbezüglich ein besonders loses Maulwerk. Ständig hatte sie etwas zu nörgeln und schrieb Briefe an den Vermieter, in denen sie sich beschwerte, dass der Sandkasten abends nicht abgedeckt würde, die Wäsche auf den Leinen nicht mit Klammern befestigt, sondern einfach nur übergeworfen sei, dass unter der Treppe Spielzeug der Kleinen deponiert würde usw. Sie war ein richtiger Drachen. Irgendwie sah sie auch Echsenartig aus. Man konnte bei ihrem Anblick jederzeit erwarten, dass Feuer aus ihrem giftigen Rachen sprühen würde. Was bildete sich diese alte Schachtel eigentlich ein? Einmal hatte Petra, die Mutter von den Zwillingen Till und Jens, sie dabei erwischt, wie sie in der Waschküche in der Wäsche der Familie rumschnüffelte. Als Petra den Waschraum betrat, hielt die alte Frigatte gerade einen von Petras Tangas in der Hand.
„Suchen sie was?“ fragte Petra höflich aber dennoch sehr energisch.
„Äääh, das lag im Hausflur“, versuchte der Drachen sich irritiert zu verteidigen. „Ich wollte es nur zu Ihrer Wäsche legen.“
„Sie lügen doch! Ich trage meine Wäsche immer in einem geschlossenen Korb nach unten und gehe anschliessend denselben Weg wieder nach oben, und da lag nichts auf der Treppe. Sie sind bösartig neugierig und eine verbale Dreckschleuder. Es wird Zeit, dass Ihnen mal jemand richtig die Meinung geigt. I C H werde mich diesmal beschweren, warten Sie´s nur ab! Gehen Sie zurück in Ihre Drachenhöhle und verschonen Sie mich, die Nachbarn und die Kinder mit Ihrem Monstercharme.“
Petra wendete sich um und begab sich wutschnaubend nach draussen: „Das ist doch nicht zu fassen, diese, diese, diese …… ach, was rege ich mich überhaupt auf?“
„Hi Pet, hast Du mit den Fingern in die Steckdose gegriffen?“ scherzte Linda, die gerade vom einkaufen kam. „Du explodierst ja gleich. Oder hat die Alte Dir wieder in die Suppe gespuckt?“
„Stell Dir vor, jetzt durchwühlt sie auch noch unsere Wäsche. Die hat doch nicht mehr alle Latten am Zaun. Aber diesmal werde ich mir das nicht gefallen lassen.“ Petra schilderte einige Attacken des Hausdrachens.
„Meinst Du“, wollte Linda wissen, „dass sie auch hinter der Zettelattacke steckt, dass die Kinder hier nicht mehr auf der Wiese spielen sollen? Zutrauen würde ich es ihr ja, nach all dem, was Du mir erzählst. Und sie hat echt einen Tanga von Dir in der Hand gehabt? Hah, das ist ja krass.“
„Ja, sie wusste nichtmal, wie herum sie den halten sollte. Ich glaube schon, dass sie das mit den Zetteln auch war. Ach, guten Tag Frau Schneider,“ grüsste Petra die andere Nachbarin, die gerade an ihnen vorbei ging, um einen Sack mit Müll in den Mülltonnen zu entsorgen. „Wie geht es Ihrem Mann? Wenn Sie der Lärm der Kinder stört, sagen Sie uns doch bitte Bescheid, dann lassen wir den Lärmpegel herunterschrauben“.
„Nein, nein, um Himmels willen. Kinder müssen sich austoben, und mein Günter freut sich immer, wenn er am Nachmittag das lustige Treiben der Kleinen beobachten kann. Das muntert ihn auf und sie werfen ihm sogar bei offenem Fenster oft Bälle zu, die er dann zurück wirft. Das wird ihm nie zuviel.“
„Ach daher stammen die hässlichen Flecken an den Schieferplatten! Das werden Sie alle säubern müssen……!“ schrillte es aus dem Hintergrund.
„Nun halten Sie mal die Luft an, Frau Griessheim“, empörte sich Frau Schmitz. „Wo gehobelt wird, fallen eben Späne. Seien Sie froh, dass die Kinder alle gesund sind und…..“
„Papperlapapp! Das ist Sachbeschädigung, von der Lärmbelästigung und der Unordnung ganz zu schweigen. Zu meiner Zeit hätte es das……“
„Ja, ja, zu Ihrer Zeit sind Sie vermutlich mit einer Eisenkugel an den Fussgelenken tagsüber im Keller angekettet worden! Und wären Sie ein Jahrhundert früher geboren, hätte man sie vermutlich auf dem Scheiterhaufen abgefackelt.“
Frau Schmitz zwinkerte ihren beiden jüngeren Nachbarinnen vergnügt zu und genoss es offensichtlich, dass Frau Griessheim der Dampf bereits aus den Ohren raus zu puffen schien. Nachdem die Drachin wutschnaubend in ihre Wohnung gestapft war, beruhigten sich vor der Haustür die Gemüter langsam wieder. Die Frauen verabschiedeten sich mit einem netten „man sieht sich“ und wünschten sich noch einen guten Weg.
