Joshua war sieben Jahre alt. Er fühlte sich bereits zu alt, um mit seiner Oma oder seiner Mama zu Weihnachten Kekse zu backen. Normalerweise machen das alle Kinder in seinem Alter noch, doch Josh war das peinlich. Ausserdem hatte man ihm in der Schule erzählt, dass es ja überhaupt keinen Weihnachtsmann und kein Christkind gibt. Warum sollte er sich also anstrengen und in irgendwelchen mit Eiern, Backpulver und Mehl zubereiteten Teigen rummatschen. Ausserdem fand er das ekelig, weil ewig alles an den Händen kleben blieb und man sich diese ständig waschen musste.
Wenn es aber kein Christkind und keinen Weihnachtsmann gibt, wie funktioniert das dann mit den Geschenken? Er hatte doch in den Jahren zuvor, als er noch nicht so gut schreiben konnte, mit Mamas und Papas Hilfe einen Wunschzettel verfasst, den er höchstpersönlich auf die Fensterbank gelegt hatte. Danach sind alle schlafen gegangen und am anderen Morgen war der Zettel weg! Irgendwer musste ihn doch abgeholt haben – wenn nicht das Christkind, wer denn dann?
Es war Ende November und Weihnachten rückte immer näher. Zeit also, für den Wunschzettel. Er hatte sich schon ein paar Notizen gemacht!: Nintendo, Handy, Base-Cap, den neuen Baukasten, mit dem man mit eigenem Werkzeug Dinge zusammen zimmern kann, eine DVD von Superman und dann noch eine von Sponchbob-Schwammkopf, die coolen Sportschuhe, dazu den passenden Schulranzen und natürlich die ergänzende Federmappe – logischerweise mit Inhalt, denn die Stifte aus der alten Federmappe waren ja bereits „angefangen“. Dann fiel ihm noch eine Digitalkamera ein, um seine gezimmerten Werke zu fotografieren. Ach ja, und ein kleiner Computer – nur für ihn – wäre auch nicht schlecht.
Joshua nahm sich einen großen weißen Zettel aus dem Drucker seines Papas und zog mit einem Lineal Linien darauf. Zwar ein wenig schief, aber das machte ja wohl hoffentlich nichts. Weil er der Meinung war, dass die Linien für seine Wünsche nicht ausreichen würden, nahm er sich gleich ein zweites Blatt Papier – vorsichtshalber natürlich !
Er begann zu schreiben, mit Großbuchstaben: N I N T E N D O, D V D, D I G I C A M, COMPUTER…..
Das waren allesBegriffe, die er bereits schreiben konnte, weil er sie aus der Werbung kannte. Er wollte allerdings sicher gehen, dass seine Wünsche auch genau verstanden wurden, also holte er sich Mamas Versandhaus-Katalog, in dem er bereits oft mit ihr nachgeschlagen hatte. Er wusste genau, hier fand er alles…
Nachdem er alles aufgeschrieben hatte, ging er damit zu seiner Mum. „Schau mal, ich habe alles gaaanz fleißig aufgeschrieben, was ich mir zu Weihnachten wünsche. Soll ich den Zettel wieder auf die Fensterbank legen? Das mache ich doch immer so.“ Mama stimmte ihm zu und beobachtete ihren Filius, wie er mit hochroten Wangen den richtigen Platz auf der Fensterbank suchte, damit ihn auch ja das Christkind zwischen den Blumen fand. Doch dann fiel ihm ein: ES GIBT DOCH GAR KEIN CHRISTKIND UND KEINEN WEIHNACHTSMANN!! Hatten die großen Kinder doch gesagt…..
Aufgeregt lief er zu Mum zurück und berichtete ihr davon, dass man ihm erzählt habe, dass es weder das Christkind noch den Weihnachtsmann gäbe. Wie könnten denn nun seine Wünsche in den Himmel gelangen?
Seine Mama nahm sich –trotz Küchenarbeit- die Zeit, setzte sich auf einen Stuhl und zog den kleinen Burschen auf ihren Schoß. „Weisst Du,“ sagte sie, „es stimmt schon, dass die größeren Kinder erzählen, dass es Christkind und Weihnachtsmann nicht gibt. Dafür gibt es aber Weihnachtswichtel, die behilflich sind, den Kindern ihre Wünsche zu erfüllen. Mann muss nur fest an sie glauben. Oder, was denkst Du, wer die Wunschzettel immer abholt? Und jetzt ist es Zeit ins Bett zu gehen. Geh schon mal rauf, ich komme gleich und sage Dir Gute Nacht.“
Josh zwischte ab, begab sich auf sein Zimmer und zog sich aus. Brav ging er ins Bad, um seine Zähne zu putzen. Als er dann endlich unter seine mollige Bettdecke geschlüpft war, betrat auch schon seine Mama das Zimmer.
„Zähne geputzt?“
„Ja, habe ich. Mama, erzähle mir mehr über die Weihnachtswichtel, bitte!“
Mum setzte sich auf Josh´s Bettkante, strich dem Jungen zärtlich durchs Haar und begann zu erzählen:
„Nun, das sind die Gehilfen des kindlichen Himmels, und sie sind immer zur Stelle, wann immer ein Kind ihre Hilfe anfordert. Man kann sie immer kontaktieren, wenn einen was bedrückt, oder wenn man sich etwas ganz fest wünscht. Sie holen sich dann die Wunsch- oder Beschwerdezettel ab und versuchen, alles wieder in Ordnung zu bringen, wenn mal was schief gelaufen ist. Darüber hinaus können sie trösten und sind unglaublich lieb. Nun schließ aber Deine Augen und schlafe gut. Du wirst schon sehen, was passiert. Gute Nacht, mein Großer, ich habe Dich sehr lieb.“
Als Mama gegangen war, dachte Josh noch eine Weile nach und er kam zu der Erkenntnis, dass die Kinder in der Schule wohl doch Unrecht hatten. Mama würde ihn niemals anlügen – und wenn sie sagt, dass es Weihnachtswichtel gibt, die schriftliche Botschaften der Kinder entgegen nehmen, dann ist das so. Dann ist es im Grunde genommen auch egal, ob es kein Christkind oder keinen Weihnachtsmann gibt. Hauptsache ist doch nur, dass es die Wichtel überhaupt gibt……
Er schlief über seine Gedanken ein. ….
Am anderen Morgen war seine Wunschliste von der Fensterbank verschwunden! Er hatte gleich nachgeschaut. Wow,es gibt sie also, die Weihnachtswichtel……., aber das wollte er coolerweise seinen älteren Schulkameraden nicht erzählen.
(c) Christiane Rühmann
Der Weihnachtsengel......
