Es waren schöne Häuser, drei an der Zahl und noch gar nicht so alt, etwa 20 Jahre. Sechs Familien hatten hier in jedem Platz. Zwar passten die Wohnblöcke nicht so wirklich zu den schmucken alten Siedlungshäuschen, die wohl etwa in den 60-er Jahren entstanden waren, aber man konnte erkennen, dass der Architekt zumindest versucht hatte, sie in die Wohngegend zu intrigrieren. Diese grossen Häuser verfügten über ein wunderschönes grosses Grundstück, auf das der Besitzer einen kleinen Spielplatz für die in seinen Häusern lebenden Kinder errichten lies. Mehrere grosse Birken spendeten im Sommer Schatten, während sich die Kleinen austoben konnten und ihre Mütter sich auf den im Schatten stehenden Bänken unterhielten. Ja, sie verabredeten sich sogar. So brachte die eine Mutter Kaffee und Becher und eine andere Kuchen und eine weitere Getränke für die Kinder mit.
Es gab ebenso viele ältere Menschen, die hier wohnten, und das sogar bereits seit Erbauung der Blöcke. Dies liessen sie allerdings oft die neu einziehenden Paare mit oder ohne Kinder spüren. Alles konnten die Älteren besser, ob es die Art war, wie man eine Schneeschaufel zu führen oder den Besen zu schwingen hatte, oder aber auch wie die jungen Frauen ihre Wäsche auf ihren Leinen in den grossen geräumigen Waschräumen aufzuhängen hatten. Mit ihrer unlogischen Logik hatten sie bereits mehrfach erreicht, dass neue Mieter bald schnell wieder auszogen, weil sie diesen Krieg nicht mitmachen wollten.
Die alte Frau Griessheim aus der mittleren Etage auf der linken Seite, hatte diesbezüglich ein besonders loses Maulwerk. Ständig hatte sie etwas zu nörgeln und schrieb Briefe an den Vermieter, in denen sie sich beschwerte, dass der Sandkasten abends nicht abgedeckt würde, die Wäsche auf den Leinen nicht mit Klammern befestigt, sondern einfach nur übergeworfen sei, dass unter der Treppe Spielzeug der Kleinen deponiert würde usw. Sie war ein richtiger Drachen. Irgendwie sah sie auch Echsenartig aus. Man konnte bei ihrem Anblick jederzeit erwarten, dass Feuer aus ihrem giftigen Rachen sprühen würde. Was bildete sich diese alte Schachtel eigentlich ein? Einmal hatte Petra, die Mutter von den Zwillingen Till und Jens, sie dabei erwischt, wie sie in der Waschküche in der Wäsche der Familie rumschnüffelte. Als Petra den Waschraum betrat, hielt die alte Frigatte gerade einen von Petras Tangas in der Hand.
„Suchen sie was?“ fragte Petra höflich aber dennoch sehr energisch.
„Äääh, das lag im Hausflur“, versuchte der Drachen sich irritiert zu verteidigen. „Ich wollte es nur zu Ihrer Wäsche legen.“
„Sie lügen doch! Ich trage meine Wäsche immer in einem geschlossenen Korb nach unten und gehe anschliessend denselben Weg wieder nach oben, und da lag nichts auf der Treppe. Sie sind bösartig neugierig und eine verbale Dreckschleuder. Es wird Zeit, dass Ihnen mal jemand richtig die Meinung geigt. I C H werde mich diesmal beschweren, warten Sie´s nur ab! Gehen Sie zurück in Ihre Drachenhöhle und verschonen Sie mich, die Nachbarn und die Kinder mit Ihrem Monstercharme.“
Petra wendete sich um und begab sich wutschnaubend nach draussen: „Das ist doch nicht zu fassen, diese, diese, diese …… ach, was rege ich mich überhaupt auf?“
„Hi Pet, hast Du mit den Fingern in die Steckdose gegriffen?“ scherzte Linda, die gerade vom einkaufen kam. „Du explodierst ja gleich. Oder hat die Alte Dir wieder in die Suppe gespuckt?“
„Stell Dir vor, jetzt durchwühlt sie auch noch unsere Wäsche. Die hat doch nicht mehr alle Latten am Zaun. Aber diesmal werde ich mir das nicht gefallen lassen.“ Petra schilderte einige Attacken des Hausdrachens.
„Meinst Du“, wollte Linda wissen, „dass sie auch hinter der Zettelattacke steckt, dass die Kinder hier nicht mehr auf der Wiese spielen sollen? Zutrauen würde ich es ihr ja, nach all dem, was Du mir erzählst. Und sie hat echt einen Tanga von Dir in der Hand gehabt? Hah, das ist ja krass.“
„Ja, sie wusste nichtmal, wie herum sie den halten sollte. Ich glaube schon, dass sie das mit den Zetteln auch war. Ach, guten Tag Frau Schneider,“ grüsste Petra die andere Nachbarin, die gerade an ihnen vorbei ging, um einen Sack mit Müll in den Mülltonnen zu entsorgen. „Wie geht es Ihrem Mann? Wenn Sie der Lärm der Kinder stört, sagen Sie uns doch bitte Bescheid, dann lassen wir den Lärmpegel herunterschrauben“.
„Nein, nein, um Himmels willen. Kinder müssen sich austoben, und mein Günter freut sich immer, wenn er am Nachmittag das lustige Treiben der Kleinen beobachten kann. Das muntert ihn auf und sie werfen ihm sogar bei offenem Fenster oft Bälle zu, die er dann zurück wirft. Das wird ihm nie zuviel.“
„Ach daher stammen die hässlichen Flecken an den Schieferplatten! Das werden Sie alle säubern müssen……!“ schrillte es aus dem Hintergrund.
„Nun halten Sie mal die Luft an, Frau Griessheim“, empörte sich Frau Schmitz. „Wo gehobelt wird, fallen eben Späne. Seien Sie froh, dass die Kinder alle gesund sind und…..“
„Papperlapapp! Das ist Sachbeschädigung, von der Lärmbelästigung und der Unordnung ganz zu schweigen. Zu meiner Zeit hätte es das……“
„Ja, ja, zu Ihrer Zeit sind Sie vermutlich mit einer Eisenkugel an den Fussgelenken tagsüber im Keller angekettet worden! Und wären Sie ein Jahrhundert früher geboren, hätte man sie vermutlich auf dem Scheiterhaufen abgefackelt.“
Frau Schmitz zwinkerte ihren beiden jüngeren Nachbarinnen vergnügt zu und genoss es offensichtlich, dass Frau Griessheim der Dampf bereits aus den Ohren raus zu puffen schien. Nachdem die Drachin wutschnaubend in ihre Wohnung gestapft war, beruhigten sich vor der Haustür die Gemüter langsam wieder. Die Frauen verabschiedeten sich mit einem netten „man sieht sich“ und wünschten sich noch einen guten Weg.
Die verbalen Auseinandersetzungen rissen nicht ab. So ging das Tag für Tag, Woche für Woche und Monat für Monat. Mittlerweile hatten sich noch andere Bewohner gegen diese alte Plageschachtel verschworen und wagten es, ihr mehr und mehr Contra zu geben. Selbst der Vermieter beachtete ihre zahlreichen Zettelchen, Briefe und wörtlichen Eingaben nicht mehr. Im Gegenteil, er hatte sie mittlerweile mehrfach aufgefordert, den nachbarlichen Frieden in seinen Wohnblocks nicht mehr zu stören. Nun erntete sie, was sie selbst gesät hatte: Unfrieden und Hass.