Die verbalen Auseinandersetzungen rissen nicht ab. So ging das Tag für Tag, Woche für Woche und Monat für Monat. Mittlerweile hatten sich noch andere Bewohner gegen diese alte Plageschachtel verschworen und wagten es, ihr mehr und mehr Contra zu geben. Selbst der Vermieter beachtete ihre zahlreichen Zettelchen, Briefe und wörtlichen Eingaben nicht mehr. Im Gegenteil, er hatte sie mittlerweile mehrfach aufgefordert, den nachbarlichen Frieden in seinen Wohnblocks nicht mehr zu stören. Nun erntete sie, was sie selbst gesät hatte: Unfrieden und Hass.
Das reichte nun der alten Frigatte anscheinend, seit ihr Woogen der Antipathie entgegen schlugen. Man sah sie auf einmal tagelang nicht mehr. Das erschien allen dann doch sehr merkwürdig. Also versuchte der Vermieter sie aufzusuchen. Er hatte mehrmals geklingelt, aber es rührte sich nichts. Er stellte nur fest, dass es im Hausflur merkwürdig roch, eher gesagt, es stank schon. Er klingelte erneut mehrfach und als immer noch nicht geöffnet wurde, verschaffte er sich mittels seines Generalschlüssels Zutritt zu Frau Griessheims Drachenhöhle. Beim Betreten wäre er fast umgefallen. Schnell hielt er sich ein Taschentuch vor den Mund und entdeckte sogleich auch den alten Drachen, aufgeknüpft an dem Knauf ihres Schlafzimmerfensters. Neben ihr auf dem Bett befand sich ein Briefumschlag, offensichtlich ein Abschiedsbrief. Dies zu klären, wollte er allerdings der Polizei überlassen, die er gleich von seinem Handy aus informierte. Er forderte die Mitbewohner, die sich im Hausflur versammelt hatten, auf, in ihre Wohnungen zu gehen oder so lange das Haus zu verlassen und die Kinder fern zu halten, bis alles geklärt sei.
Nachdem die Beamten eingetroffen waren und durch den mitgebrachten Arzt die Todesursache dokumentieren liessen, öffnete einer der Polizisten den Umschlag und las den Inhalt des Schreibens laut den Anwesenden vor.
Darin stand:
„Ich halte diese gesellschaftliche Zerrottung nicht mehr aus. Meinen Entschluss schreibe ich der antiautoritären Bevölkerung dieser Wohnblocks zu. Mit meinem Ableben werden hier sicherlich bald asoziale Verhältnisse herrschen und man wird mir noch lange nachtrauern……. Elisabeth Griessheim“
Sie hatte sich also selbst in ihren letzten Lebensminuten noch im Recht gefühlt. Welch eine Vermessenheit. Sie bekam eine einsame Beisetzung. Nur der Pfarrer, die Sargträger und der Herr vom Beerdigungsinstitut waren zugegen. Familie und Freunde hatte sie nicht. Woher auch….
Nach sechs Wochen war die Wohnung bereits, nachdem sie frisch renoviert war, wieder vermietet an ein junges Ehepaar mit einem Kind. Das Haus bekam erneut Leben, aber diesmal erfreuliches. Seitdem hatten alle Anwohner Ruhe und man vergnügte sich ohne Gepöbel auf dem Park ähnlichen Gelände. Man half sich gegenseitig bei den kleinsten Kleinigkeiten, feierte gemeinsam, brachte das Kinderspielzeug täglich unter die Treppe, schaufelte Schnee oder fegte die Gehwege so, wie man es für richtig hielt und warf seine Wäsche zum Trocknen, ohne sie mit Klammern zu befestigen, über die Wäscheleinen. Alle waren seither zufrieden und hatten das alte Lästermaul schon bald vergessen.
(c) Christiane Rühmann
Fremde Zuwendung…
Ihr kennt alle das Problem, von irgendwelchen Callcentern mit Anrufen belästigt zu werden. Mal hast Du eine Reise nach Malle gewonnen oder mal eine Spiele-Gewinn-Zusage. Aber immer ist es mit einem berühmten „Deutschen Haken“ verbunden. Was wäre denn auch ein Deutscher ohne Haken? Etwa so, wie ein Holländer ohne Wohnwagen oder Thule-Box, oder?