Der Weihnachtsengel…….
Lexi, wie sie liebevoll von ihrer Mama genannt wurde, ist ein aufgeschlossenes zwölfjähriges Mädchen. Eigentlich heisst sie Alexandra, aber bereits von klein auf an hatte sie diesen Spitznamen. Sie wuchs ohne ihren Vater auf, der tötlich verunglückte, als Lexi ein Jahr alt war. Ihre Mutter hatte es nicht leicht gehabt in all den Jahren. Sie war oft überfordert mit der Arbeit und dem Kind. Es gab da leider auch keine Grosseltern, die beide hätten unterstützen konnten. Ihr Papa war ein Waisenkind gewesen und die Eltern ihrer Mama wohnten in Amerika. Einmal war sie mit ihrer Mama dort gewesen, um ihre Oma und Opa zu besuchen. Das war ein schöner Urlaub. Leider nur sehr kurz, weil Mama nicht länger frei bekommen hatte. Lexis Mama war sehr fleissig und sparte jeden Cent, um ihrer Tochter von Zeit zu Zeit etwas bieten zu können. Tag für Tag arbeitete sie in der Bäckerei mitten in der Stadt in der Fussgängerzone. Den ganzen langen Tag war sie auf den Beinen und oftmals abends so geschafft, dass sie oft nach dem Abendbrot auf der Couch einschlief. Alexandra war dann häufig sehr traurig, konnte allerdings ihre Mama verstehen. Dann ging sie ganz alleine zu Bett und stellte sich ihren Wecker so, dass ihre Mama nicht zu spät zur Arbeit kam. Ihr Schulbrot machte sie sich alleine. Deshalb war ihre Mama des öfteren sehr traurig, weil sie ein solches Leben führen mussten. Aber sie war sehr stolz auf ihre Tochter und liebte sie über alles in der Welt.
Alle Nachbarn schätzten die nette kleine Familie. Sie hatten auch Mitleid mit ihr. Daher wurde Alexandra häufiger von ihrer Klassenkameradin Lena und ihren Eltern eingeladen, Freizeit mit ihnen zu verbringen und an Aktivitäten teilzunehmen. Lexis Mama war darüber dann sehr erleichtert, aber auch ein wenig deprimiert. Warum musste das Leben nur so schwer sein?
An einem Donnerstag im März wurde Alexandras Mutter in der Bäckerei von dem Rektor der Schule angerufen. Es ginge ihrer Tochter nicht so gut, hatte er gesagt. Ihr sei übel, und sie sei fast in Ohnmacht gefallen, daher habe man den Rettungsdienst angerufen, der Alexandra in die Klinik gebracht habe. Fast reglos hatte sie das Decthandy in die Ladeschale zurückgestellt. Der Schock stand ihr im Gesicht geschrieben. „Was ist denn los?“ wollte die Chefin wissen. „Ich muss schnell ins Krankenhaus…..Lexi…..“, sprach es, zog dabei ihre Schürze aus, verliess verstört die Bäckerei und begab sich sofort ins Klinikum. Nachdem sie sich durchgefragt hatte, wo sie ihre Tochter finden könnte, traf sie endlich auf dem Jugendzimmer ein. Sie erschrak erneut, als sie ihre Tochter in dem Bett liegen sah, an Infusionsgeräten angeschlossen und so blass, wie sie sie kaum zuvor jemals gesehen hatte. Eiligen Schrittes lief sie zu ihrer Tochter, die sich offensichtlich sehr schwer tat, ein kleines Lächeln abzugeben. Der Mutter rannen einige Tränen über das Gesicht, als sich die Türe öffnete und der Oberarzt das Zimmer betrat. Er prüfte Alexandras Puls, fühlte ihre Stirn und nickte leicht mit dem Kopf. Er bat die Mutter in sein Sprechstundenzimmer.
Frau Steinmeier folgte ihm unruhig. Als sie Platz genommen hatte, sah sie den Arzt mit bangen und fragenden Augen an. „Tja, Alexandra hat eine sehr seltene Stoffwechselerkrankung, wie es aussieht. Wenn die Laborberichte da sind, werden wir Näheres wissen. Bis dahin braucht sie unbedingte Ruhe. Wir haben ihr ein leichtes Beruhigungsmittel gegeben, sie wird gleich schlafen. Ich rate ihnen, nach Hause zu gehen und zu warten, bis wir Sie anrufen.“ „Das können Sie nicht im Ernst von mir erwarten und was überhaupt für eine Stoffwechselerkrankung? Bislang hat ihr doch nichts gefehlt.“ „Bitte, Frau Steinmeier, lassen Sie uns das besprechen, wenn das Ergebnis da ist. Meinetwegen können Sie natürlich auch bei Ihrer Tochter bleiben.“
Nachdem sie in der Bäckerei angerufen und erklärt hatte, was passiert war, wurde ihr gesagt, dass sie sich alle Zeit der Welt nehmen solle, um bei ihrer Kleinen zu sein. Sie solle sich keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. Man würde so lange wohl ohne sie auskommen.
Ein wenig erleichtert begab sie sich zurück ins Krankenzimmer, um sich auf einem Stuhl neben Lexis Bett niederzulassen. Sie streichelte ihrem einzigen Sonnenschein liebevoll mit dem Rücken ihres Zeige- und Mittelfingers über die blassen Wangen. Alexandra schlief. Nach einer Weile fielen auch ihr die Augen zu und ihr Kopf sank auf das Kopfkissen ihrer Tochter. Bis zum Abendbrot hatten die Krankenschwestern diesen Zustand geduldet, dann aber weckten sie Frau Steinmeier auf und baten sie, nach Hause zu gehen. Sie überreichten ihr eine heisse Tasse Tee und meinten, dass sie ja gleich morgen früh wiederkommen könne.
Also begab sie sich beunruhigt und traurig nach Hause. Hier wurde sie gleich von den Nachbarn angesprochen: „Lexi ist heute nicht von der Schule nach Hause gekommen. Ist alles in Ordnung?“ „Nein, sie liegt im Krankenhaus, wurde von der Schule mit dem Rettungswagen abgeholt. Sie wissen noch nichts genaues. Irgendeine Stoffwechselerkrankung oder so. Genaueres werden wir erst wissen, wenn die Laborwerte da sind.“ „Oh , das tut uns leid . Können wir etwas für Sie tun? Bitte sagen Sie uns nur Bescheid. Und grüssen Sie Lexi schön, wenn Sie morgen früh zu ihr fahren, ja?!“ „Ja, das werde ich machen. Danke“ . Dagmar Steinmeier schloss die Tür zu ihrer Wohnung auf, zog den Mantel aus, begab sich in ihr Schlafzimmer, warf sich aufs Bett und begann, bitterlich zu weinen. Sie fragte sich, warum es ausgerechnet ihre kleine Familie so schwer treffen müsse. Darüber schlief sie ein.
