Schoppen
Puuh, war das heute wieder ein Tag. Anne hat Geburtstag und ich habe ihr versprochen, beim Catering zu helfen. Ich freue mich jedesmal, dass meine Salate so gut ankommen.
Der Grundplan stand. Es sollte gegrillt werden, schliesslich hatten wir endlich ein regenfreies Wochenende zu erwarten. Zum Grillen gehören halt einfach Salate. Also dann, los zum einkaufen.
Als Erstes habe ich ein wenig geLIDLt. Schliesslich hatte ich die Angebote im Radio gehört und wollte davon profitieren. Nachdem ich hier jedoch nicht alles kaufen konnte, was sonst noch so auf meinem Einkaufszettel stand, beschloss ich AL(l)DI anderen Sachen beim nächsten Discounter zu erwerben. Mann, war das voll hier! Das ist ja schrecklich. Für zwei Artikel sollte ich 10 Minuten an der Kasse stehen? Näh, nichts wie raus hier und zum nächsten Schuppen.
Da ich auf jeden PENNY achten musste, war ich natürlich auch darauf erpicht, sparsam einzukaufen. Ich schlenderte hier durch die Gänge und stellte entsetzt fest, dass es in der Gefriertruhe nicht die Dill-Kräuterpakete gab, die ich für meinen Gurkensalat benötigte.
Was blieb mir also anderes übrig, als weiterzuziehen. Wegen so einem geringen KAUF PARKen, wo die Parkdecks immer so überfüllt sind? Das musste ich mir nochmal durch den Kopf gehen lassen. Was blieb mir denn sonst auch noch anderes übrig? Ich überprüfte meine Einkaufsliste.
Ach ja, ich könnte, um NETTO, also unter dem Strich doch noch gut wegzukommen, mal versuchen, ob ich da die offenen Posten meines Zettels abdecken konnte. Oh, ich war überrascht. Hier gab es interessante Angebote. Das konnte ich noch gebrauchen, und Jenes auch.
Ich hatte meinen Einkaufskorb schon wieder halb gefüllt, konnte jedoch keinen Dill finden. Mal ehrlich: Gurkensalat ohne Dill geht ja gar nicht!
‚SPAR Dir also Dein weiteres Suchen und versuche es mal im Einzelhandel‘, dachte ich und machte mich erneut auf den Weg. Diesmal hatte ich Glück. Von der Kassiererin an der Kasse musste ich mich jedoch blöd anblaffen lassen: „Na, Grosseinkauf gemacht?“
Als wenn ein TK-Paket Dill nichts kosten würde! Was bildete sie sich ein? Anständig, wie ich aber nun mal bin, wünschte ich ihr höflich ein schönes Wochenende und verliess den Laden.
‚Da war doch noch was….‘, dachte ich, und überprüfte erneut meine Liste. Mensch, das Wichtigste hätte ich ja fast vergessen! Das Geschenk für Anne. Ich wollte ihr doch für einige TAKKOs einen Gutschein kaufen. Den kann man immer gebrauchen. Genau, da KIcK ick mol in.
O.k., das sollte aber das Letzte sein, was ich an diesem wuscheligen Samstag Vormittag erledigen wollte. Der Blick auf meine Liste gab mir Recht.
Allerdings war mein Auto da anderer Meinung. Ich hatte ja TOTAL vergessen zu tanken. So fuhr ich zum Schluss noch runter von der Piste und befüllte meine alte Kiste.
© Christiane Rühmann
Eigenarten
„Peeeetäär, kannst Du mal
bitte kommen?“
„Was ist denn schon
wieder, und wo bist Du?“
„Ich bin im Bad, beeil
Dich!“
Katja war etwas leicht
angesäuert, weil Peter die dumme Angewohnheit besass, die Zahncremetube immer von
oben her auszudrücken. Ständig musste sie von unten beginnen, den Inhalt der
Tube nach oben hin, zum Ausgang, hochzuschieben. Dabei wurden dann auch
entsprechende Streifen, die man extra eingebaut hatte, durcheinander gebracht.
Dadurch gab es nur noch, statt rot/weiss, grün/weiss oder blau/weiss, irgendein
Durcheinander, was ihr persönlich zu unappetitlich erschien. Auch glaubte sie,
dass die Zahncreme dadurch nicht mehr die gewünschte Wirkung hervorbringen
würde.
