Teststreifen

Sabine saß im grünen Gras und las.

Dabei der Wind durch ihre Locken wehte,
bis sie ihren Kopf umdrehte,
um zu schauen, wer noch so hier.
Da saß der Schneider mit ´nem Bier,
und Siegbert Müller, das Gerippe
saß auf der Bank, zog an ´ner Kippe.

Frau Müller aus dem Nachbarhaus
führte ihren Dackel aus.
Professor Siebel, der Gescheite,
sich in die Bekanntenkette reihte.

Da war da noch der Opa Schindelkern,
spielt Ball mit seinen Enkelkindern.

Doch was ist das? Ein fremder Mann!
Schau sich einer dieses Prachtstück an!
Gegelte lange Powerlocken,
stylisch gefasstes Sonnenglas,
begann er sich hinzuhocken,
um wohl seinen Schuh zu binden,
konnte doch offensichtlich den Senkel nicht finden.

Nun merkte sie, er ging am Stab,
den es für Blinde als Hilfe gab.
Er tastet ab den offenen Schuh
und band sich diesen schließlich zu.
Er erhob sich, ging gelassen weiter.

Sabine dabei jedoch entdeckte,
dass das Handy, was in seiner Tasche steckte,
ihm aus seiner Jacke war entgleitet,
was sie daraufhin verleitet,
aufzustehn, es aufzuheben,
um es ihm zurück zu geben.

Gesagt getan.
Sie spricht den Fremden an,
der sie, als sie es ihm in die Hand drückte,
sie mit einem Lächeln beglückte.
Bedankt sich bei ihr mit Händedruck,
dabei nicht mehr seine Brille trug.

Sabine war jetzt recht erstaunt,
er eine Entschuldigung raunt,
ihr dabei dann offen verkündet,
dass sie sich jetzt im Film befindet,
dass sie jetzt ein Filmstar sei,
gedreht für „Vorsicht Kamera“,
und dies ein „Teststreifen“ war.

Wie, das alles war also getürkt?
Sabines Speichel sie jetzt würgt.
Doch bestanden hat sie diese Probe,
erhielt dafür mächtig Lobe
von allen anwesenden Statisten,
die das Klatschen nicht mehr liessen.

Ab da war ihr deutlich klar,
dass ein guter Mensch sie war.

© Christiane Rühmann

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