Am anderen Morgen wachte sie verstört auf und glaubte, es sei alles nur ein Traum gewesen, bis sie begriff, dass die Realität sie wieder eingeholt hatte. Sie beschloss, erst ein heisses Bad zu nehmen und anschliessend sofort ins Klinikum zu fahren.
Frisch und gedanklich ein wenig sortierter fuhr sie gegen 8.00 Uhr los. Als sie das Krankenzimmer betrat, hatte Alexandra bereits auf sie gewartet. „Mama“, hauchte sie. „Schön, dass Du da bist“. „Mein Engel, wie fühlst Du Dich? Ich bin ja jetzt da.“
Nach der Frühvisite hatte sie Gelegenheit, mit dem Arzt zu sprechen. Inzwischen waren die Untersuchungsergebnisse vorhanden, die er nun mit Dagmar besprechen wollte. „ Frau Steinmeier, ich muss ihnen leider mitteilen, dass Alexandra tatsächlich an einer Stoffwechselerkrankung leidet. Leider ist es hier in Deutschland nicht möglich, diese exakt und entsprechend zu behandeln. Es gibt Untersuchungsergebnisse aus den USA, wo man diese Krankheit bereits erfolgreich behandelt hat. Dort könnte auch Ihrer Tochter geholfen werden. Leider übernehmen diese Behandlung unsere deutschen Krankenkassen nicht und die Behandlung ist recht aufwendig und dementsprechend teuer. Ohne eine Behandlung hat Alexandra höchstens noch zwei Jahre zu leben. Es tut mir leid, dass ich Ihnen keine positivere Mitteilung machen kann. Wenn Sie es wünschen, kann ich Ihnen einen entsprechenden Kontakt verschaffen. Sie müssen sich allerdings nicht heute entscheiden. Lassen Sie sich nur alles ruhig durch den Kopf gehen und wenn Sie Fragen haben, können Sie mich jederzeit ansprechen.“
Nein, nicht auch noch Alexandra! Auf keinen Fall wollte sie ihre Tochter auch noch verlieren. Was sollte sie nur tun. Etwa 50.000 € sollte die Behandlung kosten, hatte der Arzt gesagt. Dabei hatten sie doch kaum Geld, um den Monat zu überstehen. Dagmar war verzweifelt. Ihr gingen so viele Dinge durch den Kopf.
Am Nachmittag begab sie sich kopflos nach Hause, wo sie erneut von einigen Nachbarn angesprochen wurde, die wissen wollten, wie es Lexi heute ging. Dagmar begann erst zu schlucken und schluchzte dann laut los. Entsetzen machte sich unter den Nachbarn breit. Dagmar eilte zu ihrer Wohnungstür und verschwand eiligst dahinter.
Frau Becher ergriff als erste die Initiative und sprach alle Nachbarn an, ob sie nicht mit einer Spende dazu beitragen wollten, der liebenswerten Alexandra zu helfen. Sofort und spontan entschlossen sich ausnahmslos alle von ihnen, mit einer bestimmten Geldsumme die kleine Familie zu unterstützen. Es tat ihnen allen so leid, dass dies auch noch ausgerechnet vor Weihnachten stattfand.
Familie Kellers Sohn arbeitete beim Regional-Radiosender und auch er wollte helfen, als er die tragische Geschichte erfuhr. An seinem Arbeitsplatz erzählte er von der Not der Steinmeiers. Spontan gab er die Geschichte im Rundfunk bekannt, und erhielt diesbezüglich eine Menge Telefonanrufe. Massenhaft Zuhörer wollten helfen. Es wurde ein Konto eingerichtet, auf das die Spenden unter dem Kennwort „Lexi“ überwiesen werden konnten. Es war unglaublich, aber innerhalb einer Woche war die Spendensumme auf 46.845,00 € angestiegen.
Dagmar hatte inzwischen mit ihren Eltern in den USA telefoniert und ihnen ihre Situation geschildert. „Wir können Dir leider keine 50.000,00 € geben, aber mit 10.000,00 könnten wir Euch aushelfen. Natürlich wollen wir sie nicht zurück haben, sie sollen helfen, Alexandra wieder gesund zu machen. Halte uns bitte auf dem Laufenden. Sprich doch mal mit Deiner Bank, vielleicht geben Sie Dir einen Kredit.“
Toll, Dagmar war schon sehr dankbar über das Angebot ihrer Eltern und erzählte dem Arzt von ihren bisherigen Unternehmungen, Erfolgen und Misserfolgen. Die Bank wollte ihr nichts geben, da sie keine Sicherheiten aufzuweisen hatte. Aber 10.000,00 € waren doch eine Hausnummer! „Na, das ist doch ein Anfang, Frau Steinmeier. Ich kann versuchen abzuklären, ob Sie die Summe in Amerika monatlich abstottern können, wenn Sie es möchten.“ „Ja denken Sie denn, dass das möglich ist?“ Dagmars Gesicht begann sich ein wenig zu entspannen und sie schöpfte neue Hoffnung. „Ich will es versuchen.“
Am anderen Tag war Nikolaustag. Dagmar hatte eine kleine Überraschungstüte für Lexi zurechtgemacht. Auch einige der Nachbarn hatten kleine Geschenke abgegeben, die sie mit ins Krankenhaus nehmen sollte. Alexandra hatte bereits voller Sehnsucht auf ihre Mama gewartet. Ihre Augen leuchteten sogar wieder ein wenig, als sie alles auspacken durfte.
Plötzlich klopfte es an der Türe und ein Engel betrat den Raum. Er sah wunderschön aus, trug ein bodenlanges weisses Gewand und auf dem Rücken hatte er weisse Flügel. Sein silbernes Haar reichte bis fast auf die Hüften. Ihm folgte der Oberarzt, eine Krankenschwester und jemand mit einer Kamera. Lex und ihre Mum staunten und hielten dies für eine Unternehmung der Klinik, um den Kindern eine Freude zu machen. Aber es war anders.