Das reichte nun der alten Frigatte anscheinend, seit ihr Woogen der Antipathie entgegen schlugen. Man sah sie auf einmal tagelang nicht mehr. Das erschien allen dann doch sehr merkwürdig. Also versuchte der Vermieter sie aufzusuchen. Er hatte mehrmals geklingelt, aber es rührte sich nichts. Er stellte nur fest, dass es im Hausflur merkwürdig roch, eher gesagt, es stank schon. Er klingelte erneut mehrfach und als immer noch nicht geöffnet wurde, verschaffte er sich mittels seines Generalschlüssels Zutritt zu Frau Griessheims Drachenhöhle. Beim Betreten wäre er fast umgefallen. Schnell hielt er sich ein Taschentuch vor den Mund und entdeckte sogleich auch den alten Drachen, aufgeknüpft an dem Knauf ihres Schlafzimmerfensters. Neben ihr auf dem Bett befand sich ein Briefumschlag, offensichtlich ein Abschiedsbrief. Dies zu klären, wollte er allerdings der Polizei überlassen, die er gleich von seinem Handy aus informierte. Er forderte die Mitbewohner, die sich im Hausflur versammelt hatten, auf, in ihre Wohnungen zu gehen oder so lange das Haus zu verlassen und die Kinder fern zu halten, bis alles geklärt sei.
Nachdem die Beamten eingetroffen waren und durch den mitgebrachten Arzt die Todesursache dokumentieren liessen, öffnete einer der Polizisten den Umschlag und las den Inhalt des Schreibens laut den Anwesenden vor.
Darin stand:
„Ich halte diese gesellschaftliche Zerrottung nicht mehr aus. Meinen Entschluss schreibe ich der antiautoritären Bevölkerung dieser Wohnblocks zu. Mit meinem Ableben werden hier sicherlich bald asoziale Verhältnisse herrschen und man wird mir noch lange nachtrauern……. Elisabeth Griessheim“
Sie hatte sich also selbst in ihren letzten Lebensminuten noch im Recht gefühlt. Welch eine Vermessenheit. Sie bekam eine einsame Beisetzung. Nur der Pfarrer, die Sargträger und der Herr vom Beerdigungsinstitut waren zugegen. Familie und Freunde hatte sie nicht. Woher auch….
Nach sechs Wochen war die Wohnung bereits, nachdem sie frisch renoviert war, wieder vermietet an ein junges Ehepaar mit einem Kind. Das Haus bekam erneut Leben, aber diesmal erfreuliches. Seitdem hatten alle Anwohner Ruhe und man vergnügte sich ohne Gepöbel auf dem Park ähnlichen Gelände. Man half sich gegenseitig bei den kleinsten Kleinigkeiten, feierte gemeinsam, brachte das Kinderspielzeug täglich unter die Treppe, schaufelte Schnee oder fegte die Gehwege so, wie man es für richtig hielt und warf seine Wäsche zum Trocknen, ohne sie mit Klammern zu befestigen, über die Wäscheleinen. Alle waren seither zufrieden und hatten das alte Lästermaul schon bald vergessen.
Christiane Rühmann
Fremde Zuwendung…
Ihr kennt alle das Problem, von irgendwelchen Callcentern mit Anrufen belästigt zu werden. Mal hast Du eine Reise nach Malle gewonnen oder mal eine Spiele-Gewinn-Zusage. Aber immer ist es mit einem berühmten „Deutschen Haken“ verbunden. Was wäre denn auch ein Deutscher ohne Haken? Etwa so, wie ein Holländer ohne Wohnwagen, oder?
Also, mich erreichte eines Tages, etwa vor 5 Jahren, ein solcher Anruf. Am anderen Ende der Leitung sprach ich mit einer sehr netten jungen Frau. Sie leierte mir ihr Anliegen herunter, glich nochmals meine Daten mit den ihr vorliegenden ab und rückte dann mit dem „Haken“ raus. In ihrem bescheuerten Fall sollte es ein Zeitschriften-Abo sein. Für mich stand fest, die Typen sind alle gleich, werden nach Abschluss bezahlt, sind selbst Hartz IV-Empfänger, allein erziehend und müssen sich ein Zubrot verdienen, um monatlich über die Runden zu kommen. Zu ihren 400 € erhalten sie pro Abschluss eine gewisse Summe X, die sie dann vom Arbeitsamt im Endeffekt wieder abgezogen bekommen. Also, dafür würde ich meinen Hintern nicht aus dem Bett heben und mir noch Knöpfe an die Backe labern lassen von Leuten, die erbost oder so Qerulanten sind, wie ich einer bin.
Nun, die freundliche Dame schien der Stimme nach nicht älter als Ende 20 zu sein. Als sie zu ihrem Anliegen kam, nachdem ich alles bestätigt hatte, was sie über mich wusste, habe ich sie gefragt, ob ich nun auch mal erzählen dürfe.
Sie bat darum, und hörte mir brav zu.
Ich erklärte ihr, dass ich mehrfach Krebs erkrankt sei, und dass zwei Jahre zuvor mein Mann, ebenfalls an Krebs, verstorben sei. Meine Kinder seien nun erst 11 und 17 Jahre alt, und vor einem Jahr habe meine Firma wegen Betriebsschliessung, meinen Job gekündigt. Seit meiner „irritierten Gesundheit“ und auf Grund der geschilderten Tatsachen, wäre mein Einkommen natürlich auch entsprechend geschmolzen. Meinen Mercedes habe ich verkaufen müssen und meine Träume und Ziele haben sich weit von mir entfernt.
Sie hörte mir sehr aufmerksam zu. Ich musste sogar nachfragen: „Hallo, sind Sie noch dran?“
Ich vernahm einen tiefen Seufzer. „Das tut mir sehr leid, Frau Rühmann. Ich verstehe, dass da eine zusätzliche finanzielle Belastung nicht machbar ist. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie belästigt habe. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Mut, das alles durchzustehen.“
„Sie müssen sich nicht entschuldigen. Schliesslich konnten Sie meine Situation ja nicht kennen.“
„Aber Sie klingen so tapfer! Halten Sie durch! Ich wünsche Ihnen alles Gute, und dass Sie das, was Sie gerade durchleben, erfolgreich überstehen. „
„Danke, junge Frau. Wie war doch noch gleich Ihr Name?“
„Schneider, Iris Schneider.“
„Sie machen doch auch nur Ihren Job, aus welchen Gründen auch immer.“
Wir verabschiedeten uns sehr höflich von einander, und ich dachte über diese junge Frau nach. Wie lieb sie doch gewesen war. Wenn sie ein Call-Center als Job gewählt hatte, musste sie doch ziemlich verzweifelt gewesen sein.
Ich schlief über meinen Gedanken ein. Mein Körper war sehr schwach.
Nach etwa 14 Tagen erhielt ich einen Brief. Ich öffnete ihn, weil ich gespannt war, was darin enthalten war. Den Absender kannte ich nicht – oder doch?
Er stammte von der jungen Frau, mit der ich lange gesprochen hatte, etwa vor zwei Wochen, die aus dem Call-Center. Ich war erfreut und erstaunt zugleich. So etwas war mir noch nicht passiert. Sie schrieb:
„Sehr geehrte Frau Rühmann, ich habe mir sehr lange Gedanken gemacht, was man Ihnen schreiben könnte. Ich habe mir gedacht, dass Schweigen manchmal wirklich Gold ist und mich für ein Gedicht entschieden. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute und eine schnelle Genesung! Mit freundlichen Grüssen, Iris Schneider.“
Es wurde mir warm und mir stiegen Tränen in die Augen. Sie hatte in einer speziellen Schrift und auf Urkundenpapier in Flyer-Grösse ein Gedicht beigelegt. Ich nahm es gesondert zur Hand und las es:
„Sterne und Träume
Weisst Du noch, wie ich Dir die Sterne vom Himmel holen wollte, um uns einen Traum zu erfüllen? Aber Du meintest, sie hingen viel zu hoch…! Gestern streckte ich mich zufällig dem Himmel entgegen, und ein Stern fiel in meine Hand hinein. Er war noch warm und zeigte mir, dass Träume vielleicht nicht sofort in Erfüllung gehen; … aber irgendwann…..! (Markus Bomhard)“
Die Tränen rannen mir übers Gesicht. Ich freute mich und war gerührt zugleich. Was hatte diese junge Frau dazu bewogen, mir dies zukommen zu lassen? Anbei war noch eine Visitenkarte von ihr. Sie machte Finanz Beratungsdienst in Deutschland (Vertrieb).