„Was ist denn“, wollte
Peter wissen.
„Mensch, kannst Du nicht
mal endlich die Zahncreme von unten nach oben ausdrücken? Das geht mir so auf
den Keks! Jeden Morgen und Abend muss ich die Tube richten. Weisst Du
überhaupt, wie die Streifen in die Tube gelangen und wozu sie dienen? Das habe
ich mal in der Sendung mit der Maus gesehen. „
„Ja klar weiss ich das.
Aber dass Du Dich so darüber aufregen kannst?! Ist doch egal, in welcher
Konstellation die Masse aus der Tube kommt, sie erfüllt auf jeden Fall ihren
Zweck.“
Peter grinste und
kicherte in sich hinein, weil sich Katja so über sein Verhalten aufregte.
„Aber, wo wir gerade mal
dabei sind“, meinte er:
„Mich regt total auf, dass Du Deine
Schmutzwäsche immer auf den Boden wirfst, statt sie in den Wäschebehälter im
Badezimmer zu werfen. Das regt mich auf! Und, dass Du immer alles auf Links
ausziehst!“
„Wieso, ich muss sie doch
sowieso waschen und sortieren. Lass das mal meine Sorge sein!“
Katja konnte seine
Empörung absolut nicht verstehen. Schliesslich war das Wäsche waschen ihre
Aufgabe, während Peter lediglich seine eigene Wäsche bügeln musste, und sie die
ihre. Wo war also das Problem? Warum regte er sich darüber so auf?
„Und wozu, bitteschön,
haben wir dann einen Wäschepuff?“
Peter spürte mittlerweile
seine Halsschlagader pochen. Wozu denn die ganzen Anschaffungen, wenn sie doch
nicht sinngemäss benutzt wurden?
„Lass mich doch in Ruhe
und sieh zu, dass Du künftig Deine Zahncreme vernünftig ausdrückst!“
Auch Katja verspürte
einen gewissen Zorn in sich hochsteigen. Sie hatte sich sogar so sehr ereifert,
dass sie auf dem Badewannenrand Platz nehmen musste, um nicht zu entgleisen und
erstmal wieder ‚runter zu kommen‘.
Das gab Peter dann doch
zu denken.
„Schatz, geht es Dir
nicht gut?“
Peter geriet nun doch
leicht in Sorge, als er Katja so aufgewühlt auf dem Wannenrand sitzen sah.
„Danke, geht schon
wieder. Sag mal, können wir uns nicht arrangieren? Können wir nicht ganz
einfach das akzeptieren, was der Eine an dem Anderen auszusetzen hat? Wir sind
doch beide erwachsen und können miteinander reden. Also ich verspreche Dir,
meine Wäsche künftig in den Wäschekorb abzulegen. Sortieren muss ich die
Kleider eh. Und Du – könntest Du nicht versuchen…….“
„Ja, Schatz, versprochen,
ich werde meine Zahncreme künftig von unten her ausdrücken und auf meine
Zahnbürste aufbringen.“
Er nahm sie zärtlich in
den Arm und kredenzte ihr einen zärtlichen Kuss auf ihre, vor Eifer doch recht
feucht gewordene, Stirn.
Liebevoll schmiegte sich
Katja an die ‚Liebe ihres Lebens‘, ihren Peter.
Ihre gemeinsame Zukunft
gestaltete sich von diesem Zeitpunkt an, wesentlich harmonischer.
Ich könnte neidisch
werden auf die beiden, wenn – ja wenn es da Jemanden geben würde, der sich mit
mir über meine Eigenarten zanken würde.
Wer weiss, wozu es alles
ist, wie es ist……
© Christiane Rühmann
Schöne Momente
Ruhe suchend – Ruhe findend.-
Unschlagbare Momente.
Unschlagbare Momente.
Schönheit, Anmut, unglaubliche Gebilde
der Wolken, des Universums,
in dem unglaublich weiten Gefilde.
der Wolken, des Universums,
in dem unglaublich weiten Gefilde.
Wolken, in Gestalt von Meeres Woogen,
meine Sinne berühren.
Des Dichters Worte – nicht gelogen,
mich in Träume entführen.
meine Sinne berühren.
Des Dichters Worte – nicht gelogen,
mich in Träume entführen.