Also, mich erreichte eines Tages, etwa vor 5 Jahren, ein solcher Anruf. Am anderen Ende der Leitung sprach ich mit einer sehr netten jungen Frau. Sie leierte mir ihr Anliegen herunter, glich nochmals meine Daten mit den ihr vorliegenden ab und rückte dann mit dem „Haken“ raus. In ihrem bescheuerten Fall sollte es ein Zeitschriften-Abo sein. Für mich stand fest, die Typen sind alle gleich, werden nach Abschluss bezahlt, sind selbst Hartz IV-Empfänger, allein erziehend und müssen sich ein Zubrot verdienen, um monatlich über die Runden zu kommen. Zu ihren 400 € erhalten sie pro Abschluss eine gewisse Summe X, die sie dann vom Arbeitsamt im Endeffekt wieder abgezogen bekommen. Also, dafür würde ich meinen Hintern nicht aus dem Bett heben und mir noch Knöpfe an die Backe labern lassen von Leuten, die erbost oder so Qerulanten sind, wie ich einer bin.
Nun, die freundliche Dame schien der Stimme nach nicht älter als Ende 20 zu sein. Als sie zu ihrem Anliegen kam, nachdem ich alles bestätigt hatte, was sie über mich wusste, habe ich sie gefragt, ob ich nun auch mal erzählen dürfe.
Sie bat darum, und hörte mir brav zu.
Ich erklärte ihr, dass ich mehrfach Krebs erkrankt sei, und dass zwei Jahre zuvor mein Mann, ebenfalls an Krebs, verstorben sei. Meine Kinder seien nun erst 11 und 17 Jahre alt, und vor einem Jahr habe meine Firma wegen Betriebsschliessung, meinen Job gekündigt. Seit meiner „irritierten Gesundheit“ und auf Grund der geschilderten Tatsachen, wäre mein Einkommen natürlich auch entsprechend geschmolzen. Meinen Mercedes habe ich verkaufen müssen und meine Träume und Ziele haben sich weit von mir entfernt.
Sie hörte mir sehr aufmerksam zu. Ich musste sogar nachfragen: „Hallo, sind Sie noch dran?“
Ich vernahm einen tiefen Seufzer. „Das tut mir sehr leid, Frau Rühmann. Ich verstehe, dass da eine zusätzliche finanzielle Belastung nicht machbar ist. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie belästigt habe. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Mut, das alles durchzustehen.“
„Sie müssen sich nicht entschuldigen. Schliesslich konnten Sie meine Situation ja nicht kennen.“
„Aber Sie klingen so tapfer! Halten Sie durch! Ich wünsche Ihnen alles Gute, und dass Sie das, was Sie gerade durchleben, erfolgreich überstehen. „
„Danke, junge Frau. Wie war doch noch gleich Ihr Name?“
„Schneider, Iris Schneider.“
„Sie machen doch auch nur Ihren Job, aus welchen Gründen auch immer.“
Wir verabschiedeten uns sehr höflich von einander, und ich dachte über diese junge Frau nach. Wie lieb sie doch gewesen war. Wenn sie ein Call-Center als Job gewählt hatte, musste sie doch ziemlich verzweifelt gewesen sein.
Ich schlief über meinen Gedanken ein. Mein Körper war sehr schwach.
Nach etwa 14 Tagen erhielt ich einen Brief. Ich öffnete ihn, weil ich gespannt war, was darin enthalten war. Den Absender kannte ich nicht – oder doch?
Er stammte von der jungen Frau, mit der ich lange gesprochen hatte, etwa vor zwei Wochen, die aus dem Call-Center. Ich war erfreut und erstaunt zugleich. So etwas war mir noch nicht passiert. Sie schrieb:
„Sehr geehrte Frau Rühmann, ich habe mir sehr lange Gedanken gemacht, was man Ihnen schreiben könnte. Ich habe mir gedacht, dass Schweigen manchmal wirklich Gold ist und mich für ein Gedicht entschieden. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute und eine schnelle Genesung! Mit freundlichen Grüssen, Iris Schneider.“
Es wurde mir warm und mir stiegen Tränen in die Augen. Sie hatte in einer speziellen Schrift und auf Urkundenpapier in Flyer-Grösse ein Gedicht beigelegt. Ich nahm es gesondert zur Hand und las es:
„Sterne und Träume
Weisst Du noch, wie ich Dir die Sterne vom Himmel holen wollte, um uns einen Traum zu erfüllen? Aber Du meintest, sie hingen viel zu hoch…! Gestern streckte ich mich zufällig dem Himmel entgegen, und ein Stern fiel in meine Hand hinein. Er war noch warm und zeigte mir, dass Träume vielleicht nicht sofort in Erfüllung gehen; … aber irgendwann…..! (Markus Bomhard)“
Die Tränen rannen mir übers Gesicht. Ich freute mich und war gerührt zugleich. Was hatte diese junge Frau dazu bewogen, mir dies zukommen zu lassen? Anbei war noch eine Visitenkarte von ihr. Sie machte Finanz Beratungsdienst in Deutschland (Vertrieb).