Wir haben einige e-mail-Kontakte gehabt, bis mein Rechner gestorben war. Selbst er hatte mich verlassen! Er hatte mich aber auch ermutigt, mir mit allen Mitteln einen Nachfolger zu verschaffen, damit ich wieder texten konnte, unter anderem mit dieser netten Frau. Sie schickte mir irgendwann nocheinmal Fotos von ihrer Hochzeit, und dann brach der Kontakt ab….
Vorhin, im Rausch meiner Einsamkeit, habe ich nochmal alte Papiere durchgearbeitet und fand ihren Brief, mit seinen Anhängen. Ich werde jetzt versuchen, über ihre Visitenkarte erneut Kontakt zu ihr aufzunehmen.
Das Fazit, was ich aus diesem damaligen Telefonat gezogen habe, ist, dass man sie nicht alle über einen Kamm scheren sollte. Oftmals helfen ehrliche Worte, um einen neuen Freund zu gewinnen…
Christiane Rühmann
Also, mich erreichte eines Tages, etwa vor 5 Jahren, ein solcher Anruf. Am anderen Ende der Leitung sprach ich mit einer sehr netten jungen Frau. Sie leierte mir ihr Anliegen herunter, glich nochmals meine Daten mit den ihr vorliegenden ab und rückte dann mit dem „Haken“ raus. In ihrem bescheuerten Fall sollte es ein Zeitschriften-Abo sein. Für mich stand fest, die Typen sind alle gleich, werden nach Abschluss bezahlt, sind selbst Hartz IV-Empfänger, allein erziehend und müssen sich ein Zubrot verdienen, um monatlich über die Runden zu kommen. Zu ihren 400 € erhalten sie pro Abschluss eine gewisse Summe X, die sie dann vom Arbeitsamt im Endeffekt wieder abgezogen bekommen. Also, dafür würde ich meinen Hintern nicht aus dem Bett heben und mir noch Knöpfe an die Backe labern lassen von Leuten, die erbost oder so Qerulanten sind, wie ich einer bin.
Nun, die freundliche Dame schien der Stimme nach nicht älter als Ende 20 zu sein. Als sie zu ihrem Anliegen kam, nachdem ich alles bestätigt hatte, was sie über mich wusste, habe ich sie gefragt, ob ich nun auch mal erzählen dürfe.
Sie bat darum, und hörte mir brav zu.
Ich erklärte ihr, dass ich mehrfach Krebs erkrankt sei, und dass zwei Jahre zuvor mein Mann, ebenfalls an Krebs, verstorben sei. Meine Kinder seien nun erst 11 und 17 Jahre alt, und vor einem Jahr habe meine Firma wegen Betriebsschliessung, meinen Job gekündigt. Seit meiner „irritierten Gesundheit“ und auf Grund der geschilderten Tatsachen, wäre mein Einkommen natürlich auch entsprechend geschmolzen. Meinen Mercedes habe ich verkaufen müssen und meine Träume und Ziele haben sich weit von mir entfernt.
Sie hörte mir sehr aufmerksam zu. Ich musste sogar nachfragen: „Hallo, sind Sie noch dran?“
Ich vernahm einen tiefen Seufzer. „Das tut mir sehr leid, Frau Rühmann. Ich verstehe, dass da eine zusätzliche finanzielle Belastung nicht machbar ist. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie belästigt habe. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Mut, das alles durchzustehen.“
„Sie müssen sich nicht entschuldigen. Schliesslich konnten Sie meine Situation ja nicht kennen.“
„Aber Sie klingen so tapfer! Halten Sie durch! Ich wünsche Ihnen alles Gute, und dass Sie das, was Sie gerade durchleben, erfolgreich überstehen. „
„Danke, junge Frau. Wie war doch noch gleich Ihr Name?“
„Schneider, Iris Schneider.“
„Sie machen doch auch nur Ihren Job, aus welchen Gründen auch immer.“
Wir verabschiedeten uns sehr höflich von einander, und ich dachte über diese junge Frau nach. Wie lieb sie doch gewesen war. Wenn sie ein Call-Center als Job gewählt hatte, musste sie doch ziemlich verzweifelt gewesen sein.
Ich schlief über meinen Gedanken ein. Mein Körper war sehr schwach.
Nach etwa 14 Tagen erhielt ich einen Brief. Ich öffnete ihn, weil ich gespannt war, was darin enthalten war. Den Absender kannte ich nicht – oder doch?
Er stammte von der jungen Frau, mit der ich lange gesprochen hatte, etwa vor zwei Wochen, die aus dem Call-Center. Ich war erfreut und erstaunt zugleich. So etwas war mir noch nicht passiert. Sie schrieb:
„Sehr geehrte Frau Rühmann, ich habe mir sehr lange Gedanken gemacht, was man Ihnen schreiben könnte. Ich habe mir gedacht, dass Schweigen manchmal wirklich Gold ist und mich für ein Gedicht entschieden. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute und eine schnelle Genesung! Mit freundlichen Grüssen, Iris Schneider.“
Es wurde mir warm und mir stiegen Tränen in die Augen. Sie hatte in einer speziellen Schrift und auf Urkundenpapier in Flyer-Grösse ein Gedicht beigelegt. Ich nahm es gesondert zur Hand und las es:
„Sterne und Träume
Weisst Du noch, wie ich Dir die Sterne vom Himmel holen wollte, um uns einen Traum zu erfüllen? Aber Du meintest, sie hingen viel zu hoch…! Gestern streckte ich mich zufällig dem Himmel entgegen, und ein Stern fiel in meine Hand hinein. Er war noch warm und zeigte mir, dass Träume vielleicht nicht sofort in Erfüllung gehen; … aber irgendwann…..! (Markus Bomhard)“
Die Tränen rannen mir übers Gesicht. Ich freute mich und war gerührt zugleich. Was hatte diese junge Frau dazu bewogen, mir dies zukommen zu lassen? Anbei war noch eine Visitenkarte von ihr. Sie machte Finanz Beratungsdienst in Deutschland (Vertrieb).
Wir haben einige e-mail-Kontakte gehabt, bis mein Rechner gestorben war. Selbst er hatte mich verlassen! Er hatte mich aber auch ermutigt, mir mit allen Mitteln einen Nachfolger zu verschaffen, damit ich wieder texten konnte, unter anderem mit dieser netten Frau. Sie schickte mir irgendwann nocheinmal Fotos von ihrer Hochzeit, und dann brach der Kontakt ab….
Vorhin, im Rausch meiner Einsamkeit, habe ich nochmal alte Papiere durchgearbeitet und fand ihren Brief, mit seinen Anhängen. Ich werde jetzt versuchen, über ihre Visitenkarte erneut Kontakt zu ihr aufzunehmen.
Das Fazit, was ich aus diesem damaligen Telefonat gezogen habe, ist, dass man sie nicht alle über einen Kamm scheren sollte. Oftmals helfen ehrliche Worte, um einen neuen Freund zu gewinnen…
Christiane Rühmann
Ungeduld und Geduld
Du spürst sie ab und zu
und willst sie von Dir streichen.
“Laß Dir doch Zeit!” - doch Du
willst schnell Dein Ziel erreichen.