Der Engel begab sich direkt zu Alexandra, reichte ihr die Hand und meinte mit kristallklarer Stimme: „Liebe Alexandra, ich bin der Weihnachtsengel und wurde von Deinen Freunden, Bekannten und vielen Spendern beauftragt, Dir diesen Brief zu überreichen. Du wirst darin etwas finden, was Dir helfen soll, Deine Krankheit zu überstehen und wieder total zu gesunden.“ Er überreichte ihr einen Umschlag, den Lex sofort öffnete. Sie holte einen Scheck hervor, auf dem die Summe 46.845,00 € ausgewiesen war. Dagmar konnte es kaum fassen. „Ist das wirklich wahr, man hat gesammelt für Lexi?? Danke, danke, danke…… !!!! Ich kann es immer noch nicht fassen!“ Lex und ihre Mama umarmten sich als erste und danach fielen sie dem Engel um den Hals. Der Mann mit der Kamera war die ganze Zeit damit beschäftigt, die Geschehnisse im Bild festzuhalten. Allen, sich im Raum Befindlichen, standen Tränen in den Augen und man freute sich mit der kleinen Familie Steinmeier.
Der Tag endete aufregend. Sofort hatte der Oberarzt mit seinen Kollegen in Amerika telefoniert und einen Termin für das Mädchen festgemacht. Gleich im neuen Jahr sollte die Reise losgehen, genau genommen schon am 01. Januar. Dagmars Chef hatte seine beste Mitarbeiterin hierfür selbstverständlich freigestellt und auf die gefragte Summe von 50.000,00 € die fehlenden 3.155,00 € noch draufgelegt. Es war unfassbar, aber nun würden Dagmar und Lexi mit dem zusätzlichen Geld von den Grosseltern den Aufenthalt in den Staaten spielend überstehen.
Sie haben überstanden! Lexi wurde nach einer entsprechenden Therapie wieder völlig gesund. Nach ihrer Rückkehr aus den Staaten haben sich Lex und ihre Mutter im Radio bei allen Spendern bedankt. Es war sehr rührend. Für die Nachbarn gaben sie ein kleines Fest und für die Bäckereibesitzer backten sie ein riesiges Herz aus Hefeteig mit Rosinen und Koriander.
Seitdem glauben sie an Engel – speziell an Weihnachtsengel!
(c)Christiane Rühmann
Lexi, wie sie liebevoll von ihrer Mama genannt wurde, ist ein aufgeschlossenes zwölfjähriges Mädchen. Eigentlich heisst sie Alexandra, aber bereits von klein auf an hatte sie diesen Spitznamen. Sie wuchs ohne ihren Vater auf, der tötlich verunglückte, als Lexi ein Jahr alt war. Ihre Mutter hatte es nicht leicht gehabt in all den Jahren. Sie war oft überfordert mit der Arbeit und dem Kind. Es gab da leider auch keine Grosseltern, die beide hätten unterstützen konnten. Ihr Papa war ein Waisenkind gewesen und die Eltern ihrer Mama wohnten in Amerika. Einmal war sie mit ihrer Mama dort gewesen, um ihre Oma und Opa zu besuchen. Das war ein schöner Urlaub. Leider nur sehr kurz, weil Mama nicht länger frei bekommen hatte. Lexis Mama war sehr fleissig und sparte jeden Cent, um ihrer Tochter von Zeit zu Zeit etwas bieten zu können. Tag für Tag arbeitete sie in der Bäckerei mitten in der Stadt in der Fussgängerzone. Den ganzen langen Tag war sie auf den Beinen und oftmals abends so geschafft, dass sie oft nach dem Abendbrot auf der Couch einschlief. Alexandra war dann häufig sehr traurig, konnte allerdings ihre Mama verstehen. Dann ging sie ganz alleine zu Bett und stellte sich ihren Wecker so, dass ihre Mama nicht zu spät zur Arbeit kam. Ihr Schulbrot machte sie sich alleine. Deshalb war ihre Mama des öfteren sehr traurig, weil sie ein solches Leben führen mussten. Aber sie war sehr stolz auf ihre Tochter und liebte sie über alles in der Welt.
Alle Nachbarn schätzten die nette kleine Familie. Sie hatten auch Mitleid mit ihr. Daher wurde Alexandra häufiger von ihrer Klassenkameradin Lena und ihren Eltern eingeladen, Freizeit mit ihnen zu verbringen und an Aktivitäten teilzunehmen. Lexis Mama war darüber dann sehr erleichtert, aber auch ein wenig deprimiert. Warum musste das Leben nur so schwer sein?
An einem Donnerstag im März wurde Alexandras Mutter in der Bäckerei von dem Rektor der Schule angerufen. Es ginge ihrer Tochter nicht so gut, hatte er gesagt. Ihr sei übel, und sie sei fast in Ohnmacht gefallen, daher habe man den Rettungsdienst angerufen, der Alexandra in die Klinik gebracht habe. Fast reglos hatte sie das Decthandy in die Ladeschale zurückgestellt. Der Schock stand ihr im Gesicht geschrieben. „Was ist denn los?“ wollte die Chefin wissen. „Ich muss schnell ins Krankenhaus…..Lexi…..“, sprach es, zog dabei ihre Schürze aus, verliess verstört die Bäckerei und begab sich sofort ins Klinikum. Nachdem sie sich durchgefragt hatte, wo sie ihre Tochter finden könnte, traf sie endlich auf dem Jugendzimmer ein. Sie erschrak erneut, als sie ihre Tochter in dem Bett liegen sah, an Infusionsgeräten angeschlossen und so blass, wie sie sie kaum zuvor jemals gesehen hatte. Eiligen Schrittes lief sie zu ihrer Tochter, die sich offensichtlich sehr schwer tat, ein kleines Lächeln abzugeben. Der Mutter rannen einige Tränen über das Gesicht, als sich die Türe öffnete und der Oberarzt das Zimmer betrat. Er prüfte Alexandras Puls, fühlte ihre Stirn und nickte leicht mit dem Kopf. Er bat die Mutter in sein Sprechstundenzimmer.
Frau Steinmeier folgte ihm unruhig. Als sie Platz genommen hatte, sah sie den Arzt mit bangen und fragenden Augen an. „Tja, Alexandra hat eine sehr seltene Stoffwechselerkrankung, wie es aussieht. Wenn die Laborberichte da sind, werden wir Näheres wissen. Bis dahin braucht sie unbedingte Ruhe. Wir haben ihr ein leichtes Beruhigungsmittel gegeben, sie wird gleich schlafen. Ich rate ihnen, nach Hause zu gehen und zu warten, bis wir Sie anrufen.“ „Das können Sie nicht im Ernst von mir erwarten und was überhaupt für eine Stoffwechselerkrankung? Bislang hat ihr doch nichts gefehlt.“ „Bitte, Frau Steinmeier, lassen Sie uns das besprechen, wenn das Ergebnis da ist. Meinetwegen können Sie natürlich auch bei Ihrer Tochter bleiben.“
Nachdem sie in der Bäckerei angerufen und erklärt hatte, was passiert war, wurde ihr gesagt, dass sie sich alle Zeit der Welt nehmen solle, um bei ihrer Kleinen zu sein. Sie solle sich keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. Man würde so lange wohl ohne sie auskommen.
