Ja ist denn schon wieder Silvester?……….

Schon wieder ist ein Jahr vorüber gegangen,
kaum, dass es grad mal angefangen.
Wohin gehen nur so schnell die Tage?
Das ist es, was ich mich ständig frage.

Hab gerade noch im See geschwommen
und einen Sonnenbrand bekommen.
Hab mich erfreut an dem schönen Grün,
sah Leute in die Eisdielen fliehen.

Genoss den lauen Sommerabend,
an kühlem Bierchen mich erlabend.
Der Landschaftsmaler kam so schnell,
die Abende nicht mehr lange so hell.

Das bunte Laub kaum richtig genossen,
hat die Natur sich schon entschlossen,
Barbier zu spielen auf den Bäumen
und alle Blätter abzuräumen.

Und emsig sah ich auf einmal alle laufen
um ihre Weihnachtsgeschenke schon zu kaufen.
Wie kann das sein, wo soll das hin?
Empfind ich so, weil ich nicht mehr zwanzig bin?

Nun wach ich auf und merk, mich friert.
Dass Winter ist, habe ich erst jetzt kapiert.
Schwups ist auch schon Weihnachten vorbei,
das ist doch ´ne Riesen -Schweinerei.

Schon seh ich die Kinder ungeduldig mit den Füssen treten,
sie verlangen alle nach den Silvester-Raketen.
Ja, ist denn das Jahr schon wieder vorüber?
Plötzlich sind sie alle im Silvesterfieber!

Kaufen Braten, Chips und Kistenweise Sekt
und alles, was zu Silvester sonst noch so schmeckt.
Planen eine riesige und lange Feier,
stürzen sich auf die Angebote wie die Geier.

Schnell zeigt die Uhr schon Zwölfe an
und manch einer schon nicht mehr kann.
Hat von Silvester nichts mehr mitbekommen,
war vom Alkohol total benommen.

Merkt auch nicht, wie schnell die Zeit vergeht
und das neue Jahr schon wieder auf der Matte steht.
So schnell nimmt die Zeit ihren Lauf,
und legt wieder eine Schaufel drauf……..

(c) Christiane Rühmann

Nach dem Fest.....

„Papa, wann haben endlich wieder die Geschäfte offen?“

„Wieso willst Du das wissen? Wir haben doch alles, was wir brauchen hier. Heute ist erst Samstag und am Montag öffnen die Läden erst wieder.“

„Mann, das dauert ja noch ewig! Hast Du den Bon, oder hat Oma ihn?“

„Welchen Bon?“

„Na den, von dem bescheuerten Nintendo-Spiel. Oma glaubt wohl, dass wir noch in der Steinzeit leben. Das hat doch kein Mensch mehr…“

„Nanana, nun tu ihr aber nicht Unrecht. Sie hat es doch nur gut gemeint.“

„Und was soll ich denn noch mit einer Barbie-Puppe, in meinem Alter. Die peilt voll gar nichts mehr.“

„Jajaja, ist ja schon gut, am Montag fahren wir in die Stadt und tauschen die Sachen um. Aber erzähl Oma nichts davon, sonst ist sie beleidigt.“

„Genau das ist der springende Punkt. Wenn einer mal vernünftig mit Oma reden würde, wäre das Problem für nächstes Weihnachten aus dem Weg geräumt. Ich werde es ihr sagen.“

Beverly war fest entschlossen, ihrer Oma klar zu machen, dass sie mit ihren12 Jahren nicht mehr mit Barbie-Puppen spielt und Nintendo geht auch gar nicht mehr. Viel lieber wäre ihr der MP3-Player gewesen, den ihre Freundin Lynn schon längst besass. Und Barbie….. also nee, war Oma denn nicht aufgefallen, dass sie schon fast erwachsen war?

Bev wirkte in der Tat um locker mal zwei Jahre älter, als sie war. Sie achtete darauf, immer stylisch und trendy zu sein, na eben so halt, wie es Teenager heutzutage sind. Und das musste sie ihrer Oma beibringen, wenn auch wunschgemäss – schonend. Oma wollte doch am Sonntag nochmal vorbeikommen, und dann würde sie mit ihr reden.

Pünktlich zum Kaffee erschien Oma Rieke. Bev´s Mum hatte, wie immer, den Tisch liebevoll gedeckt und einen Kuchen gebacken. Papa hatte den Kamin angefacht, um es für alle gemütlich zu machen. Während nun alle ihren Kuchen und Kaffee genossen, merkte Oma Rieke, dass Bev etwas bedrückte.

