Wunder gibt es immer wieder.......



Ich hatte mir nach dem Tod meines Mannes und dem Verlust meines Arbeitsplatzes eine Seminarreihe gekauft, die es mir ermöglichte, viele neue Menschen kennen zu lernen, mich selbst weiter zu bilden aber auch mental und seelisch wieder in den Griff zu bekommen.

Hierzu hatte ich auch einen langjährigen Freund animiert. Wir haben alle Seminare gemeinsam besucht, hatten sogar die Möglichkeit, einige Seminare, ohne Mehrkosten mehrfach zu besuchen. Max war immer an meiner Seite. Ich glaube sogar, dass er ein wenig in mich verliebt war. Seine Frau hat es gebilligt, dass er an den Wochenenden mit mir unterwegs war. Zwar hatte ich zu gewissen Zeiten das Gefühl, als wolle sie mich aushorchen, doch habe ich ihr immer wieder zu verstehen gegeben, dass ihr Liebster mich nicht im geringsten interessieren würde, sondern, halt einfach nur ein Freund seie, was ja auch so war und auch noch ist.

Als Krönung eines Motivationsseminars galt es, über einen Brandteppich zu laufen. Einige der Seminarteilnehmer hatte gekniffen und wollten diesen Lauf nicht unternehmen. Für mich gab es nichts Interessanteres!

Klar, genau das wollte ich, um mir zu beweisen, dass nicht einmal Feuer mir etwas anhaben kann! Ich war nämlich gerade dabei, mein Leben neu zu ordnen, da kam mir dieses Seminar gerade entgegen. Wir reisten also mit meinem Wagen ins Sauerland, wo das Event statt fand. Vom Hotel aus fuhren wir mit einem Bus, wir waren immerhin insgesamt über 40 Teilnehmer, auf einen Berg, wo es Skipisten, Skilifte und eine Allwetterrodelbahn gab.

Nach vorheriger entsprechender mentaler Vorbereitung, war es dann so weit. Wir sollten unseren Feuerlauf machen. Die Holzkohle wurde, nachdem sie von einem mehr als 3 m hoch aufgestapelten Holzscheitberg heruntergebrannt war, zu einem Teppich auseinander geharkt. Die willigen Teilnehmer stellten sich an, um nach und nach über die glühende Holzkohle zu stolzieren.

Vor Beginn des Brandteppichlaufes raffte ich also meine Gedanken nochmals zusammen und stellte mir dabei vor, dass ich lediglich über kühles Moos laufen würde, um keine Brandblasen an meinen Füssen zu erhalten.

Nichts, aber auch gar nichts, hätte mich jetzt noch davon abhalten können, diesen Gang zu unternehmen. Ich stolzierte also los. Vorher hatte ich für mich beschlossen, nicht daran zu denken, dass der Feuerteppich etwa 6 - 7 m lang war. Ich schloss meine Augen und marschierte einfach los. Am Ende des Holzkohleteppichs stand eine Schüssel mit kaltem Wasser, in die man seine Füsse eintauchen sollte, um auszuschließen, dass eventuelle glühende Kohlereste sich noch zwischen den Zehen befanden. Es zischte fast, nachdem ich die Wasserschüssel betrat. Das Wasser erhitzte sich sogar, nachdem etliche der Teilnehmer das erfrischende Ziel erreicht hatten.

Es war ein tolles und erhabenes Gefühl, diese Schritte getan zu haben. Ich hatte das Gefühl, dass nichts und niemand mir mehr etwas anhaben könnte. Ich spürte deutlich einen gewissen Energiezuwachs in mir, der bis heute anhält. Noch von dem Erfolg “beschwippst”, fand im Anschluss ein Hüttenzauber statt.

Zuvor wollten wir jedoch alle noch das Angebot des Mentaltrainers wahr nehmen, und die tolle Allwetterrodelbahn benutzen, die er eigens für uns angemietet hatte. Die Schlitten gab es als Einzel- oder als Doppelsitzer. Also bildeten sich Paare, um die lustige Schlittenfahrt gemeinsam zu erleben. Ich begab mich natürlich mit meinem Bekannten auf diese Touren. Dann hieß es auf einmal, dass man seine letzte Schlittenfahrt antreten sollte, weil die Bahn für diesen Abend geschlossen werden sollte. Unglücklicherweise, oder vielmehr “glücklicherweise” starteten mein Bekannter und ich als letzter Bob auf der Bahn. Die Transportkette hievte uns den steilen Berg hinauf. Kurz vor der höchsten Stelle, an der man dann losgeseilt wird, um die kurvenreiche Abfahrt anzutreten, blieb unser Gefährt auf einmal stehen. Wir wunderten uns zwar, waren jedoch sicher, dass es gleich weitergehen würde. Die Position, in der wir uns befanden, war äußerst unbequem - so steil am Hang. Ich konnte kaum mein eigenes Gewicht halten, um meinem Hintermann nicht den Bauch platt zu drücken. Ich wollte es nicht glauben: Wieder passierte mir so etwas “Aussergewöhnliches”. Andere Leute wissen nichts aus ihrem Leben zu berichten; aber bei mir war und ist das anders.