“GUT DING BRAUCHT WEIL”,
das ist Dir wohl bekannt;
doch Du willst - immer nur in Eil,
sofort mit dem Kopf durch die Wand.
Geduld ist eine Tugend,
entgegen von Ungeduld.
Erlerne sie früh schon der Jugend,
sonst plagt Dich einst die Schuld.
Es klappt viel besser im Leben
mit etwas langer Weile.
Versuch`s mit geruhsamen Streben,
als immer nur mit Eile.
Du wirst dann bewundernd angeschaut,
weil alles viel besser gelingt,
und man DIR vieles MEHR zutraut,
was DENEN durch Eile misslingt.
Christiane Rühmann
und willst sie von Dir streichen.
“Laß Dir doch Zeit!” - doch Du
willst schnell Dein Ziel erreichen.
“GUT DING BRAUCHT WEIL”,
das ist Dir wohl bekannt;
doch Du willst - immer nur in Eil,
sofort mit dem Kopf durch die Wand.
Geduld ist eine Tugend,
entgegen von Ungeduld.
Erlerne sie früh schon der Jugend,
sonst plagt Dich einst die Schuld.
Es klappt viel besser im Leben
mit etwas langer Weile.
Versuch`s mit geruhsamen Streben,
als immer nur mit Eile.
Du wirst dann bewundernd angeschaut,
weil alles viel besser gelingt,
und man DIR vieles MEHR zutraut,
was DENEN durch Eile misslingt.
Christiane Rühmann
Trau Dich
Ja, trau Dich in jeder Situation nur
und komme dem Leben auf die Spur.
Tu alles, was Du bisher versäumt,
wovon Du immer schon geträumt.
Tu nie, was angebliche Freunde empfohlen,
tu alles, um nicht Erlebtes nachzuholen.
Spring Fallschirm oder mach mal Paragliding,
hör nur auf Dich und mache Dein Ding!
Geh´ doch erstmals zum Schlittschuh laufen
und trau´ Dich, einen Bikini zu kaufen.
Spring spontan mal Trampolin
und gib Dich dieser Freude hin.
Entdecke endlich, was in Dir steckt,
lass Deine Freude mal aufgedeckt!
Akzeptiere jede neue Situation
und freu´ Dich auf die nächste schon.
Laß es sprudeln - aus Dir raus
und komm´ aus Deinem Panzer raus!
Lass dem Selbstbewusstsein seinen Lauf,
nimm alle neuen Dinge auf!
Mach´s einfach klar - ruhig, genauer.
Jumpe flink über die Blockademauer.
Du wirst merken, das ist “gut” für Dich,
wichtig ist nur: TRAUE DICH
Christiane Rühmann
und komme dem Leben auf die Spur.
Tu alles, was Du bisher versäumt,
wovon Du immer schon geträumt.
Tu nie, was angebliche Freunde empfohlen,
tu alles, um nicht Erlebtes nachzuholen.
Spring Fallschirm oder mach mal Paragliding,
hör nur auf Dich und mache Dein Ding!
Geh´ doch erstmals zum Schlittschuh laufen
und trau´ Dich, einen Bikini zu kaufen.
Spring spontan mal Trampolin
und gib Dich dieser Freude hin.
Entdecke endlich, was in Dir steckt,
lass Deine Freude mal aufgedeckt!
Akzeptiere jede neue Situation
und freu´ Dich auf die nächste schon.
Laß es sprudeln - aus Dir raus
und komm´ aus Deinem Panzer raus!
Lass dem Selbstbewusstsein seinen Lauf,
nimm alle neuen Dinge auf!
Mach´s einfach klar - ruhig, genauer.
Jumpe flink über die Blockademauer.
Du wirst merken, das ist “gut” für Dich,
wichtig ist nur: TRAUE DICH
Christiane Rühmann
Goggomobil
Wer erinnert sich nicht an diese schönen Gefährte, die noch mit Gemisch betankt wurden? Mein Mann und ich haben uns Ende der 80-er Jahre ein solches Auto zugelegt – just for fun. Es war eine graue Goggomobil-Limousine. Liebevoll hatten wir sie gesäubert, poliert und ein wenig umgestaltet. Ganze 100,00 DM hatte uns diese Schachtel auf vier Rädern damals gekostet, aber der Spass, den wir damit hatten, ist mit Geld nicht aufzuwiegen.
Das Reserverad hatten wir hinten auf der Heckhaube angebracht und die Kotflügel wurden von uns schwarz lackiert. Er sah schon niedlich aus, unser kleiner Wagen.
Das fanden offensichtlich auch viele Passanten, an denen wir am Wochenende auf unseren Spritztouren vorbei kamen. Offensichtlich waren wir bereits meilenweit zu sehen, weil diese kleine CO²-Dreckschleuder unglaublich qualmte. Wir zogen ständig eine riesige Abgaswolke hinter uns her. Damals haben wir uns keine Gedanken über die Luftverschmutzung gemacht. Es hat einfach nur Spass gemacht, mit dem winzigen Auto Aufsehen zu erregen.
Auf einer Wochenendtour, wir wollten einen Ausflug ins Bergische machen, begegneten wir in einem kleinen Dorf einem Herrn, der einen Rasenmäher vor sich her schob. Offensichtlich wollte er, weil er seinen Rasenschneider über den Bürgersteig schob, damit zum Nachbargrundstück. Als wir auf seiner Höhe waren, bemerkten wir, dass er uns mit geöffnetem Mund nachschaute und dabei nicht auf seinen Weg achtete. Mit verwundertem Blick schob er seinen Rasenmäher – peng – gegen einen Laternenmast und sorgte für zusätzliches Vergnügen bei uns und anderen Passanten. Wir setzten unsere Fahrt sichtlich vergnügt und froh gelaunt fort.
Auf einer Ablage vor der Heckscheibe befand sich ein kleiner Hebel, den man umlegen musste, um die Kraftstoffreserve zu aktivieren. Nur wussten wir nicht wirklich, wann er auf „Reserve“ stand und wann nicht. So passierte es auf einer Tour, dass wir mitten im Bergischen auf einer langen Serpentinenstrasse plötzlich mit unserem Gefährt stehen blieben, weil kein Sprit mehr im Tank war. Also machten wir uns zufuss auf den Weg, um irgendwo eine Tankstelle zu finden. Den Wagen haben wir mit Leichtigkeit auf den Randstreifen geschoben, jedoch vorsichtshalber die Warnblinkanlage eingeschaltet.
Mein Mann gab natürlich mir die Schuld daran, dass der Tank leer war. Käbbelnd und keiffend erreichten wir nach ca. 3 km Fussweg bergauf eine Tankstelle. Durchgeschwitzt und erleichtert besorgten wir uns hier einen Kanister und befüllten ihn mit Kraftstoff. Mittlerweile hatten sich unsere Gemüter beruhigt und wir begaben uns, wieder scherzend, auf den Rückweg zu unserem Wagen. Bergab benötigten wir fast nur die halbe Zeit. Als wir beim Fahrzeug ankamen, stellten wir fest, dass nun die Batterie leer war. Nun ja, er hatte eben nur eine kleine 6 Volt-Batterie. Uff, auch das noch.
Nachdem wir den Tank befüllt hatten, wendeten wir mit Muskelkraft unser kleines Goggomobil in die Gegenrichtung und liessen ihn anrollen, bis er dann wieder ansprang. Tuckernd setzten wir unsere Fahrt fort, aber diesmal in Richtung Heim. Für heute hatten wir genug geleistet.