Wir haben einige e-mail-Kontakte gehabt, bis mein Rechner gestorben war. Selbst er hatte mich verlassen! Er hatte mich aber auch ermutigt, mir mit allen Mitteln einen Nachfolger zu verschaffen, damit ich wieder texten konnte, unter anderem mit dieser netten Frau. Sie schickte mir irgendwann nocheinmal Fotos von ihrer Hochzeit, und dann brach der Kontakt ab….
Vorhin, im Rausch meiner Einsamkeit, habe ich nochmal alte Papiere durchgearbeitet und fand ihren Brief, mit seinen Anhängen. Ich werde jetzt versuchen, über ihre Visitenkarte erneut Kontakt zu ihr aufzunehmen.
Das Fazit, was ich aus diesem damaligen Telefonat gezogen habe, ist, dass man sie nicht alle über einen Kamm scheren sollte. Oftmals helfen ehrliche Worte, um einen neuen Freund zu gewinnen…
(c) Christiane Rühmann
Also, mich erreichte eines Tages, etwa vor 5 Jahren, ein solcher Anruf. Am anderen Ende der Leitung sprach ich mit einer sehr netten jungen Frau. Sie leierte mir ihr Anliegen herunter, glich nochmals meine Daten mit den ihr vorliegenden ab und rückte dann mit dem „Haken“ raus. In ihrem bescheuerten Fall sollte es ein Zeitschriften-Abo sein. Für mich stand fest, die Typen sind alle gleich, werden nach Abschluss bezahlt, sind selbst Hartz IV-Empfänger, allein erziehend und müssen sich ein Zubrot verdienen, um monatlich über die Runden zu kommen. Zu ihren 400 € erhalten sie pro Abschluss eine gewisse Summe X, die sie dann vom Arbeitsamt im Endeffekt wieder abgezogen bekommen. Also, dafür würde ich meinen Hintern nicht aus dem Bett heben und mir noch Knöpfe an die Backe labern lassen von Leuten, die erbost oder so Qerulanten sind, wie ich einer bin.
Nun, die freundliche Dame schien der Stimme nach nicht älter als Ende 20 zu sein. Als sie zu ihrem Anliegen kam, nachdem ich alles bestätigt hatte, was sie über mich wusste, habe ich sie gefragt, ob ich nun auch mal erzählen dürfe.
Sie bat darum, und hörte mir brav zu.
Ich erklärte ihr, dass ich mehrfach Krebs erkrankt sei, und dass zwei Jahre zuvor mein Mann, ebenfalls an Krebs, verstorben sei. Meine Kinder seien nun erst 11 und 17 Jahre alt, und vor einem Jahr habe meine Firma wegen Betriebsschliessung, meinen Job gekündigt. Seit meiner „irritierten Gesundheit“ und auf Grund der geschilderten Tatsachen, wäre mein Einkommen natürlich auch entsprechend geschmolzen. Meinen Mercedes habe ich verkaufen müssen und meine Träume und Ziele haben sich weit von mir entfernt.
Sie hörte mir sehr aufmerksam zu. Ich musste sogar nachfragen: „Hallo, sind Sie noch dran?“
Ich vernahm einen tiefen Seufzer. „Das tut mir sehr leid, Frau Rühmann. Ich verstehe, dass da eine zusätzliche finanzielle Belastung nicht machbar ist. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie belästigt habe. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Mut, das alles durchzustehen.“
„Sie müssen sich nicht entschuldigen. Schliesslich konnten Sie meine Situation ja nicht kennen.“
„Aber Sie klingen so tapfer! Halten Sie durch! Ich wünsche Ihnen alles Gute, und dass Sie das, was Sie gerade durchleben, erfolgreich überstehen. „
„Danke, junge Frau. Wie war doch noch gleich Ihr Name?“
„Schneider, Iris Schneider.“
„Sie machen doch auch nur Ihren Job, aus welchen Gründen auch immer.“
Wir verabschiedeten uns sehr höflich von einander, und ich dachte über diese junge Frau nach. Wie lieb sie doch gewesen war. Wenn sie ein Call-Center als Job gewählt hatte, musste sie doch ziemlich verzweifelt gewesen sein.
Ich schlief über meinen Gedanken ein. Mein Körper war sehr schwach.
Nach etwa 14 Tagen erhielt ich einen Brief. Ich öffnete ihn, weil ich gespannt war, was darin enthalten war. Den Absender kannte ich nicht – oder doch?