Wo kann ich jemals so sicher sein,
wo, ausser in der Natur,
wo mag ich denn lieber sein,
losgelöst, ganz ich sein, nur.
wo, ausser in der Natur,
wo mag ich denn lieber sein,
losgelöst, ganz ich sein, nur.
Farben, Gebilde, auch Gestalten,
der kreativen Wolken,
lassen mein ICH-SEIN erhalten,
was für mich wichtig im Leben,
wollen neue Kraft mir geben.
der kreativen Wolken,
lassen mein ICH-SEIN erhalten,
was für mich wichtig im Leben,
wollen neue Kraft mir geben.
Geatmet, aufgetankt von dieser Sicht,
sich jetzt die Sonne im Dunkel bricht.
Doch hat sie ihre Energie gegeben,
um mir neue Kraft zu geben.
sich jetzt die Sonne im Dunkel bricht.
Doch hat sie ihre Energie gegeben,
um mir neue Kraft zu geben.
Getrost, während sich der Abendnebel erhebt,
schöpfe ich diese neue Kraft.
Diesen Tag habe ich bewusst erlebt.
schöpfe ich diese neue Kraft.
Diesen Tag habe ich bewusst erlebt.
Ich liebe diese klaren Momente,
zu stärken meinen Sinn,
und sie geben, dank der klaren Elemente,
meinem Morgen neuen Sinn.
© Christiane Rühmann
Kaffeefahrt
Auf Kaffeefahrt macht
sich Else Biestich,
mit ihren Freundinnen in die Eifel.
Noch hatte jeder keine Zweifel,
ob er erhalten werde, was versprochen:
In einem Block ein Messerset,
was wohl jeder gerne hätt,
und für den Körper eine Creme,
die auch Prominenz gern nehme,
dazu noch Kaffe und auch Kuchen.
Sie wollten es halt mal versuchen.
mit ihren Freundinnen in die Eifel.
Noch hatte jeder keine Zweifel,
ob er erhalten werde, was versprochen:
In einem Block ein Messerset,
was wohl jeder gerne hätt,
und für den Körper eine Creme,
die auch Prominenz gern nehme,
dazu noch Kaffe und auch Kuchen.
Sie wollten es halt mal versuchen.
Angereist vor dem Lokal,
aus dem Bus sie steigen.
Sich reckend und streckend jedoch sie zeigen,
dass ihre Körper nicht mehr ganz so frisch.
Sie gehen also ins Lokal, durch, bis hin zum grossen Saal,
zogen ihre Mäntel aus und suchten sich ´nen netten Tisch,
um ganz nah am Geschehen zu sein,
wie konnte es auch anders sein.
Sich reckend und streckend jedoch sie zeigen,
dass ihre Körper nicht mehr ganz so frisch.
Sie gehen also ins Lokal, durch, bis hin zum grossen Saal,
zogen ihre Mäntel aus und suchten sich ´nen netten Tisch,
um ganz nah am Geschehen zu sein,
wie konnte es auch anders sein.
Mathilde kreist den Kopf,
um sich einzurenken,
Doris kann vor Schmerz im Knie kaum denken
und Else schaut sich zaghaft um, bemerkt dann,
dass alle Teilnehmer in die Runde stierten
und wie sie, auf die Geschenke gierten,
mit denen man alle angelockt.
Doris kann vor Schmerz im Knie kaum denken
und Else schaut sich zaghaft um, bemerkt dann,
dass alle Teilnehmer in die Runde stierten
und wie sie, auf die Geschenke gierten,
mit denen man alle angelockt.
Jetzt, wo jeder auf
seinem Stühlchen hockt,
kommt so´n geschniekelter Mikro-Fritze,
reisst zur Begrüssung erstmal Witze,
schaut prüfend in die Kaffeerunde,
wünscht allen, dass es ihnen munde
und bittet dann ernsthaft um Gehör,
falls es niemanden weiter stör.
kommt so´n geschniekelter Mikro-Fritze,
reisst zur Begrüssung erstmal Witze,
schaut prüfend in die Kaffeerunde,
wünscht allen, dass es ihnen munde
und bittet dann ernsthaft um Gehör,
falls es niemanden weiter stör.
„Frau Schmitz“, meint er,
„ich hab entdeckt,
dass Sie ein Zipperleinchen neckt.
Dagegen gibt es hier bei uns,
das weiss sogar schon Hinz und Kunz,
eine tolle magnetische Decke,
gestärkt mit 50.000 Gauss,
das hält kein Schmerzerreger aus.
dass Sie ein Zipperleinchen neckt.