Ich hatte mir angewöhnt, sogar zu meiner 28 km entfernten Arbeitsstätte mit dem kleinen Wagen zu fahren. Es war preiswert und machte Spass. An einem Morgen, ich hatte mich um etwa 10 Minuten verspätet, gab ich auf der leicht abschüssigen Bundesstrasse also Gas, und fuhr, was die Kiste hergab, um ein paar Minuten aufzuholen. Auf dem Heimweg war ich genau so unter Zeitdruck und hatte das Gaspedal bis auf den Boden durchgedrückt. Auf einmal machte es „ping“ und vor mir trat ein Polizist mit einer Kelle auf die Fahrbahn, um mich anzuhalten. Mist, auch das noch – bitte nicht heute!
Ich musste ordentlich bremsen, und mein kleiner Flitzer kam hierbei leicht ins Schleudern. Ich lenkte rechts an den Fahrbahnrand und sah zu, wie der Polizist Kopf schüttelnd auf mich zu kam. Ich kurbelte das Fenster runter und grüsste höflich den Beamten. Er grüsste grinsend zurück und meinte: „Sie haben es wohl sehr eilig? Ich kann kaum glauben, was unser Radarmessgerät uns da eben gemeldet hat“. Mit ungläubiger trockener Miene fragte ich zurück: „Ist denn was nicht in Ordnung?“ „Also“, meinte er, „ich bin seit über 20 Jahren im Beruf und habe noch nie einen Goggo in der Radarkontrolle gehabt und schon gar nicht mit einem solchen Speed. Wir haben Sie mit 89 km/h gemessen. Mal ganz abgesehen davon, dass hier noch 50 km/ h zu fahren sind. Zeigen Sie mir doch bitte mal Ihre Papiere.“ Während er ungläubig und immer noch Kopf schüttelnd um das Fahrzeug herum schlawänzelte, kramte ich die Fahrzeugpapiere hervor und reichte sie aus dem geöffneten Fenster nach draussen. Auch sein Kollege hatte sich inzwischen dazu gesellt. Auch er grinste über das ganze Gesicht.
Nachdem der Beamte die Ordnung meiner Papiere festgestellt hatte, bemerkte er auf dem Rücksitz einen riesigen Blumenstrauss und einige Geschenke. Er schaute nochmals in die Papiere und meinte dann: „Oh, junge Frau, Sie haben ja heute Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch. Nun, da ich so etwas noch nie erlebt habe und auf Grund der Tatsache, dass Sie heute ein viertel Jahrhundert alt geworden sind, wollen wir heute mal eine Ausnahme machen. Sie können Ihre Fahrt ohne strafrechtliche Konsequenzen fortsetzen, aber lassen Sie sich ja nicht mehr von uns erwischen!“ Schmunzelnd reichte er mir meine Fahrzeugpapiere zurück, hob grüssend seine Hand zur Mütze und wünschte mir noch eine gute Weiterfahrt. Ich bedanke mich freudestrahlend und setzte meinen Heimweg fort – natürlich mit dem gewohnten Speed……
Wäre ich mit meinem Scirocco in diese Situation gekommen, hätte er mich sicher nicht so davon kommen lassen.
Oldtimer haben eben auch ihre guten Seiten……..
Christiane Rühmann
Das Reserverad hatten wir hinten auf der Heckhaube angebracht und die Kotflügel wurden von uns schwarz lackiert. Er sah schon niedlich aus, unser kleiner Wagen.
Das fanden offensichtlich auch viele Passanten, an denen wir am Wochenende auf unseren Spritztouren vorbei kamen. Offensichtlich waren wir bereits meilenweit zu sehen, weil diese kleine CO²-Dreckschleuder unglaublich qualmte. Wir zogen ständig eine riesige Abgaswolke hinter uns her. Damals haben wir uns keine Gedanken über die Luftverschmutzung gemacht. Es hat einfach nur Spass gemacht, mit dem winzigen Auto Aufsehen zu erregen.
Auf einer Wochenendtour, wir wollten einen Ausflug ins Bergische machen, begegneten wir in einem kleinen Dorf einem Herrn, der einen Rasenmäher vor sich her schob. Offensichtlich wollte er, weil er seinen Rasenschneider über den Bürgersteig schob, damit zum Nachbargrundstück. Als wir auf seiner Höhe waren, bemerkten wir, dass er uns mit geöffnetem Mund nachschaute und dabei nicht auf seinen Weg achtete. Mit verwundertem Blick schob er seinen Rasenmäher – peng – gegen einen Laternenmast und sorgte für zusätzliches Vergnügen bei uns und anderen Passanten. Wir setzten unsere Fahrt sichtlich vergnügt und froh gelaunt fort.
Auf einer Ablage vor der Heckscheibe befand sich ein kleiner Hebel, den man umlegen musste, um die Kraftstoffreserve zu aktivieren. Nur wussten wir nicht wirklich, wann er auf „Reserve“ stand und wann nicht. So passierte es auf einer Tour, dass wir mitten im Bergischen auf einer langen Serpentinenstrasse plötzlich mit unserem Gefährt stehen blieben, weil kein Sprit mehr im Tank war. Also machten wir uns zufuss auf den Weg, um irgendwo eine Tankstelle zu finden. Den Wagen haben wir mit Leichtigkeit auf den Randstreifen geschoben, jedoch vorsichtshalber die Warnblinkanlage eingeschaltet.
Mein Mann gab natürlich mir die Schuld daran, dass der Tank leer war. Käbbelnd und keiffend erreichten wir nach ca. 3 km Fussweg bergauf eine Tankstelle. Durchgeschwitzt und erleichtert besorgten wir uns hier einen Kanister und befüllten ihn mit Kraftstoff. Mittlerweile hatten sich unsere Gemüter beruhigt und wir begaben uns, wieder scherzend, auf den Rückweg zu unserem Wagen. Bergab benötigten wir fast nur die halbe Zeit. Als wir beim Fahrzeug ankamen, stellten wir fest, dass nun die Batterie leer war. Nun ja, er hatte eben nur eine kleine 6 Volt-Batterie. Uff, auch das noch.
Nachdem wir den Tank befüllt hatten, wendeten wir mit Muskelkraft unser kleines Goggomobil in die Gegenrichtung und liessen ihn anrollen, bis er dann wieder ansprang. Tuckernd setzten wir unsere Fahrt fort, aber diesmal in Richtung Heim. Für heute hatten wir genug geleistet.
Ich hatte mir angewöhnt, sogar zu meiner 28 km entfernten Arbeitsstätte mit dem kleinen Wagen zu fahren. Es war preiswert und machte Spass. An einem Morgen, ich hatte mich um etwa 10 Minuten verspätet, gab ich auf der leicht abschüssigen Bundesstrasse also Gas, und fuhr, was die Kiste hergab, um ein paar Minuten aufzuholen. Auf dem Heimweg war ich genau so unter Zeitdruck und hatte das Gaspedal bis auf den Boden durchgedrückt. Auf einmal machte es „ping“ und vor mir trat ein Polizist mit einer Kelle auf die Fahrbahn, um mich anzuhalten. Mist, auch das noch – bitte nicht heute!
Ich musste ordentlich bremsen, und mein kleiner Flitzer kam hierbei leicht ins Schleudern. Ich lenkte rechts an den Fahrbahnrand und sah zu, wie der Polizist Kopf schüttelnd auf mich zu kam. Ich kurbelte das Fenster runter und grüsste höflich den Beamten. Er grüsste grinsend zurück und meinte: „Sie haben es wohl sehr eilig? Ich kann kaum glauben, was unser Radarmessgerät uns da eben gemeldet hat“. Mit ungläubiger trockener Miene fragte ich zurück: „Ist denn was nicht in Ordnung?“ „Also“, meinte er, „ich bin seit über 20 Jahren im Beruf und habe noch nie einen Goggo in der Radarkontrolle gehabt und schon gar nicht mit einem solchen Speed. Wir haben Sie mit 89 km/h gemessen. Mal ganz abgesehen davon, dass hier noch 50 km/ h zu fahren sind. Zeigen Sie mir doch bitte mal Ihre Papiere.“ Während er ungläubig und immer noch Kopf schüttelnd um das Fahrzeug herum schlawänzelte, kramte ich die Fahrzeugpapiere hervor und reichte sie aus dem geöffneten Fenster nach draussen. Auch sein Kollege hatte sich inzwischen dazu gesellt. Auch er grinste über das ganze Gesicht.
