Wo sind meine Räder??



An einem Freitagabend im Sommer 1975. Wie immer war ich abends on Tour. An diesem Abend mußte ich mal nicht kellnern, sondern konnte mich selbst zur Abwechslung mal bedienen lassen. Wenn es so ein Abend war, an dem ich ausging, hatte ich natürlich -wie immer- meine Gitarre dabei, um für den Fall gewappnet zu sein, dass es plötzlich ein Picknick geben sollte oder jemand in irgendeiner Kneipe Geburtstag hatte und man ihm ein Ständchen bringen sollte.
Ich wurde darum von den meisten Menschen geliebt und habe mir auf diese Weise zusätzlich noch ein paar Kröten verdient. Darum konnte ich es mir auch erlauben, immer die angesagtesten Autos zu fahren. In diesem Jahr besaß ich ein Prachtstück von BMW, den 1802. Ich war sehr stolz auf meinen Flitzer und hatte ihn mir im Lauf der Zeit ein wenig tunen lassen. Meine letzte Errungenschaft hierzu waren ein Satz breite Alu-Felgen mit Weißwandreifen. Jeder beneidete mich um dieses Auto, mit dem man sehr gut tief fliegen konnte - weil, hoch fliegen ging nicht, da hätte ich mir ja die Flügel verbrannt……grins
Damit hatte ich unter anderem einige Slalom- und Bergrennen im Bayrischen Wald bestritten.

Zunächst begann der Abend langweilig, doch dann betraten eine Gruppe niedlicher junger Knilche den Gastraum und gesellten sich um die Theke. Ich saß mit einigen Mädels an einem Tisch und unterhielt mich. Irgendwie gab es dann eine Runde Bier, ausgegeben von den Frischlingen. Wir boten ihnen deshalb an, sich zu uns an den Tisch zu setzen. Ab da wurde der Abend lustiger. Wir spielten Billard und flipperten eine lange Weile. Dann meinte meine Freundin, dass wir doch auch mal was anderes spielen könnten, z.B. “die Reise nach Jerusalem” . Dazu benötigten wir jedoch Musik, die jederzeit aufhören und wieder neu beginnen konnte. Also holte ich mein “Klavier”, wie ich meine Gitarre liebevoll nannte, aus dem Auto. Offensichtlich wurde ich dabei beobachtet, warum, werdet Ihr gleich erfahren.

Es wurde noch ein richtig lustiger Abend. Wie es so üblich ist, gingen die Jungen mit ihresgleichen auf die Toilette, genau wie die Mädchen. Eins war nur sehr merkwürdig, irgendwie brauchten die Jungs immer viel länger, als wir, obwohl sie sich nicht das Näschen pudern mußten.

Es war mittlerweile spät geworden und alle brachen nach und nach auf, um nach Hause zu fahren. Also begab ich mich auch zu meinem Auto, schloß auf und stieg ein, ließ den Motor an, legte den Gang ein und wollte losfahren. Doch was war das??? Der Motor heulte auf und das Auto bewegte sich nicht von der Stelle. Den Leerlauf eingelegt, stieg ich aus und ging rings um den Wagen herum.

Nein!!! Man hatte mir meine Räder geklaut!!! Hätte ich doch besser 80 DM in Felgenschlösser investiert! Mist, und nun?

Ich ging zurück in die Kneipe und erzählte, was passiert war. Ich war so empört, dass ich fast vergaß, beim erzählen Luft zu holen. Zur Beruhigung bekam ich einen Schnaps vom Wirt, der dann kurz darauf mit mir nach draußen ging, um sich von meiner Geschichte zu überzeugen. Auch er staunte nicht schlecht. Man hatte das Auto ganz minimal vom Boden abgehoben und es dann auf Ziegelsteinen abgesetzt, um dann die Räder abzunehmen. Der Höhenunterschied war kaum wahrnehmbar. Und, was jetzt?

Ich wollte gerade einige Freunde von der der Gaststube aus anrufen, als langsam ein Rad aus dem Dunkel der Nacht auf mein Auto zugerollt kam, dahinter der zweite, dritte und schließlich der letzte. Wir stoppten sie und hörten es im Gebüsch laut knistern und anschließend vernahmen wir lautes Lachen.

Gröhlend und frech grinsend kamen die Frischlinge aus dem Gebüsch und meinten, dass dies doch nur ein Scherz gewesen sei, allerdings hätten sie die Räder auch gerne zu Geld gemacht, hätten mir dies dann jedoch nicht antun können.

Dann erwiesen sie sich doch noch als Kavaliere und montierten die Räder wieder auf die Achsen.

Gleich am nächsten Tag bin ich in einen Zubehörshop gefahren und habe mir einen Satz Felgenschlösser gekauft. Das sollte mir nie wieder passieren ……
(c) Christiane Rühmann
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