Dagegen gibt es hier bei uns,
das weiss sogar schon Hinz und Kunz,
eine tolle magnetische Decke,
gestärkt mit 50.000 Gauss,
das hält kein Schmerzerreger aus.
Frau Meier, die ich jetzt
begrüsse,
braucht einen Lammfellsack, für die Füsse.
Auch den kann man bei uns bestellen,
Sie werden dann schon sehn,
gut geht´s, vom Kopf bis zu den Zehen.“
braucht einen Lammfellsack, für die Füsse.
Auch den kann man bei uns bestellen,
Sie werden dann schon sehn,
gut geht´s, vom Kopf bis zu den Zehen.“
Bald hat er alles
vorgestellt,
was zu erwerben für teures Geld.
Schon sieht man die Alten von den Plätzen schiessen,
um einen Kaufvertrag abzuschliessen.
Nach einer weiteren guten Stunde,
löst er auf die Kaffeerunde.
was zu erwerben für teures Geld.
Schon sieht man die Alten von den Plätzen schiessen,
um einen Kaufvertrag abzuschliessen.
Nach einer weiteren guten Stunde,
löst er auf die Kaffeerunde.
Jedoch sind jetzt laute
Stimmen zu vernehmen,
die Präsente mitzunehmen, die man versprochen hat.
Das macht den Moderatoren platt,
der jetzt versucht, sich rauszuwinden,
Ausflüchte zu erfinden, um die Meute still zu halten.
„Muss erstmal alles verwalten,
um zu sehen, was noch machbar bleibt,
Sie erhalten dann von mir Bescheid.“
die Präsente mitzunehmen, die man versprochen hat.
Das macht den Moderatoren platt,
der jetzt versucht, sich rauszuwinden,
Ausflüchte zu erfinden, um die Meute still zu halten.
„Muss erstmal alles verwalten,
um zu sehen, was noch machbar bleibt,
Sie erhalten dann von mir Bescheid.“
Verschwindet schnell im
Nebenraum,
manche Leute bemerken es kaum,
lässt er stehen die dumme Kaufnation,
steigt in sein Nobelauto schon,
um sich schnell dadurch zu tun.
manche Leute bemerken es kaum,
lässt er stehen die dumme Kaufnation,
steigt in sein Nobelauto schon,
um sich schnell dadurch zu tun.
Wie dumm hatte er sie
behandelt,
alle hinter´s Licht geführt
und sie eiskalt abserviert,
obwohl sie doch irgendwie mit ihm verbandelt.
Ob es sich um einen Betrüger handelt?
alle hinter´s Licht geführt
und sie eiskalt abserviert,
obwohl sie doch irgendwie mit ihm verbandelt.
Ob es sich um einen Betrüger handelt?
Der Busfahrer ruft zur
Heimfahrt auf
und lässt dem Schicksal seinen Lauf.
Es steigt eine geprellte Meute in den warmen Bus.
Manch Jemand die Tour bereute und hielt in seiner Hand,
den Zettel auf dem stand:
Für Ihr Dasein erhalten Sie als Präsent……
und lässt dem Schicksal seinen Lauf.
Es steigt eine geprellte Meute in den warmen Bus.
Manch Jemand die Tour bereute und hielt in seiner Hand,
den Zettel auf dem stand:
Für Ihr Dasein erhalten Sie als Präsent……
Gibt es einen Leser
(Hörer), der das auch schon kennt?
Else Biestichs Truppe
löffelt noch heute an der Suppe,
die sie sich selbst eingeschenkt.
Und doch, wenn man so überdenkt,
geniesst lange noch die ganze Truppe,
die mit Gauss durchzogene Sofadecke
und den Lammfellsack, in den man die Füsse stecke.
Schliesslich gab es ja auch Kaffee und Kuchen,
was soll man da noch lange fluchen……..
©
Christiane Rühmann (14.06.2012)
die sie sich selbst eingeschenkt.
Und doch, wenn man so überdenkt,
geniesst lange noch die ganze Truppe,
die mit Gauss durchzogene Sofadecke
und den Lammfellsack, in den man die Füsse stecke.
Schliesslich gab es ja auch Kaffee und Kuchen,
was soll man da noch lange fluchen……..