Er stammte von der jungen Frau, mit der ich lange gesprochen hatte, etwa vor zwei Wochen, die aus dem Call-Center. Ich war erfreut und erstaunt zugleich. So etwas war mir noch nicht passiert. Sie schrieb:
„Sehr geehrte Frau Rühmann, ich habe mir sehr lange Gedanken gemacht, was man Ihnen schreiben könnte. Ich habe mir gedacht, dass Schweigen manchmal wirklich Gold ist und mich für ein Gedicht entschieden. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute und eine schnelle Genesung! Mit freundlichen Grüssen, Iris Schneider.“
Es wurde mir warm und mir stiegen Tränen in die Augen. Sie hatte in einer speziellen Schrift und auf Urkundenpapier in Flyer-Grösse ein Gedicht beigelegt. Ich nahm es gesondert zur Hand und las es:
„Sterne und Träume
Weisst Du noch, wie ich Dir die Sterne vom Himmel holen wollte, um uns einen Traum zu erfüllen? Aber Du meintest, sie hingen viel zu hoch…! Gestern streckte ich mich zufällig dem Himmel entgegen, und ein Stern fiel in meine Hand hinein. Er war noch warm und zeigte mir, dass Träume vielleicht nicht sofort in Erfüllung gehen; … aber irgendwann…..! (Markus Bomhard)“
Die Tränen rannen mir übers Gesicht. Ich freute mich und war gerührt zugleich. Was hatte diese junge Frau dazu bewogen, mir dies zukommen zu lassen? Anbei war noch eine Visitenkarte von ihr. Sie machte Finanz Beratungsdienst in Deutschland (Vertrieb).
Wir haben einige e-mail-Kontakte gehabt, bis mein Rechner gestorben war. Selbst er hatte mich verlassen! Er hatte mich aber auch ermutigt, mir mit allen Mitteln einen Nachfolger zu verschaffen, damit ich wieder texten konnte, unter anderem mit dieser netten Frau. Sie schickte mir irgendwann nocheinmal Fotos von ihrer Hochzeit, und dann brach der Kontakt ab….
Vorhin, im Rausch meiner Einsamkeit, habe ich nochmal alte Papiere durchgearbeitet und fand ihren Brief, mit seinen Anhängen. Ich werde jetzt versuchen, über ihre Visitenkarte erneut Kontakt zu ihr aufzunehmen.
Das Fazit, was ich aus diesem damaligen Telefonat gezogen habe, ist, dass man sie nicht alle über einen Kamm scheren sollte. Oftmals helfen ehrliche Worte, um einen neuen Freund zu gewinnen…
(c) Christiane Rühmann
Ungeduld und Geduld
Du spürst sie ab und zu
und willst sie von Dir streichen.
“Laß Dir doch Zeit!” - doch Du
willst schnell Dein Ziel erreichen.
“GUT DING BRAUCHT WEIL”,
das ist Dir wohl bekannt;
doch Du willst - immer nur in Eil,
sofort mit dem Kopf durch die Wand.
Geduld ist eine Tugend,
entgegen von Ungeduld.
Erlerne sie früh schon der Jugend,
sonst plagt Dich einst die Schuld.
Es klappt viel besser im Leben
mit etwas langer Weile.
Versuch`s mit geruhsamen Streben,
als immer nur mit Eile.
Du wirst dann bewundernd angeschaut,
weil alles viel besser gelingt,
und man DIR vieles MEHR zutraut,
was DENEN durch Eile misslingt.
Christiane Rühmann
und willst sie von Dir streichen.
“Laß Dir doch Zeit!” - doch Du
willst schnell Dein Ziel erreichen.
“GUT DING BRAUCHT WEIL”,
das ist Dir wohl bekannt;
doch Du willst - immer nur in Eil,
sofort mit dem Kopf durch die Wand.
Geduld ist eine Tugend,
entgegen von Ungeduld.
Erlerne sie früh schon der Jugend,
sonst plagt Dich einst die Schuld.
Es klappt viel besser im Leben
mit etwas langer Weile.
Versuch`s mit geruhsamen Streben,
als immer nur mit Eile.
Du wirst dann bewundernd angeschaut,
weil alles viel besser gelingt,
und man DIR vieles MEHR zutraut,
was DENEN durch Eile misslingt.
Christiane Rühmann
Trau Dich
Ja, trau Dich in jeder Situation nur
und komme dem Leben auf die Spur.
Tu alles, was Du bisher versäumt,
wovon Du immer schon geträumt.
Tu nie, was angebliche Freunde empfohlen,
tu alles, um nicht Erlebtes nachzuholen.
Spring Fallschirm oder mach mal Paragliding,
hör nur auf Dich und mache Dein Ding!
Geh´ doch erstmals zum Schlittschuh laufen
und trau´ Dich, einen Bikini zu kaufen.
Spring spontan mal Trampolin
und gib Dich dieser Freude hin.
Entdecke endlich, was in Dir steckt,
lass Deine Freude mal aufgedeckt!
Akzeptiere jede neue Situation
und freu´ Dich auf die nächste schon.
Laß es sprudeln - aus Dir raus
und komm´ aus Deinem Panzer raus!
Lass dem Selbstbewusstsein seinen Lauf,
nimm alle neuen Dinge auf!
Mach´s einfach klar - ruhig, genauer.
Jumpe flink über die Blockademauer.
Du wirst merken, das ist “gut” für Dich,
wichtig ist nur: TRAUE DICH
(c) Christiane Rühmann
und komme dem Leben auf die Spur.