Ein wenig erleichtert begab sie sich zurück ins Krankenzimmer, um sich auf einem Stuhl neben Lexis Bett niederzulassen. Sie streichelte ihrem einzigen Sonnenschein liebevoll mit dem Rücken ihres Zeige- und Mittelfingers über die blassen Wangen. Alexandra schlief. Nach einer Weile fielen auch ihr die Augen zu und ihr Kopf sank auf das Kopfkissen ihrer Tochter. Bis zum Abendbrot hatten die Krankenschwestern diesen Zustand geduldet, dann aber weckten sie Frau Steinmeier auf und baten sie, nach Hause zu gehen. Sie überreichten ihr eine heisse Tasse Tee und meinten, dass sie ja gleich morgen früh wiederkommen könne.
Also begab sie sich beunruhigt und traurig nach Hause. Hier wurde sie gleich von den Nachbarn angesprochen: „Lexi ist heute nicht von der Schule nach Hause gekommen. Ist alles in Ordnung?“ „Nein, sie liegt im Krankenhaus, wurde von der Schule mit dem Rettungswagen abgeholt. Sie wissen noch nichts genaues. Irgendeine Stoffwechselerkrankung oder so. Genaueres werden wir erst wissen, wenn die Laborwerte da sind.“ „Oh , das tut uns leid . Können wir etwas für Sie tun? Bitte sagen Sie uns nur Bescheid. Und grüssen Sie Lexi schön, wenn Sie morgen früh zu ihr fahren, ja?!“ „Ja, das werde ich machen. Danke“ . Dagmar Steinmeier schloss die Tür zu ihrer Wohnung auf, zog den Mantel aus, begab sich in ihr Schlafzimmer, warf sich aufs Bett und begann, bitterlich zu weinen. Sie fragte sich, warum es ausgerechnet ihre kleine Familie so schwer treffen müsse. Darüber schlief sie ein.
Am anderen Morgen wachte sie verstört auf und glaubte, es sei alles nur ein Traum gewesen, bis sie begriff, dass die Realität sie wieder eingeholt hatte. Sie beschloss, erst ein heisses Bad zu nehmen und anschliessend sofort ins Klinikum zu fahren.
Frisch und gedanklich ein wenig sortierter fuhr sie gegen 8.00 Uhr los. Als sie das Krankenzimmer betrat, hatte Alexandra bereits auf sie gewartet. „Mama“, hauchte sie. „Schön, dass Du da bist“. „Mein Engel, wie fühlst Du Dich? Ich bin ja jetzt da.“
Nach der Frühvisite hatte sie Gelegenheit, mit dem Arzt zu sprechen. Inzwischen waren die Untersuchungsergebnisse vorhanden, die er nun mit Dagmar besprechen wollte. „ Frau Steinmeier, ich muss ihnen leider mitteilen, dass Alexandra tatsächlich an einer Stoffwechselerkrankung leidet. Leider ist es hier in Deutschland nicht möglich, diese exakt und entsprechend zu behandeln. Es gibt Untersuchungsergebnisse aus den USA, wo man diese Krankheit bereits erfolgreich behandelt hat. Dort könnte auch Ihrer Tochter geholfen werden. Leider übernehmen diese Behandlung unsere deutschen Krankenkassen nicht und die Behandlung ist recht aufwendig und dementsprechend teuer. Ohne eine Behandlung hat Alexandra höchstens noch zwei Jahre zu leben. Es tut mir leid, dass ich Ihnen keine positivere Mitteilung machen kann. Wenn Sie es wünschen, kann ich Ihnen einen entsprechenden Kontakt verschaffen. Sie müssen sich allerdings nicht heute entscheiden. Lassen Sie sich nur alles ruhig durch den Kopf gehen und wenn Sie Fragen haben, können Sie mich jederzeit ansprechen.“
Nein, nicht auch noch Alexandra! Auf keinen Fall wollte sie ihre Tochter auch noch verlieren. Was sollte sie nur tun. Etwa 50.000 € sollte die Behandlung kosten, hatte der Arzt gesagt. Dabei hatten sie doch kaum Geld, um den Monat zu überstehen. Dagmar war verzweifelt. Ihr gingen so viele Dinge durch den Kopf.
Am Nachmittag begab sie sich kopflos nach Hause, wo sie erneut von einigen Nachbarn angesprochen wurde, die wissen wollten, wie es Lexi heute ging. Dagmar begann erst zu schlucken und schluchzte dann laut los. Entsetzen machte sich unter den Nachbarn breit. Dagmar eilte zu ihrer Wohnungstür und verschwand eiligst dahinter.
Frau Becher ergriff als erste die Initiative und sprach alle Nachbarn an, ob sie nicht mit einer Spende dazu beitragen wollten, der liebenswerten Alexandra zu helfen. Sofort und spontan entschlossen sich ausnahmslos alle von ihnen, mit einer bestimmten Geldsumme die kleine Familie zu unterstützen. Es tat ihnen allen so leid, dass dies auch noch ausgerechnet vor Weihnachten stattfand.
Familie Kellers Sohn arbeitete beim Regional-Radiosender und auch er wollte helfen, als er die tragische Geschichte erfuhr. An seinem Arbeitsplatz erzählte er von der Not der Steinmeiers. Spontan gab er die Geschichte im Rundfunk bekannt, und erhielt diesbezüglich eine Menge Telefonanrufe. Massenhaft Zuhörer wollten helfen. Es wurde ein Konto eingerichtet, auf das die Spenden unter dem Kennwort „Lexi“ überwiesen werden konnten. Es war unglaublich, aber innerhalb einer Woche war die Spendensumme auf 46.845,00 € angestiegen.
Dagmar hatte inzwischen mit ihren Eltern in den USA telefoniert und ihnen ihre Situation geschildert. „Wir können Dir leider keine 50.000,00 € geben, aber mit 10.000,00 könnten wir Euch aushelfen. Natürlich wollen wir sie nicht zurück haben, sie sollen helfen, Alexandra wieder gesund zu machen. Halte uns bitte auf dem Laufenden. Sprich doch mal mit Deiner Bank, vielleicht geben Sie Dir einen Kredit.“
Toll, Dagmar war schon sehr dankbar über das Angebot ihrer Eltern und erzählte dem Arzt von ihren bisherigen Unternehmungen, Erfolgen und Misserfolgen. Die Bank wollte ihr nichts geben, da sie keine Sicherheiten aufzuweisen hatte. Aber 10.000,00 € waren doch eine Hausnummer! „Na, das ist doch ein Anfang, Frau Steinmeier. Ich kann versuchen abzuklären, ob Sie die Summe in Amerika monatlich abstottern können, wenn Sie es möchten.“ „Ja denken Sie denn, dass das möglich ist?“ Dagmars Gesicht begann sich ein wenig zu entspannen und sie schöpfte neue Hoffnung. „Ich will es versuchen.“
Am anderen Tag war Nikolaustag. Dagmar hatte eine kleine Überraschungstüte für Lexi zurechtgemacht. Auch einige der Nachbarn hatten kleine Geschenke abgegeben, die sie mit ins Krankenhaus nehmen sollte. Alexandra hatte bereits voller Sehnsucht auf ihre Mama gewartet. Ihre Augen leuchteten sogar wieder ein wenig, als sie alles auspacken durfte.