Nachdem der Beamte die Ordnung meiner Papiere festgestellt hatte, bemerkte er auf dem Rücksitz einen riesigen Blumenstrauss und einige Geschenke. Er schaute nochmals in die Papiere und meinte dann: „Oh, junge Frau, Sie haben ja heute Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch. Nun, da ich so etwas noch nie erlebt habe und auf Grund der Tatsache, dass Sie heute ein viertel Jahrhundert alt geworden sind, wollen wir heute mal eine Ausnahme machen. Sie können Ihre Fahrt ohne strafrechtliche Konsequenzen fortsetzen, aber lassen Sie sich ja nicht mehr von uns erwischen!“ Schmunzelnd reichte er mir meine Fahrzeugpapiere zurück, hob grüssend seine Hand zur Mütze und wünschte mir noch eine gute Weiterfahrt. Ich bedanke mich freudestrahlend und setzte meinen Heimweg fort – natürlich mit dem gewohnten Speed……
Wäre ich mit meinem Scirocco in diese Situation gekommen, hätte er mich sicher nicht so davon kommen lassen.
Oldtimer haben eben auch ihre guten Seiten……..
Christiane Rühmann
Das Häschen Puck..... (Eine Kindergeschichte)
Puck war ein kleiner aufgeweckter Waldhase. Er lebte mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern in einem schönen Bau, tief inmitten des Waldes. Seine Hasengeschwister und Eltern trauerten noch um einen weiteren Bruder, der während einer Treibjagd abgeschossen wurde. Auch Puck war zum Zeitpunkt der Jagd im Wald unterwegs gewesen. Als er aber das Geknalle der Büchsen und die Rufe der Treiber hörte, zog er es vor, ganz schnell nach Hause in den sicheren Bau zu laufen. Gott sei Dank waren seine anderen Geschwister auch schon da. Nur Ricky hatte es nicht mehr geschafft. Fast täglich besuchte Puck die Stelle, an der man Ricky erschossen hatte. Das Laub und das Moos rochen noch nach ihm.
Puck seufzte: „Ach, wenn ich doch nur Geld hätte, um für Ricky einen Gedenkstein kaufen zu können. Den würde ich dann hier aufstellen, damit wir hier immer an ihn denken können. Ich bin zu klein und zu schwach, um selbst einen hier aufzustellen. Was soll ich nur tun?“
Er merkte gar nicht, wie müde er war, und dass ihm ganz langsam die Augen zu fielen. Sein kleiner Körper legte sich in Gedanken versunken hin und so schlief er auf dem weichen Moos ein. Er hatte einen wunderschönen Traum. Puck und seine Geschwister-Rasselbande waren im gesamten Wald bekannt. Alle Tiere mochten die lustig umher tollenden Häschen. Alle haben vor allem Ricky geschätzt, der auf seinen Streifzügen durch das Unterholz einmal eine Schlingenfalle entdeckt hatte, und seine Freunde davor bewahrt hatte, in diese hinein zu tapsen, indem er sie vorher gewarnt hatte. Bekanntlich sind Fuchs und Hase ja nicht wirklich die allerbesten Freunde, aber hier in diesem Wald war das anders. Selbst die Igel, die Rehe, Hirsche und alle anderen Tiere schmunzelten, wenn sie Ricky und seine Geschwister mit den Fuchs-Geschwistern gemeinsam spielen sahen.
Die Familie Fuchs hatte ebenfalls Nachwuchs, der oftmals weit von ihrem Bau entfernt, ebenso wie die Hasenkinder, herumtollte. Ricky hatte unter den kleinen Füchsen einen Freund. Sein Name war Foxy. Stundenlang konnten sie sich jagen, verstecken, finden und waren ständig in Bewegung. Papa Fuchs hatte einmal gesagt, dass Ricky es nicht wert sei, von seiner Familie gefressen zu werden, denn an ihm sei ja nichts dran. Er hatte dabei gelächelt, nachdem ihn Foxy empört und mit grossen Augen erschrocken angesehen hatte. Nun, nach Rickys Tod, waren es die anderen Hasengeschwister, die mit Foxy herumtobten, aber das war nicht dasselbe. Puck hatte sich am meisten mit Foxy angefreundet und ihm anvertraut, dass er gerne für seinen toten Bruder einen Gedenkstein an dem Tatort aufstellen würde, und dass er nur noch nicht wisse, wie er das anstellen sollte.
Puck lächelte im Schlaf, als er sich vorstellte, dass sein Traum eines Tages in Erfüllung gehen könnte und zuckte dabei mit seinen Hinterläufen, gerade so, als hätte ihn jemand dort gekitzelt. Haaach, das war ein schöner Traum……. Er sah, wie in einer Sprechblase, all seine Freunde und Geschwister, wie sie einen grossen wunderschönen Stein anschleppten, auf dem jeder einen Pfotenabdruck gepresst hatte. Ja, das würde Ricky gefallen!
Wieder war Puck so, als würde ihn jemand unter den Pfoten kitzeln und gaaanz entfernt hörte er auch Stimmen, die immer näher zu kommen schienen. Was war das? Er wurde wach und sprang sogleich in die Stellung, aus der er am besten flüchten konnte, falls ihm Gefahr drohen sollte. Erschrocken schaute er sich um und hörte lautes Lachen. Alle seine Freunde und auch alle Eltern standen um ihn herum und machten sich über ihn lustig. „Ihr seid gemein“, schimpfte der Kleine und wollte beleidigt fortlaufen, als ihn seine Mama festhielt und ihm sagte: „Nun schau Dich doch erstmal um.“ Die zahlreich erschienen Freunde machten einer nach dem anderen Platz und mehr und mehr kam ein grosser Stein zum Vorschein. Ein grosser Stein, mit allen Pfotenabdrücken von Rickys Freunden. Ein Wunder war geschehen!
Puck konnte vor lauter Freude darüber seine Tränen nicht unterdrücken und knuddelte einen jeden Einzelnen von Ihnen. Es war ein mächtiges Aufgebot an Waldtieren hier versammelt und so musste der kleine Puck ganz schön lange knuddeln, bis er wirklich niemanden vergessen hatte. Selbst die Rehe waren zugegen. Die starken Rehböcke hatten mit ihren kräftigen Gehörnen geholfen, den „Ricky-Gedenkstein“ hierher zu rollen und so aufzustellen, wie es sich der kleine Puck vorgestellt hatte.
Er hatte also doch nicht geträumt! Und das schönste war, das alle nun einen Ort hatten, um den sie um den armen Ricky trauern konnten. Von da an lagen täglich frische Blumen, auch welche, die Puck nicht gepflückt hatte, vor dem Gedenkstein.
Es ist einfach schön, wenn man Freunde hat, die für einen da sind und sich mit einem engagieren und mit denen man so wundervoll feiern konnte. Niemals im Leben wollten sie aus diesem Wald ausziehen und für immer hier glücklich und zufrieden leben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.....