Tu alles, was Du bisher versäumt,
wovon Du immer schon geträumt.
Tu nie, was angebliche Freunde empfohlen,
tu alles, um nicht Erlebtes nachzuholen.
Spring Fallschirm oder mach mal Paragliding,
hör nur auf Dich und mache Dein Ding!
Geh´ doch erstmals zum Schlittschuh laufen
und trau´ Dich, einen Bikini zu kaufen.
Spring spontan mal Trampolin
und gib Dich dieser Freude hin.
Entdecke endlich, was in Dir steckt,
lass Deine Freude mal aufgedeckt!
Akzeptiere jede neue Situation
und freu´ Dich auf die nächste schon.
Laß es sprudeln - aus Dir raus
und komm´ aus Deinem Panzer raus!
Lass dem Selbstbewusstsein seinen Lauf,
nimm alle neuen Dinge auf!
Mach´s einfach klar - ruhig, genauer.
Jumpe flink über die Blockademauer.
Du wirst merken, das ist “gut” für Dich,
wichtig ist nur: TRAUE DICH
(c) Christiane Rühmann
Goggomobil
Wer erinnert sich nicht an diese schönen Gefährte, die noch mit Gemisch betankt wurden? Mein Mann und ich haben uns Ende der 80-er Jahre ein solches Auto zugelegt – just for fun. Es war eine graue Goggomobil-Limousine. Liebevoll hatten wir sie gesäubert, poliert und ein wenig umgestaltet. Ganze 100,00 DM hatte uns diese Schachtel auf vier Rädern damals gekostet, aber der Spass, den wir damit hatten, ist mit Geld nicht aufzuwiegen.
Das Reserverad hatten wir hinten auf der Heckhaube angebracht und die Kotflügel wurden von uns schwarz lackiert. Er sah schon niedlich aus, unser kleiner Wagen.
Das fanden offensichtlich auch viele Passanten, an denen wir am Wochenende auf unseren Spritztouren vorbei kamen. Offensichtlich waren wir bereits meilenweit zu sehen, weil diese kleine CO²-Dreckschleuder unglaublich qualmte. Wir zogen ständig eine riesige Abgaswolke hinter uns her. Damals haben wir uns keine Gedanken über die Luftverschmutzung gemacht. Es hat einfach nur Spass gemacht, mit dem winzigen Auto Aufsehen zu erregen.
Auf einer Wochenendtour, wir wollten einen Ausflug ins Bergische machen, begegneten wir in einem kleinen Dorf einem Herrn, der einen Rasenmäher vor sich her schob. Offensichtlich wollte er, weil er seinen Rasenschneider über den Bürgersteig schob, damit zum Nachbargrundstück. Als wir auf seiner Höhe waren, bemerkten wir, dass er uns mit geöffnetem Mund nachschaute und dabei nicht auf seinen Weg achtete. Mit verwundertem Blick schob er seinen Rasenmäher – peng – gegen einen Laternenmast und sorgte für zusätzliches Vergnügen bei uns und anderen Passanten. Wir setzten unsere Fahrt sichtlich vergnügt und froh gelaunt fort.
Auf einer Ablage vor der Heckscheibe befand sich ein kleiner Hebel, den man umlegen musste, um die Kraftstoffreserve zu aktivieren. Nur wussten wir nicht wirklich, wann er auf „Reserve“ stand und wann nicht. So passierte es auf einer Tour, dass wir mitten im Bergischen auf einer langen Serpentinenstrasse plötzlich mit unserem Gefährt stehen blieben, weil kein Sprit mehr im Tank war. Also machten wir uns zufuss auf den Weg, um irgendwo eine Tankstelle zu finden. Den Wagen haben wir mit Leichtigkeit auf den Randstreifen geschoben, jedoch vorsichtshalber die Warnblinkanlage eingeschaltet.
Mein Mann gab natürlich mir die Schuld daran, dass der Tank leer war. Käbbelnd und keiffend erreichten wir nach ca. 3 km Fussweg bergauf eine Tankstelle. Durchgeschwitzt und erleichtert besorgten wir uns hier einen Kanister und befüllten ihn mit Kraftstoff. Mittlerweile hatten sich unsere Gemüter beruhigt und wir begaben uns, wieder scherzend, auf den Rückweg zu unserem Wagen. Bergab benötigten wir fast nur die halbe Zeit. Als wir beim Fahrzeug ankamen, stellten wir fest, dass nun die Batterie leer war. Nun ja, er hatte eben nur eine kleine 6 Volt-Batterie. Uff, auch das noch.
Nachdem wir den Tank befüllt hatten, wendeten wir mit Muskelkraft unser kleines Goggomobil in die Gegenrichtung und liessen ihn anrollen, bis er dann wieder ansprang. Tuckernd setzten wir unsere Fahrt fort, aber diesmal in Richtung Heim. Für heute hatten wir genug geleistet.
