Ehe


Wenn überhaupt, von Gedankenzellen angeregt,
ein Mann sich in die Bresche legt,
und dann nur für eine weibliche Figur.

Doch woher kommt dieses Leiden nur,
dem er erlegen ist?
Er mit sich selbst nicht zufrieden ist,
weil sein Bauch zu rundlich,
deshalb die Seele zu verwundlich,
und sein Haarwuchs nicht sehr prächtig,
er seiner Sinne nicht mehr mächtig?

Erreicht ihn jetzt die Midlife-Krisis,
die ihn vergessen liess,
dass auch er nicht mehr so toll?
Hat er seine Nase voll
vom Lauf des allgemeinen Daseins?
Gedächtnis hat er jetzt mehr keins?

Ich finde es beachtenswert,
wenn sich keiner um sein Leiden schert,
und ihn sich überlässt dem Leiden.
Hier sich Spreu und Weizen scheiden.
'In guten, wie in schlechten Tagen',
wagte er einstmals auszusagen,
'wollen wir treu uns sein im Leben.
Es wird nie eine Andere geben,
der ich jemals hörig bin'.

Was macht ein Ehe also für einen Sinn,
wenn der Bauch wird fetter und fetter,
sein Verhalten immer netter
gegenüber jüngeren Figuren,
die ihn einmal bringen auf Touren?
Will er denn nur einmal huren?

Geheuchelt also jedes Wort?
Frau nimmt es hin, erleidet es schweigend,
denkt dabei schon an Mord,
schwer in ihrer Seele leidend,
erkennt sie doch, dass dies Verhalten,
gehört zu Männern, die schnell altern.

Gemeinsam mit des Lebens Tanz,
erhöht sie ihre Toleranz.
Sie wird – manch Eine wäre neidig,
ganz locker und bleibt geschmeidig.

Das Leben gab ihr Zuversicht,
dass ihr ‚Ja-Wort‘ nicht einfach bricht.
Drum hat sie sich vorgenommen,
dem Alternden entgegen zu kommen
und stylt sich richtig mächtig auf.

Diese Ehe nimmt nicht ihren Lauf
und durch das neue Out und Fit,
der Mann fast einen Schock erlitt,
als offenherzig seine Frau, die Alte,
liess sich füllen jede Falte.

Erstaunlich, wie des Mannes Trieb,
ihn wieder in ihre Arme trieb.
Doch es war nicht nur die Faltenspritze,
sondern letztendlich ihrer Liebe Hitze.

Sie waren gegangen durch Dick und Dünn.
Das schmeisst man nicht so einfach hin.
Man(n) springt auch mal über seinen Schatten,
hat Nachsicht mit dem alten Gatten…..

© Christiane Rühmann

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