Nach etwa einer Minute ging dann auch noch die gesamte Bahnbeleuchtung aus und wir saßen bei totaler Finsternis eingeklemmt in unserem Schlitten auf der Schiene in dieser Waldschneise, inmitten von 30 - 40 Meter hoher Fichten. Es war sehr beeindruckend. Wir scherzten noch, wendeten unsere Köpfe und riefen den Berg hinunter: “So, jetzt könnt Ihr wieder alles anmachen, Ihr habt ja jetzt Euren Spaß gehabt”!!!
…Aber nichts rührte sich. Wir begannen zunächst so zu lachen, dass wir erst recht keine Kraft mehr besaßen, uns auch nur irgendwie aus dieser unglücklichen Lage zu befreien. Doch dann wurden wir uns der Lage total bewusst, schauten gegen den Himmel, der in dieser Schneise aussah, wie ein still stehender See. Stern an Stern war zu sehen, allerdings kein Mond, der uns auch nur annähernd ein wenig Beleuchtung geschenkt hätte. Urplötzlich fiel eine Sternschnuppe vom Himmel und zwar genau in diesen Tunnel aus den beachtlich hohen Fichten. Mein Begleiter und ich waren fasziniert. Scherzend meinten wir, dass der Trainer aber auch an alles gedacht hätte, und dass wir ihm dankbar sein könnten, dass er uns dieses Erlebnis zuteil kommen ließ. Es war wie ein Wunder…

Nun musste allerdings doch was passieren. Schliesslich konnten wir ja hier nicht übernachten. Also rafften wir unsere gesamten Kräfte zusammen und stiegen aus diesem Schlitten aus, auf die Schiene, die sich etwa 1,50 m über dem Erdreich befand. Wir brauchten nur noch den Berg hinunter zu gehen! Dies erwies sich jedoch als enorm schwierig, da wir nicht das geeignete Schuhwerk besaßen, um auf so einen steilen Berg zu klettern, bzw. von einem solchen hinab zu steigen . Zudem kannten wir uns ja auch nicht aus. Also beschlossen wir, der Bahn nach unten zu folgen. Es gab hier ein Geländer aus Holz, das wohl auch die Wartungsarbeiter benutzten, an dem wir uns zunächst festhalten konnten, bis zu einem kleinen ebenen Absatz. Ab hier wurde es noch schwieriger. Meine Hände waren in den Innenflächen bereits bespickt mit kleinen Holzsplittern. Ich blutete sogar. So hatten wir dann beschlossen, dass mein Bekannter rückwärts ging und mich beim Abstieg abstützte, damit ich mich nicht weiter verletzte. Er liess meine Hand nicht los, obwohl er sich mehrfach selbst dabei in Gefahr begab.

Etwa eine halbe Stunde später hatten wir die Sohle erreicht, auf der sich die Hütte befand, in der die anderen mittlerweile lauthals feierten. Wir traten ein und wurden begrüßt mit: “Da seid Ihr ja. Wo ward Ihr denn so lange”? Offensichtlich glaubten sie, dass mein Bekannter und ich ein “Verhältnis” oder so etwas hätten, und uns deshalb für einige Zeit vom Acker gemacht hätten.

Wir erzählten dann unsere Version des Abends und ernteten unglaublichen Beifall und viel Gelächter. Ob man uns geglaubt hatte ………?

Jedenfalls saß der Bahnbetreiber noch am Tresen und trank sein Bier. Er konnte kaum glauben, was wir da erzählten. Mein Bekannter meinte nur, dass er sich am nächsten Tag selbst davon überzeugen könne, weil er ja noch seinen Schlitten vom Hang zurückholen müsse. Als Entschädigung für die Unannehmlichkeiten gab es dann vom Betreiber zehn Freifahrt-Karten, die wir dankend annahmen.

Wir waren in keinster Weise sauer, sondern lachten den ganzen Abend über diese Geschichte. Selbst heute noch denken wir gerne an diesen außergewöhnlichen Abend zurück, die beeindruckende Aussicht in den mit Sternen übersäten Himmel, die Sternschnuppe, den Abstieg usw., alle diese Erlebnisse kann uns niemand mehr nehmen.

Danke an das Universum……

CR
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