Plötzlich klopfte es an der Türe und ein Engel betrat den Raum. Er sah wunderschön aus, trug ein bodenlanges weisses Gewand und auf dem Rücken hatte er weisse Flügel. Sein silbernes Haar reichte bis fast auf die Hüften. Ihm folgte der Oberarzt, eine Krankenschwester und jemand mit einer Kamera. Lex und ihre Mum staunten und hielten dies für eine Unternehmung der Klinik, um den Kindern eine Freude zu machen. Aber es war anders.
Der Engel begab sich direkt zu Alexandra, reichte ihr die Hand und meinte mit kristallklarer Stimme: „Liebe Alexandra, ich bin der Weihnachtsengel und wurde von Deinen Freunden, Bekannten und vielen Spendern beauftragt, Dir diesen Brief zu überreichen. Du wirst darin etwas finden, was Dir helfen soll, Deine Krankheit zu überstehen und wieder total zu gesunden.“ Er überreichte ihr einen Umschlag, den Lex sofort öffnete. Sie holte einen Scheck hervor, auf dem die Summe 46.845,00 € ausgewiesen war. Dagmar konnte es kaum fassen. „Ist das wirklich wahr, man hat gesammelt für Lexi?? Danke, danke, danke…… !!!! Ich kann es immer noch nicht fassen!“ Lex und ihre Mama umarmten sich als erste und danach fielen sie dem Engel um den Hals. Der Mann mit der Kamera war die ganze Zeit damit beschäftigt, die Geschehnisse im Bild festzuhalten. Allen, sich im Raum Befindlichen, standen Tränen in den Augen und man freute sich mit der kleinen Familie Steinmeier.
Der Tag endete aufregend. Sofort hatte der Oberarzt mit seinen Kollegen in Amerika telefoniert und einen Termin für das Mädchen festgemacht. Gleich im neuen Jahr sollte die Reise losgehen, genau genommen schon am 01. Januar. Dagmars Chef hatte seine beste Mitarbeiterin hierfür selbstverständlich freigestellt und auf die gefragte Summe von 50.000,00 € die fehlenden 3.155,00 € noch draufgelegt. Es war unfassbar, aber nun würden Dagmar und Lexi mit dem zusätzlichen Geld von den Grosseltern den Aufenthalt in den Staaten spielend überstehen.
Sie haben überstanden! Lexi wurde nach einer entsprechenden Therapie wieder völlig gesund. Nach ihrer Rückkehr aus den Staaten haben sich Lex und ihre Mutter im Radio bei allen Spendern bedankt. Es war sehr rührend. Für die Nachbarn gaben sie ein kleines Fest und für die Bäckereibesitzer backten sie ein riesiges Herz aus Hefeteig mit Rosinen und Koriander.
Seitdem glauben sie an Engel – speziell an Weihnachtsengel!
(c)Christiane Rühmann
Weihnachtszeit, der Weihnachtsbaum…..
Oh Weihnachtszeit, wie bist Du schön,
Du zeigst mit Deinem Sein,
man soll mit offenen Augen sehn,
Deinen Glanz und Deinen Schein.
Bei Kerzenlicht und Keksgeruch,
der Vielfalt allen Treibens,
krieg ich von Dir selten nur genug,
kann Alltagsstress vermeiden.
Als Krönung Deiner schönen Zeit,
lässt Du Dich im Glanze blitzen,
es ist wieder mal so weit,
bis in Deine Spitzen.
Auf Märkten und auf allen Strassen,
bemüht man sich um Deinen Glanz.
Und alle, die Dich je besassen,
schätzen Dich wieder, voll und ganz.
Du wirst geschmückt mit vielen Sachen,
mit bunten Kugeln, Schleifen, Kerzen.
Willst allen Menschen Freude machen,
und eroberst unsere Herzen.
Oh, Tannenbaum, bleib uns erhalten,
noch ewig lange Zeit.
erfreu uns wieder in der kalten
und letzten Jahreszeit.
(c) Christiane Rühmann
Du zeigst mit Deinem Sein,
man soll mit offenen Augen sehn,
Deinen Glanz und Deinen Schein.
Bei Kerzenlicht und Keksgeruch,
der Vielfalt allen Treibens,
krieg ich von Dir selten nur genug,
kann Alltagsstress vermeiden.
Als Krönung Deiner schönen Zeit,
lässt Du Dich im Glanze blitzen,
es ist wieder mal so weit,
bis in Deine Spitzen.
Auf Märkten und auf allen Strassen,
bemüht man sich um Deinen Glanz.
Und alle, die Dich je besassen,
schätzen Dich wieder, voll und ganz.
Du wirst geschmückt mit vielen Sachen,
mit bunten Kugeln, Schleifen, Kerzen.
Willst allen Menschen Freude machen,
und eroberst unsere Herzen.
Oh, Tannenbaum, bleib uns erhalten,
noch ewig lange Zeit.
erfreu uns wieder in der kalten
und letzten Jahreszeit.
(c) Christiane Rühmann
Weihnachtsmarkt........
Jährlich gibt es in jeder kleineren oder größeren Stadt einen Weihnachtsmarkt. Das Gesichtsbild jedes Ortes wird gewahrt, indem alle teilnehmenden und ausstellenden Weihnachtshütten annähernd gleich aussehen. Die unterschiedlichsten Dinge kann man hier kaufen. Fahrgeschäftsbetreiber stellen ihre klitzekleinen Riesenräder oder Karussells auf, um mit den glänzenden Augen ihrer kleinen Kunden und deren Verlangen, die Karussels zu benutzen, einen riesigen Reibach zu machen. Überall duftet es nach Popcorn, Zuckeräpfeln, Fischbrötchen oder Bratwurst, sowie nach Glühwein, gebrannten Mandeln , Spießbraten und Champignons. Hmmm, wenn ich nur daran denke, läuft mir unwillkürlich das Wasser im Mund zusammen.
