Gebet eines Obdachlosen zu Weihnachten



Wie kalt ist diese Heilige Nacht.
Wie müde ist mein Leib.
Hast Du denn nicht an mich gedacht?
Hab kein Heim, kein Weib,
an dem ich mich wärmen kann.
Hätte gern ein wärmend Bad,
würde auch so ab und an
wechseln meine Kleider.

Doch fehlt die Kraft, es fehlt das Geld,
hab nichts zum leben, leider.
Halte ich bittend die Hände auf,
um Almosen zu erhoffen,
gehen alle Menschen ihren Lauf,
denken, ich sei besoffen.

Herr, hilf mir in meiner Not,
schenk mir heut Nacht ein Dach,
sonst bin ich sicher bald schon tot,
warum ist mir das angedacht?

Hab ich mich nicht immer gut betragen,
perfekt erledigt meinen Beruf?
Bis man mein Weib zu Grabe getragen.
Ab da folgte ich der Straße Ruf.
Verfehlt habe ich des Lebens Ziel,
bereue es jetzt zutiefst.
Wäre es denn jetzt zu viel,
wenn Du mich einfach riefst?

Ich will keine Feier, keinen Stein,
ich will nur in den Himmel.
Nur etwas, das wäre fein:
Hol mich auf einem prächtigen Schimmel.

Lieber Gott, bitte hab Erbarmen
und hole mich in dieser Heiligen Nacht.
Ich wäre Dir unendlich dankbar.

Amen

© Christiane Rühmann

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