Ich hatte mir angewöhnt, sogar zu meiner 28 km entfernten Arbeitsstätte mit dem kleinen Wagen zu fahren. Es war preiswert und machte Spass. An einem Morgen, ich hatte mich um etwa 10 Minuten verspätet, gab ich auf der leicht abschüssigen Bundesstrasse also Gas, und fuhr, was die Kiste hergab, um ein paar Minuten aufzuholen. Auf dem Heimweg war ich genau so unter Zeitdruck und hatte das Gaspedal bis auf den Boden durchgedrückt. Auf einmal machte es „ping“ und vor mir trat ein Polizist mit einer Kelle auf die Fahrbahn, um mich anzuhalten. Mist, auch das noch – bitte nicht heute!
Ich musste ordentlich bremsen, und mein kleiner Flitzer kam hierbei leicht ins Schleudern. Ich lenkte rechts an den Fahrbahnrand und sah zu, wie der Polizist Kopf schüttelnd auf mich zu kam. Ich kurbelte das Fenster runter und grüsste höflich den Beamten. Er grüsste grinsend zurück und meinte: „Sie haben es wohl sehr eilig? Ich kann kaum glauben, was unser Radarmessgerät uns da eben gemeldet hat“. Mit ungläubiger trockener Miene fragte ich zurück: „Ist denn was nicht in Ordnung?“ „Also“, meinte er, „ich bin seit über 20 Jahren im Beruf und habe noch nie einen Goggo in der Radarkontrolle gehabt und schon gar nicht mit einem solchen Speed. Wir haben Sie mit 89 km/h gemessen. Mal ganz abgesehen davon, dass hier noch 50 km/ h zu fahren sind. Zeigen Sie mir doch bitte mal Ihre Papiere.“ Während er ungläubig und immer noch Kopf schüttelnd um das Fahrzeug herum schlawänzelte, kramte ich die Fahrzeugpapiere hervor und reichte sie aus dem geöffneten Fenster nach draussen. Auch sein Kollege hatte sich inzwischen dazu gesellt. Auch er grinste über das ganze Gesicht.
Nachdem der Beamte die Ordnung meiner Papiere festgestellt hatte, bemerkte er auf dem Rücksitz einen riesigen Blumenstrauss und einige Geschenke. Er schaute nochmals in die Papiere und meinte dann: „Oh, junge Frau, Sie haben ja heute Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch. Nun, da ich so etwas noch nie erlebt habe und auf Grund der Tatsache, dass Sie heute ein viertel Jahrhundert alt geworden sind, wollen wir heute mal eine Ausnahme machen. Sie können Ihre Fahrt ohne strafrechtliche Konsequenzen fortsetzen, aber lassen Sie sich ja nicht mehr von uns erwischen!“ Schmunzelnd reichte er mir meine Fahrzeugpapiere zurück, hob grüssend seine Hand zur Mütze und wünschte mir noch eine gute Weiterfahrt. Ich bedanke mich freudestrahlend und setzte meinen Heimweg fort – natürlich mit dem gewohnten Speed……
Wäre ich mit meinem Scirocco in diese Situation gekommen, hätte er mich sicher nicht so davon kommen lassen.
Oldtimer haben eben auch ihre guten Seiten……..
(c) Christiane Rühmann
Das Reserverad hatten wir hinten auf der Heckhaube angebracht und die Kotflügel wurden von uns schwarz lackiert. Er sah schon niedlich aus, unser kleiner Wagen.
Das fanden offensichtlich auch viele Passanten, an denen wir am Wochenende auf unseren Spritztouren vorbei kamen. Offensichtlich waren wir bereits meilenweit zu sehen, weil diese kleine CO²-Dreckschleuder unglaublich qualmte. Wir zogen ständig eine riesige Abgaswolke hinter uns her. Damals haben wir uns keine Gedanken über die Luftverschmutzung gemacht. Es hat einfach nur Spass gemacht, mit dem winzigen Auto Aufsehen zu erregen.
Auf einer Wochenendtour, wir wollten einen Ausflug ins Bergische machen, begegneten wir in einem kleinen Dorf einem Herrn, der einen Rasenmäher vor sich her schob. Offensichtlich wollte er, weil er seinen Rasenschneider über den Bürgersteig schob, damit zum Nachbargrundstück. Als wir auf seiner Höhe waren, bemerkten wir, dass er uns mit geöffnetem Mund nachschaute und dabei nicht auf seinen Weg achtete. Mit verwundertem Blick schob er seinen Rasenmäher – peng – gegen einen Laternenmast und sorgte für zusätzliches Vergnügen bei uns und anderen Passanten. Wir setzten unsere Fahrt sichtlich vergnügt und froh gelaunt fort.