Fahrgeschäfte gibt es ständig, zu jeder Jahreszeit, aber an Weihnachten sind sie etwas Besonderes. Die Kinder bevölkern die Feuerwehrautos, Polizeifahrzeuge oder wippenden Pferdchen, als hätten sie solche niemals in ihrem Leben vorher gesehen. Ich glaube, dass die stimmungsvolle Atmosphäre den gewissen Unterschied macht. An jeder Ecke stehen aufgeblasene Weihnachtsmänner, die Lust auf einen Bummel über den Markt machen. Ständig begegnet man auch einem dieser, in rote Mäntel gehüllten Typen lebendig, der die kleinen Furzies auffordert, ihm ein Gedicht aufzusagen, damit er ihnen etwa eine Orange oder ein paar Nüsse schenkt.
Man schlendert zwischen den Buden, mit ihren Angeboten auf der einen Seite hin und auf der anderen wieder her. Erstaunlicherweise ist man bereit, sich das breite Spektrum Jahr für Jahr aufs Neue anzuschauen, ohne sich zu wundern, dass es immer dasselbe ist oder aber zu bemerken, dass es dieses Jahr einen Stand gibt, der im letzten noch nicht da war – etwa einer, der Ohrstecker anbietet, die nicht nur für das rechte, sondern auch für das linke Ohr geeignet sind, oder dass der Stand mit den Christbaumkugeln diesmal bei seinen Motiven einen schneebedeckten Weihnachtsbaum mehr auf seinem Umfang hat. Im vergangenen Jahr waren die Gürtel eher nur braun oder schwarz, in diesem sind sie lila und pink.
Es ändert sich also nicht ständig etwas an der Kulisse. Aber die Menschen – sie scheinen gleich zu bleiben, stehen an den Glühweinständen, schlürfen sich diesen mit oder auch ohne Amaretto, in roter oder weißer Version und haben oftmals das Verlangen nach einem weiteren….
Eins kommt mir bemerkenswert vor:
Redet man nicht schon seit Jahren von der sogenannten „Wirtschaftskrise“? Hier scheint diese nicht wirklich zu existieren, nicht gegenwärtig zu sein, und das ist gut so. Denn hier wird die Wirtschaft Jahr für Jahr auf´s Neue angekurbelt…..
Christiane Rühmann
Fahrgeschäfte gibt es ständig, zu jeder Jahreszeit, aber an Weihnachten sind sie etwas Besonderes. Die Kinder bevölkern die Feuerwehrautos, Polizeifahrzeuge oder wippenden Pferdchen, als hätten sie solche niemals in ihrem Leben vorher gesehen. Ich glaube, dass die stimmungsvolle Atmosphäre den gewissen Unterschied macht. An jeder Ecke stehen aufgeblasene Weihnachtsmänner, die Lust auf einen Bummel über den Markt machen. Ständig begegnet man auch einem dieser, in rote Mäntel gehüllten Typen lebendig, der die kleinen Furzies auffordert, ihm ein Gedicht aufzusagen, damit er ihnen etwa eine Orange oder ein paar Nüsse schenkt.
Man schlendert zwischen den Buden, mit ihren Angeboten auf der einen Seite hin und auf der anderen wieder her. Erstaunlicherweise ist man bereit, sich das breite Spektrum Jahr für Jahr aufs Neue anzuschauen, ohne sich zu wundern, dass es immer dasselbe ist oder aber zu bemerken, dass es dieses Jahr einen Stand gibt, der im letzten noch nicht da war – etwa einer, der Ohrstecker anbietet, die nicht nur für das rechte, sondern auch für das linke Ohr geeignet sind, oder dass der Stand mit den Christbaumkugeln diesmal bei seinen Motiven einen schneebedeckten Weihnachtsbaum mehr auf seinem Umfang hat. Im vergangenen Jahr waren die Gürtel eher nur braun oder schwarz, in diesem sind sie lila und pink.
Es ändert sich also nicht ständig etwas an der Kulisse. Aber die Menschen – sie scheinen gleich zu bleiben, stehen an den Glühweinständen, schlürfen sich diesen mit oder auch ohne Amaretto, in roter oder weißer Version und haben oftmals das Verlangen nach einem weiteren….
Eins kommt mir bemerkenswert vor:
Redet man nicht schon seit Jahren von der sogenannten „Wirtschaftskrise“? Hier scheint diese nicht wirklich zu existieren, nicht gegenwärtig zu sein, und das ist gut so. Denn hier wird die Wirtschaft Jahr für Jahr auf´s Neue angekurbelt…..
Christiane Rühmann
Geplänkel........
„Das ist doch nicht normal“!
„Was ist nicht normal?“ fragte ich provokant den Anfang Sechziger.
„Normalerweise kann doch niemand einen solchen Teller schaffen“.
„Warum nicht?“ interessierte ich mich. „Und ausserdem haben Sie meine Frage noch nicht beantwortet“.
„Welche Frage?“ Er blickte mich merkwürdig, um nicht zu sagen unnormal blöd an.
„Was nicht normal ist. Oder, ich frage mal anders: Was ist denn normal?“
„Jedenfalls nicht, was Sie auf dem Teller haben.“
„Nein, Sie haben recht, normalerweise nehme ich immer einen grösseren, da passt mehr drauf.“
„Wie bitte? Das ist ja wirklich unnormal!“, meinte er fast schimpfend. „Sie können doch zweimal gehen.“
„Warum sollte ich das tun?“, fragte ich zurück und merkte, wie es mir mehr und mehr Freude bereitete, diesen Giftzwerg auf die Palme zu bringen.
„Wie sieht das denn aus, so vollgepackt!?“ Er schüttelte seinen Kopf so arg dass seine Baskenmütze sogar verrutschte und drei bis sechs seiner wild darunter hervor schauenden Haare, die vermutlich unter der Kopfbedeckung seinen breiten Scheitel verdecken sollten, wild durch die Gegend schaukelten.
„Also, ich finde, das sieht sehr appetitlich aus, ich weiss überhaupt nicht, was Sie haben“.
„Sie sind auch nicht normal“, brummte er, und schob sein Tablett vor dem Buffet weiter, bis zum nächsten Rechaut.
„Tja, nur gut, dass ich es nicht bin!“
„Dass Sie was nicht sind?“
„Na, normal!“
„Wieso?“
„Dann wären wir beide uns doch viel zu ähnlich, oder? Und bisher war mir nicht bekannt, dass Menschen genormt sind. Uuuhh, das wäre ja echt schlimm!“
Er schaute mich mit gerunzelter Stirn und zusammen gekniffenen Augen an: „Wie meinen Sie das?“, wollte er wissen.