Tränen
Sie erinnerte sich an eine
Frau, die sie auf einer Schulung für Kosmetikerinnen kennen gelernt hatte.
Karin war im Grunde
genommen sehr sensibel und einfühlsam. Allerdings hatten sie die Lebensumstände
abstumpfen lassen. Weinen war ihr fremd geworden und zählte für sie als
Schwäche.
Diese Frau, die in
bereits fortgeschrittenem Alter ihre Ausbildung zur Kosmetikerin in Permanent-make-up
absolvierte, übte auf Karin eine magische Empfindung aus.
Karin arbeitete
stundenweise bei dem Ausbilder im Büro. Während der Schulungen, die die
Absolventinnen wahrnehmen mussten, kam sie auch den Schülerinnen näher. In der
Regel handelte es sich bei den Schülerinnen um junge Frauen, die bereits im
Kosmetikbereich selbständig waren, oder vor hatten, sich im Kosmetikbereich
selbständig zu machen. Man ging vor die Türe, um gemeinsam eine Zigarette zu
rauchen und ein paar private Worte zu wechseln, eine Tasse Kaffee oder Tee zu
trinken.
Karin fühlte sich in
deren Gegenwart nie so recht wohl. Viel zu schmal war ihr finanzielles Budget,
um sich annähernd so stylisch zu kleiden, wie es die jungen Leute taten. Diese
Frau jedoch, die sie bereits aus vorangegangenen Schulungen kannte, machte auf
sie einen relativ unkomplizierten Eindruck und war ihr auch sympathisch. Stets
brachte sie irgendwelche Geschenke in Form von selbst gemachter Marmelade oder
Konfitüre mit, von der auch Karin jeweils etwas abbekam.
An einem dieser
Schulungstage schaute diese Frau in Karins Augen und meinte:
„Sie müssen weinen. Sie
müssen viel mehr weinen.“
„Wieso“, wollte Karin
wissen, „warum sollte ich das tun?“
„Weil sie ein Problem
haben, dessen Sie sich entledigen sollten. Fressen Sie nicht alles in sich
hinein. Weinen hilft und durch die Tränen werden negative Gedanken aus Ihrem
Körper ausgespült. Ihr Gesicht wird sich noch mehr verschönen und Sie werden
sich wieder wohl fühlen.“
„Wie kommen Sie darauf,
dass ich mich nicht wohl fühle, und woher wollen Sie wissen, dass ich nicht
weine?“, interessierte sich Karin.
„Sie sind schlau, aber
Sie sind unglücklich“, antwortete die Frau.
Karin wurde unwohl. Es
war so. Die Frau hatte Recht. Immer dann, wenn es krass wurde, beschwor sich
Karin, nicht weinen zu wollen, um sich ihre eigene innere Stärke zu beweisen.
Grund zum Weinen hatte sie ja genug in ihrem Leben, vor allen Dingen in den
letzten Jahren gehabt. Immer bemühte sie sich, negative Dinge und
Schicksalsschläge zu überwinden, indem sie nicht weinte, immer die Starke zu
mimen. Woher erkannte diese Frau, die ihr vollkommen fremd war, was ihr fehlte?
„Woher wollen Sie denn
wissen, ob ich unglücklich bin?“, fragte Karin provokant die Mittsechzigerin.
Diese lächelte Karin nur
an und meinte:
„Denken Sie mal an meine
Worte, wenn Sie Zeit für sich haben. Lassen Sie Ihren Tränen freien Lauf,
weinen sich alles von der Seele, bedauern sich, lieben sich, pflegen sich und
geben Sie sich selbst eine Chance, wieder in Ihr Gleichgewicht zu kommen. Sie
werden bemerken, dass es Ihnen danach besser geht.“
Karin verblüffte diese
Aussage und sie bemerkte, wie es ihr unangenehm wurde, dieser Frau gegenüber zu
treten. Röte trat in ihr Gesicht, fast schon Scham.
Aber warum war es ihr
unangenehm? Hatte sie letztendlich Recht, hatte sie die richtige Diagnose
getroffen? Ihr war auf einmal nicht mehr wohl und sie sehnte sich dem
Feierabend entgegen. Grübelnd hatte sie sich von der Truppe verabschiedet, ging
zu ihrem Fahrzeug und fuhr nachdenklich nach Hause.