Auf einer Ablage vor der Heckscheibe befand sich ein kleiner Hebel, den man umlegen musste, um die Kraftstoffreserve zu aktivieren. Nur wussten wir nicht wirklich, wann er auf „Reserve“ stand und wann nicht. So passierte es auf einer Tour, dass wir mitten im Bergischen auf einer langen Serpentinenstrasse plötzlich mit unserem Gefährt stehen blieben, weil kein Sprit mehr im Tank war. Also machten wir uns zufuss auf den Weg, um irgendwo eine Tankstelle zu finden. Den Wagen haben wir mit Leichtigkeit auf den Randstreifen geschoben, jedoch vorsichtshalber die Warnblinkanlage eingeschaltet.
Mein Mann gab natürlich mir die Schuld daran, dass der Tank leer war. Käbbelnd und keiffend erreichten wir nach ca. 3 km Fussweg bergauf eine Tankstelle. Durchgeschwitzt und erleichtert besorgten wir uns hier einen Kanister und befüllten ihn mit Kraftstoff. Mittlerweile hatten sich unsere Gemüter beruhigt und wir begaben uns, wieder scherzend, auf den Rückweg zu unserem Wagen. Bergab benötigten wir fast nur die halbe Zeit. Als wir beim Fahrzeug ankamen, stellten wir fest, dass nun die Batterie leer war. Nun ja, er hatte eben nur eine kleine 6 Volt-Batterie. Uff, auch das noch.
Nachdem wir den Tank befüllt hatten, wendeten wir mit Muskelkraft unser kleines Goggomobil in die Gegenrichtung und liessen ihn anrollen, bis er dann wieder ansprang. Tuckernd setzten wir unsere Fahrt fort, aber diesmal in Richtung Heim. Für heute hatten wir genug geleistet.
Ich hatte mir angewöhnt, sogar zu meiner 28 km entfernten Arbeitsstätte mit dem kleinen Wagen zu fahren. Es war preiswert und machte Spass. An einem Morgen, ich hatte mich um etwa 10 Minuten verspätet, gab ich auf der leicht abschüssigen Bundesstrasse also Gas, und fuhr, was die Kiste hergab, um ein paar Minuten aufzuholen. Auf dem Heimweg war ich genau so unter Zeitdruck und hatte das Gaspedal bis auf den Boden durchgedrückt. Auf einmal machte es „ping“ und vor mir trat ein Polizist mit einer Kelle auf die Fahrbahn, um mich anzuhalten. Mist, auch das noch – bitte nicht heute!
Ich musste ordentlich bremsen, und mein kleiner Flitzer kam hierbei leicht ins Schleudern. Ich lenkte rechts an den Fahrbahnrand und sah zu, wie der Polizist Kopf schüttelnd auf mich zu kam. Ich kurbelte das Fenster runter und grüsste höflich den Beamten. Er grüsste grinsend zurück und meinte: „Sie haben es wohl sehr eilig? Ich kann kaum glauben, was unser Radarmessgerät uns da eben gemeldet hat“. Mit ungläubiger trockener Miene fragte ich zurück: „Ist denn was nicht in Ordnung?“ „Also“, meinte er, „ich bin seit über 20 Jahren im Beruf und habe noch nie einen Goggo in der Radarkontrolle gehabt und schon gar nicht mit einem solchen Speed. Wir haben Sie mit 89 km/h gemessen. Mal ganz abgesehen davon, dass hier noch 50 km/ h zu fahren sind. Zeigen Sie mir doch bitte mal Ihre Papiere.“ Während er ungläubig und immer noch Kopf schüttelnd um das Fahrzeug herum schlawänzelte, kramte ich die Fahrzeugpapiere hervor und reichte sie aus dem geöffneten Fenster nach draussen. Auch sein Kollege hatte sich inzwischen dazu gesellt. Auch er grinste über das ganze Gesicht.
Nachdem der Beamte die Ordnung meiner Papiere festgestellt hatte, bemerkte er auf dem Rücksitz einen riesigen Blumenstrauss und einige Geschenke. Er schaute nochmals in die Papiere und meinte dann: „Oh, junge Frau, Sie haben ja heute Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch. Nun, da ich so etwas noch nie erlebt habe und auf Grund der Tatsache, dass Sie heute ein viertel Jahrhundert alt geworden sind, wollen wir heute mal eine Ausnahme machen. Sie können Ihre Fahrt ohne strafrechtliche Konsequenzen fortsetzen, aber lassen Sie sich ja nicht mehr von uns erwischen!“ Schmunzelnd reichte er mir meine Fahrzeugpapiere zurück, hob grüssend seine Hand zur Mütze und wünschte mir noch eine gute Weiterfahrt. Ich bedanke mich freudestrahlend und setzte meinen Heimweg fort – natürlich mit dem gewohnten Speed……
Wäre ich mit meinem Scirocco in diese Situation gekommen, hätte er mich sicher nicht so davon kommen lassen.
Oldtimer haben eben auch ihre guten Seiten……..
(c) Christiane Rühmann
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