„Weil ich dann normalerweise genau so normal wie Sie wäre, und das wäre mir dann persönlich doch zu unnormal“, sprach es grinsend aus und zog mit meinem Salatteller zur Kasse weiter, während ich beobachtete, dass er sich auf seine fetten Bratkartoffel , x-mal auf die Mayonaisepumpe drückend im Anschluss daran dann auch noch der Sauce Bernaise und des Ketchups bediente. Für die Krakauer mit Senf war kaum noch Platz.
Das war doch nicht normal oder? Normalerweise hätte ich ihn darauf hin ansprechen und ihm erklären müssen, dass das ja wohl nicht normal sei…..
Das hätte ich normalerweise auch gemacht, aber ich war zu hungrig und hatte keine Lust mehr, rumzufrötzeln. Ich wollte nur noch ganz in Ruhe und normal meinen Salat geniessen……..
(c) Christiane Rühmann
„Was ist nicht normal?“ fragte ich provokant den Anfang Sechziger.
„Normalerweise kann doch niemand einen solchen Teller schaffen“.
„Warum nicht?“ interessierte ich mich. „Und ausserdem haben Sie meine Frage noch nicht beantwortet“.
„Welche Frage?“ Er blickte mich merkwürdig, um nicht zu sagen unnormal blöd an.
„Was nicht normal ist. Oder, ich frage mal anders: Was ist denn normal?“
„Jedenfalls nicht, was Sie auf dem Teller haben.“
„Nein, Sie haben recht, normalerweise nehme ich immer einen grösseren, da passt mehr drauf.“
„Wie bitte? Das ist ja wirklich unnormal!“, meinte er fast schimpfend. „Sie können doch zweimal gehen.“
„Warum sollte ich das tun?“, fragte ich zurück und merkte, wie es mir mehr und mehr Freude bereitete, diesen Giftzwerg auf die Palme zu bringen.
„Wie sieht das denn aus, so vollgepackt!?“ Er schüttelte seinen Kopf so arg dass seine Baskenmütze sogar verrutschte und drei bis sechs seiner wild darunter hervor schauenden Haare, die vermutlich unter der Kopfbedeckung seinen breiten Scheitel verdecken sollten, wild durch die Gegend schaukelten.
„Also, ich finde, das sieht sehr appetitlich aus, ich weiss überhaupt nicht, was Sie haben“.
„Sie sind auch nicht normal“, brummte er, und schob sein Tablett vor dem Buffet weiter, bis zum nächsten Rechaut.
„Tja, nur gut, dass ich es nicht bin!“
„Dass Sie was nicht sind?“
„Na, normal!“
„Wieso?“
„Dann wären wir beide uns doch viel zu ähnlich, oder? Und bisher war mir nicht bekannt, dass Menschen genormt sind. Uuuhh, das wäre ja echt schlimm!“
Er schaute mich mit gerunzelter Stirn und zusammen gekniffenen Augen an: „Wie meinen Sie das?“, wollte er wissen.
„Weil ich dann normalerweise genau so normal wie Sie wäre, und das wäre mir dann persönlich doch zu unnormal“, sprach es grinsend aus und zog mit meinem Salatteller zur Kasse weiter, während ich beobachtete, dass er sich auf seine fetten Bratkartoffel , x-mal auf die Mayonaisepumpe drückend im Anschluss daran dann auch noch der Sauce Bernaise und des Ketchups bediente. Für die Krakauer mit Senf war kaum noch Platz.
Das war doch nicht normal oder? Normalerweise hätte ich ihn darauf hin ansprechen und ihm erklären müssen, dass das ja wohl nicht normal sei…..
Das hätte ich normalerweise auch gemacht, aber ich war zu hungrig und hatte keine Lust mehr, rumzufrötzeln. Ich wollte nur noch ganz in Ruhe und normal meinen Salat geniessen……..
(c) Christiane Rühmann
Bedienung….
Auf einem wöchentlichen Event warteten wir wie immer darauf, dass der Seminarraum geöffnet wurde. Bis dahin verbrachten wir stets in der Vinothek oder dem Bistro die Zeit auf einen Kaffe, Tee, Wasser o. ä.
So auch an diesem besagten Sonnabend. Gerda, Moni, Susi, Sonny, Ralf, Rainer und ich nahmen an einem urigen Tisch in der Nähe der Theke Platz, während Wolfgang noch schnell vorher zur Toilette eilte.
Wir alberten, scherzten und waren sehr gut gelaunt. Als die Bedienung kam, bestellten wir unsere Getränke. Für Wolfgang bestellten wir mit.
Dieser kam nach einer Weile von der Toilette zurück, setzte sich in unsere Runde und meinte seufzend: ”Ach ja, jetzt müsste es einen Knall geben, und ein NEGER würde uns unsere Getränke servieren.”
Er hatte das letzte Wort kaum ausgesprochen, als der Servicemitarbeiter erschien, um uns unsere Getränke zu kredenzen.
Das geschah fast zeitgleich.
Da wurde Wolfgang purpurrot im Gesicht, er lächelte verlegen, als er erkannte, wer uns da bediente. Der Kellner war ……….ein Farbiger!!
Das war Wolfgang sichtbar peinlich…..
Nie wieder später, haben wir Wolfgang einen solchen oder ähnlichen Ausspruch tätigen hören.
(Sorry an alle andersfarbigen Menschen!)
Christiane Rühmann
So auch an diesem besagten Sonnabend. Gerda, Moni, Susi, Sonny, Ralf, Rainer und ich nahmen an einem urigen Tisch in der Nähe der Theke Platz, während Wolfgang noch schnell vorher zur Toilette eilte.
Wir alberten, scherzten und waren sehr gut gelaunt. Als die Bedienung kam, bestellten wir unsere Getränke. Für Wolfgang bestellten wir mit.
Dieser kam nach einer Weile von der Toilette zurück, setzte sich in unsere Runde und meinte seufzend: ”Ach ja, jetzt müsste es einen Knall geben, und ein NEGER würde uns unsere Getränke servieren.”
Er hatte das letzte Wort kaum ausgesprochen, als der Servicemitarbeiter erschien, um uns unsere Getränke zu kredenzen.
Das geschah fast zeitgleich.
Da wurde Wolfgang purpurrot im Gesicht, er lächelte verlegen, als er erkannte, wer uns da bediente. Der Kellner war ……….ein Farbiger!!
Das war Wolfgang sichtbar peinlich…..
Nie wieder später, haben wir Wolfgang einen solchen oder ähnlichen Ausspruch tätigen hören.
(Sorry an alle andersfarbigen Menschen!)
Christiane Rühmann
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