Christiane Rühmann
Puck seufzte: „Ach, wenn ich doch nur Geld hätte, um für Ricky einen Gedenkstein kaufen zu können. Den würde ich dann hier aufstellen, damit wir hier immer an ihn denken können. Ich bin zu klein und zu schwach, um selbst einen hier aufzustellen. Was soll ich nur tun?“
Er merkte gar nicht, wie müde er war, und dass ihm ganz langsam die Augen zu fielen. Sein kleiner Körper legte sich in Gedanken versunken hin und so schlief er auf dem weichen Moos ein. Er hatte einen wunderschönen Traum. Puck und seine Geschwister-Rasselbande waren im gesamten Wald bekannt. Alle Tiere mochten die lustig umher tollenden Häschen. Alle haben vor allem Ricky geschätzt, der auf seinen Streifzügen durch das Unterholz einmal eine Schlingenfalle entdeckt hatte, und seine Freunde davor bewahrt hatte, in diese hinein zu tapsen, indem er sie vorher gewarnt hatte. Bekanntlich sind Fuchs und Hase ja nicht wirklich die allerbesten Freunde, aber hier in diesem Wald war das anders. Selbst die Igel, die Rehe, Hirsche und alle anderen Tiere schmunzelten, wenn sie Ricky und seine Geschwister mit den Fuchs-Geschwistern gemeinsam spielen sahen.
Die Familie Fuchs hatte ebenfalls Nachwuchs, der oftmals weit von ihrem Bau entfernt, ebenso wie die Hasenkinder, herumtollte. Ricky hatte unter den kleinen Füchsen einen Freund. Sein Name war Foxy. Stundenlang konnten sie sich jagen, verstecken, finden und waren ständig in Bewegung. Papa Fuchs hatte einmal gesagt, dass Ricky es nicht wert sei, von seiner Familie gefressen zu werden, denn an ihm sei ja nichts dran. Er hatte dabei gelächelt, nachdem ihn Foxy empört und mit grossen Augen erschrocken angesehen hatte. Nun, nach Rickys Tod, waren es die anderen Hasengeschwister, die mit Foxy herumtobten, aber das war nicht dasselbe. Puck hatte sich am meisten mit Foxy angefreundet und ihm anvertraut, dass er gerne für seinen toten Bruder einen Gedenkstein an dem Tatort aufstellen würde, und dass er nur noch nicht wisse, wie er das anstellen sollte.
Puck lächelte im Schlaf, als er sich vorstellte, dass sein Traum eines Tages in Erfüllung gehen könnte und zuckte dabei mit seinen Hinterläufen, gerade so, als hätte ihn jemand dort gekitzelt. Haaach, das war ein schöner Traum……. Er sah, wie in einer Sprechblase, all seine Freunde und Geschwister, wie sie einen grossen wunderschönen Stein anschleppten, auf dem jeder einen Pfotenabdruck gepresst hatte. Ja, das würde Ricky gefallen!
Wieder war Puck so, als würde ihn jemand unter den Pfoten kitzeln und gaaanz entfernt hörte er auch Stimmen, die immer näher zu kommen schienen. Was war das? Er wurde wach und sprang sogleich in die Stellung, aus der er am besten flüchten konnte, falls ihm Gefahr drohen sollte. Erschrocken schaute er sich um und hörte lautes Lachen. Alle seine Freunde und auch alle Eltern standen um ihn herum und machten sich über ihn lustig. „Ihr seid gemein“, schimpfte der Kleine und wollte beleidigt fortlaufen, als ihn seine Mama festhielt und ihm sagte: „Nun schau Dich doch erstmal um.“ Die zahlreich erschienen Freunde machten einer nach dem anderen Platz und mehr und mehr kam ein grosser Stein zum Vorschein. Ein grosser Stein, mit allen Pfotenabdrücken von Rickys Freunden. Ein Wunder war geschehen!
Puck konnte vor lauter Freude darüber seine Tränen nicht unterdrücken und knuddelte einen jeden Einzelnen von Ihnen. Es war ein mächtiges Aufgebot an Waldtieren hier versammelt und so musste der kleine Puck ganz schön lange knuddeln, bis er wirklich niemanden vergessen hatte. Selbst die Rehe waren zugegen. Die starken Rehböcke hatten mit ihren kräftigen Gehörnen geholfen, den „Ricky-Gedenkstein“ hierher zu rollen und so aufzustellen, wie es sich der kleine Puck vorgestellt hatte.
Er hatte also doch nicht geträumt! Und das schönste war, das alle nun einen Ort hatten, um den sie um den armen Ricky trauern konnten. Von da an lagen täglich frische Blumen, auch welche, die Puck nicht gepflückt hatte, vor dem Gedenkstein.
Es ist einfach schön, wenn man Freunde hat, die für einen da sind und sich mit einem engagieren und mit denen man so wundervoll feiern konnte. Niemals im Leben wollten sie aus diesem Wald ausziehen und für immer hier glücklich und zufrieden leben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.....
Christiane Rühmann
Bierzeltgarnitur-Bänke.......
Ist es nicht immer wieder gemütlich, bei Freunden im Garten, oder auf Schützen- Feuerwehr- oder Kindergartenfesten oder ähnlichen Aktivitäten, an einem Bierzelttisch auf den dazu gehörenden Bierzeltbänken zu sitzen, sein Pläuschchen zu halten und über andere Leute zu lästern, oder auch nicht?
Ich finde das immer wieder lustig.
Vor allem, wenn zur fortgeschrittenen Stunde eine so genannte “Gesellschaftsdiät” eintritt, die Reihen sich lichten und so manch einer auf seiner Bank alleine sitzen bleibt - wenn er Glück hat!
Meine Geschichte erzählt von zwei kleinen Bierzeltgarniturenvorkommnissen (ächz), die sich ereignet haben.
Die erste Geschichte berichtet von meinem Polterabend im Juni 1984. Zu diesem Zweck hatten wir die Doppelgarage in meinem elterlichen Wohnsitz ausgeräumt, um es hier richtig krachen zu lassen. Freunde, Arbeitskolleginnen und -Kollegen, Nachbarn und Familie waren alle versammelt. Wir hatten von einem Getränkegroßhandel eine vollständige Theke mit Zapfvorrichtung kommen lassen und mächtig viele Bierzeltgarnituren aufgebaut, da wir an diesem Abend etwa 140 Gäste zu bewirten hatten, die gekommen waren, um mit uns zu “poltern”. Es war ein irre schönes Fest. Mein Auto hatte man mit Toilettenpapier vollständig umwickelt, jemand brachte eine Sirene mit und ließ sie ständig aufheulen, und zum Schluß gab es noch Besuch von der Feuerwehr, mit zwei Löschzügen plus Besatzung, die ebenfalls mit uns feiern wollten.
Wir hatten den Tag zuvor ordentlich geschafft, meine Mutter, meine Schwägerinnen und ich, um Salate, Braten usw. vorzubereiten. Es entstand ein grandioses Buffet, von dem sich alle nach Herzenslust bedienen konnten.
Meine älteste Tante und mein Onkel, die leider zeitlebens kinderlos geblieben waren, mußten natürlich auch mit von der Partie sein. Ständig nörgelte Tantchen an uns herum: “Zieht Euch Unterhemden an, zieht Socken an, seid nicht so ungezogen, benehmt Euch …..” usw., Ihr kennt sicher auch solche Menschen. Ätzend!!!
Onkelchen, immer locker und cool, und Tantchen sitzen gemeinsam auf einer solchen Bank, jedoch einer links und einer rechts. Ihr wißt schon wo, ja genau, da, wo die Streben nach rechts oder links jeweils nur noch ca. 20 cm Platz haben. Zwischen ihnen saß ein wenig jüngeres Volk.