Noch am selben Abend
überkam sie der Gedanke an ihr gebeuteltes und hartes Leben. Nie hatte sie
wirklich darüber nachgedacht. Im Gegenteil, stets wollte sie alles meistern und
hatte sich selbst dabei aus den Augen verloren, aber auch alles gemeistert.
Als sie zu Bett gehen
wollte, im Bad stand, und sich der
Pflege hingab, fiel ihr ein Spiegel zu Boden, der in hunderte von Splittern zerbarst.
Niemals zuvor hatte sich Karin darüber geärgert oder gewundert. Allzeit hatte
sie es so hingenommen. Heute war es anders.
„Mist“, sagte sie
lautstark zu sich selbst, weil sie sich ärgerte, so ungeschickt gewesen zu
sein, den Kosmetikspiegel fallen gelassen zu haben.
Plötzlich begann sie zu
weinen. Ihre Tränen wollten nicht mehr aufhören, über ihr Gesicht zu rinnen.
Wieder war sie in Versuchung, sich zu zwingen, nicht zu weinen, doch dann
erinnerte sie sich an die Worte der Frau:
„Sie weinen zu wenig.“
Karin konnte sich nicht
erklären, warum sie es jetzt tat. Sie weinte, fast unaufhörlich, etwa zehn
Minuten lang. Schluchzend saß sie auf dem Badezimmerteppich und ließ den Tränen
ihren Lauf.
Lange Momente, in denen
ihre negativen Erlebnisse vor ihren Augen einen Film bildeten, der niemals
enden wollte. Hatte das einen Sinn? Tränen?
Karin beruhigte sich
allmählich wieder, und die Frau fiel ihr ein, der sie morgen wieder gegenüber
stehen würde. Würde diese das bemerken?
Irgendwie erleichtert
erhob sie sich, ordnete noch kurz ihr Haar, sammelte die Spiegelscherben auf,
warf diese in den Mülleimer, und ging ins Bett.
‚Habe ich da jetzt etwas
weggeworfen, was mich belastet hat?‘, dachte sie, als sie langsam dem Schlaf
verfiel.
Am anderen Morgen ging
sie wieder ihrer Bürotätigkeit nach. Die Schülerinnen waren bereits eifrig
damit beschäftigt, ihrer Ausbildung nachzugehen, als diese ältere Frau auf
Karin zutrat, ihr in die Augen schaute und meinte:
„Hat gut getan, oder?
Weiter so, es wird Ihr Leben erleichtern…“
Merkwürdig. Sie lächelte
die Frau an und streckte ihr ihre Hand entgegen, die behutsam angenommen und
von der anderen umschlungen, irgendwie liebevoll, gedrückt wurde.
Karin begegnete dieser
Frau nie wieder. In ihrem Küchenschrank befanden sich jedoch noch fünf Gläser mit selbstgemachter Marmelade, die ihr
diese Person eigens mitgebracht hatte.
Seither wird Karin bei jedem
Frühstücksbrot daran erinnert, dass auch Tränen sich sehr hilfreich auf
gebeutelte Seelen auswirken können……
© Christiane Rühmann
Wirst Du sie noch lieben.....?
Wirst Du sie noch lieben…..?
-
wenn sie
ihren geraden Weg verlässt,
-
wenn sie
gebrechlich wird,
-
wenn ihre
Haare weiss werden,
-
wenn ihr
Geist andere Wege geht,
-
wenn ihre
Knochen sich verbiegen,
-
wenn sich
Vorwürfe gegen Dich häufen,
-
wenn sie dem
Weltlichen nicht widerstehen kann,
-
wenn ihr ein
anderer Mann mehr gefällt, als Du,
-
wenn sie
pflegebedürftig wird,
-
wenn ihr
hübsches Gesicht altert,
-
wenn sie ihr
Wort bricht,
-
wenn ihr
Körper seine Funktion versagt?
Wirst Du sie dann noch
lieben……..?
© Christiane Rühmann
Kopfweh
Wenn jemand seine Schläfe
reibt,
er sich die Kopfschmerzen vertreibt.
Doch bleibt das Gereibe nutzlos,
dann bleibt das Kopfweh eben groß.
© Christiane Rühmann
er sich die Kopfschmerzen vertreibt.
Doch bleibt das Gereibe nutzlos,
dann bleibt das Kopfweh eben groß.
Abonnieren
Posts (Atom)