Als dann plötzlich die Sirene begann zu heulen und alle aus der Garage stürmten, bleiben die beiden jedoch sitzen. Was für ein Drama! Tantchen war aber auch neugierig und verließ als Vorletzte die Bank……… ! Lach…. Genau!!! Onkelchen kippte mit der Bank nach rechts, weil die Bank dem Schwerpunkt seines Körpers folgte. Schwapp, das Bier, das er in der Hand hielt, ergoss sich auf seinem Körper und benetzte seinen gesamtes Gesicht. Tantchen, sichtlich sauer geworden, meinte nur: “Adolf, haste wieder zu viel jetrunken? Selbst schuld, geschieht Dir recht. ” Adolf protestierte lauthals und gab seiner Elfriede die Schuld daran, weil sie ja schließlich aufgestanden sei. Frauen sei einfach kein gewisser Sachverstand vorauszusetzen. Sie stritt natürlich alles ab…
Bis dahin habe ich immer gedacht, dass sich nur frisch Vermählte oder Verliebte so käbbeln können, aber dies Ereignis hat mich neu belehrt. Je öller, je döller…..
Das zweite Ereignis hat sich im Kindergarten ereignet, als dieser ein Sommerfest ausrichtete. Mein großes Mädel war erst vier Jahre alt und voll stolz, dass es bei diesem Tag mit helfen durfte. Es wurde geschmückt, gemalt, aufgebaut usw.
Auch hier gab es Bierzeltgarnituren. Die Eltern belagerten die Bänke natürlich, um ihr Grillgut und die selbst gemachten Salate aus ordentlicher Position heraus, bequem geniessen zu können. Die Kleinen flitzten von Attraktion zu Attraktion und gesellten sich nur gelegentlich zu ihren Eltern auf die Bänke.
Einmal war das jedoch anders. Ich habe es beobachtet. Lutz und Claudia, deren kleine Tochter Isa diesen Kindergarten besuchte, hatten sich ihren Platz auf einer dieser Bänke reserviert. Ihre erste Portion Grillgut hatten sie bereits verputzt und strebten nun der zweiten entgegen. Isa hatte sich neben sie gesellt, mit einem riesengroßen Eis. In diesem Moment saßen nur die drei Personen auf der Bank. Lutz und Claudia standen auf einmal gemeinsam auf, um sich Nachschlag zu holen, nachdem sie Isa gesagt hatten, dass sie sitzen bleiben solle, bis beide wieder zurück seien. Isa nickte nur.
Als ihre Eltern aufgestanden waren, schlug auch diese Bank um und Isa plumpste kreischend zu Boden. Was hierbei lustig aussah, war das Hörnchen - das Eishörnchen auf ihrem Kopf.
Seither achte ich immer besonders auf diese Bänke, die andere Leute immer zum Lachen verleiten. Und ich lache lieber, als ausgelacht zu werden………
Christiane Rühmann
Ich finde das immer wieder lustig.
Vor allem, wenn zur fortgeschrittenen Stunde eine so genannte “Gesellschaftsdiät” eintritt, die Reihen sich lichten und so manch einer auf seiner Bank alleine sitzen bleibt - wenn er Glück hat!
Meine Geschichte erzählt von zwei kleinen Bierzeltgarniturenvorkommnissen (ächz), die sich ereignet haben.
Die erste Geschichte berichtet von meinem Polterabend im Juni 1984. Zu diesem Zweck hatten wir die Doppelgarage in meinem elterlichen Wohnsitz ausgeräumt, um es hier richtig krachen zu lassen. Freunde, Arbeitskolleginnen und -Kollegen, Nachbarn und Familie waren alle versammelt. Wir hatten von einem Getränkegroßhandel eine vollständige Theke mit Zapfvorrichtung kommen lassen und mächtig viele Bierzeltgarnituren aufgebaut, da wir an diesem Abend etwa 140 Gäste zu bewirten hatten, die gekommen waren, um mit uns zu “poltern”. Es war ein irre schönes Fest. Mein Auto hatte man mit Toilettenpapier vollständig umwickelt, jemand brachte eine Sirene mit und ließ sie ständig aufheulen, und zum Schluß gab es noch Besuch von der Feuerwehr, mit zwei Löschzügen plus Besatzung, die ebenfalls mit uns feiern wollten.
Wir hatten den Tag zuvor ordentlich geschafft, meine Mutter, meine Schwägerinnen und ich, um Salate, Braten usw. vorzubereiten. Es entstand ein grandioses Buffet, von dem sich alle nach Herzenslust bedienen konnten.
Meine älteste Tante und mein Onkel, die leider zeitlebens kinderlos geblieben waren, mußten natürlich auch mit von der Partie sein. Ständig nörgelte Tantchen an uns herum: “Zieht Euch Unterhemden an, zieht Socken an, seid nicht so ungezogen, benehmt Euch …..” usw., Ihr kennt sicher auch solche Menschen. Ätzend!!!
Onkelchen, immer locker und cool, und Tantchen sitzen gemeinsam auf einer solchen Bank, jedoch einer links und einer rechts. Ihr wißt schon wo, ja genau, da, wo die Streben nach rechts oder links jeweils nur noch ca. 20 cm Platz haben. Zwischen ihnen saß ein wenig jüngeres Volk.
Als dann plötzlich die Sirene begann zu heulen und alle aus der Garage stürmten, bleiben die beiden jedoch sitzen. Was für ein Drama! Tantchen war aber auch neugierig und verließ als Vorletzte die Bank……… ! Lach…. Genau!!! Onkelchen kippte mit der Bank nach rechts, weil die Bank dem Schwerpunkt seines Körpers folgte. Schwapp, das Bier, das er in der Hand hielt, ergoss sich auf seinem Körper und benetzte seinen gesamtes Gesicht. Tantchen, sichtlich sauer geworden, meinte nur: “Adolf, haste wieder zu viel jetrunken? Selbst schuld, geschieht Dir recht. ” Adolf protestierte lauthals und gab seiner Elfriede die Schuld daran, weil sie ja schließlich aufgestanden sei. Frauen sei einfach kein gewisser Sachverstand vorauszusetzen. Sie stritt natürlich alles ab…
Bis dahin habe ich immer gedacht, dass sich nur frisch Vermählte oder Verliebte so käbbeln können, aber dies Ereignis hat mich neu belehrt. Je öller, je döller…..
Das zweite Ereignis hat sich im Kindergarten ereignet, als dieser ein Sommerfest ausrichtete. Mein großes Mädel war erst vier Jahre alt und voll stolz, dass es bei diesem Tag mit helfen durfte. Es wurde geschmückt, gemalt, aufgebaut usw.
Auch hier gab es Bierzeltgarnituren. Die Eltern belagerten die Bänke natürlich, um ihr Grillgut und die selbst gemachten Salate aus ordentlicher Position heraus, bequem geniessen zu können. Die Kleinen flitzten von Attraktion zu Attraktion und gesellten sich nur gelegentlich zu ihren Eltern auf die Bänke.
Einmal war das jedoch anders. Ich habe es beobachtet. Lutz und Claudia, deren kleine Tochter Isa diesen Kindergarten besuchte, hatten sich ihren Platz auf einer dieser Bänke reserviert. Ihre erste Portion Grillgut hatten sie bereits verputzt und strebten nun der zweiten entgegen. Isa hatte sich neben sie gesellt, mit einem riesengroßen Eis. In diesem Moment saßen nur die drei Personen auf der Bank. Lutz und Claudia standen auf einmal gemeinsam auf, um sich Nachschlag zu holen, nachdem sie Isa gesagt hatten, dass sie sitzen bleiben solle, bis beide wieder zurück seien. Isa nickte nur.
Als ihre Eltern aufgestanden waren, schlug auch diese Bank um und Isa plumpste kreischend zu Boden. Was hierbei lustig aussah, war das Hörnchen - das Eishörnchen auf ihrem Kopf.
Seither achte ich immer besonders auf diese Bänke, die andere Leute immer zum Lachen verleiten. Und ich lache lieber, als ausgelacht zu werden………
Christiane Rühmann
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