„Was ist los, Beverly? Bist Du krank“ „Nein Oma, das ist es nicht. Ich müsste mal mit Dir reden, aber Du darfst nicht traurig oder böse sein.“ Bev´s Eltern zogen die Stirn in Falten.

„Also, raus mit der Sprache. Was bedrückt Dich, Kind?“

„Oma, Du fährst doch einen grossen Wagen, Du weisst schon, einen der Teuersten, mit dem Stern“.

„Ja, das stimmt.“

„Was hättest Du gemacht, wenn Du ein Auto geschenkt bekommen hättest, was mindestens vier Preisklassen unter dem Wert Deines jetzigen Fahrzeugs gewesen wäre?“

Oma überlegte kurz und antwortete: „Vermutlich hätte ich es eingetauscht gegen das, was ich immer schon mal haben wollte, nämlich so eins, wie ich es jetzt besitze. Aber auf was willst Du hinaus?“

„Schau mal, ich bin doch jetzt kein kleines Kind mehr und ich habe mich auch wirklich über Deine Geschenke zu Weihnachten gefreut, nur scheint an Dir vorüber gegangen zu sein, dass ich fast erwachsen bin und nicht mehr mit Puppen spiele. Und technisch scheinst Du auch nicht mehr auf dem Laufenden zu sein. Man spielt heute nicht mehr dieses Nintendo. Hättest Du mich gefragt, wäre ich zu gerne mit Dir gemeinsam shoppen gegangen. Oder denkst Du etwa, dass ich noch an den Weihnachtsmann glaube?“

Rieke war ein wenig erstaunt und dachte eine Weile nach, bis sie schliesslich meinte: „Also, wenn ich Dich recht verstehe, waren meine Geschenke für Dich vollkommen falsch gewählt? Und nun möchtest Du, dass Du sie umtauschst gegen etwas anderes? Ich habe verstanden!“ Sie machte eine kleine Pause, holte tief Luft und lächelte.

„Hmm, lass mal nachdenken. Wie wäre es denn mit Montag Vormittag? Du hast doch noch Ferien. Die Kassenbelege habe ich noch in der Tasche. Soll ich Dich gegen 11.00 Uhr abholen zum ‚Umtauschbummel‘? Dann können wir ja anschliessend beim Italiener noch eine Pizza essen gehen. Ist das o.k.? Dabei kannst Du mir ja dann etwas mehr über Eure Jugendtrends berichten. Schliesslich bin ich ja noch lernfähig.“

Beverly jubelte, sprang so hastig auf, dass der Stuhl hinter ihr umkippte, fiel ihrer Oma um den Hals und gab ihr einen dicken Kuss auf die Wange. Die Eltern lächelten und atmeten erleichtert auf.

„Danke Oma, Du bist die Beste!“

Wie verabredet, stand Oma Rieke am Montag gegen 11.00 Uhr mit ihrem Superfahrzeug vor der Tür und holte Bev ab. Nachdem sie all ihre Erledigungen getätigt hatten, setzten sie sich gemütlich in eine Pizzeria und schlemmten, bis sie fast platzten. Bev schwärmte Oma Rieke vor, was heute so im Trend liegt. Sie kamen sich an diesem Tag mächtig nahe und beschlossen, solche Einkaufsbummel häufiger zu wiederholen…….

(c) Christiane Rühmann

Still nur, still........

„Still nur, still und hübsch geschlafen“
hat mein Mütterlein gesagt,
als ich sie am Weihnachtsabend allerlei gefragt.
„So sag doch, liebes Müllerlein,
kommt das Christkind mit dem Bäumchen und den Gaben durch das
Schlüsselloch herein?“
Mutter hat dann stillgeschwiegen
und ganz wunderbar gelacht und
mir einen Kuss gegeben, und gesagt:
„Nun gute Nacht“.
Als ich nun im Bettchen liege,
und noch gar nicht schlafen kann,
hör ich drinnen leise sagen:
„Guter Mann, die Christiane ist schon längst am schlafen,
weck sie nur nicht auf.
Stelle diesen Puppenwagen dort
in jener Ecke auf,
und das Backwerk mit den Nüssen
leg auf dieses Tellerlein,
unterdessen will ich schmücken,
dieses Bäumchen, zierlich fein“.
Bitte stecke Du die Lichter in die Kerzenhalter ein“.
Horch…., das war der Weihnachtsmann.
Nun gute Nacht - und ich schlief ein
und ich kroch vor lauter Freude
tiefer in mein Bett hinein.
(Von meiner Mutti)

Vergessenes Weihnachtsgeschenk.....

Weihnachten 1962. Ich war das jüngste von 5 Kindern und das einzige Mädchen. Ich kann mich daran erinnern, dass die Vorweihnachtszeit immer sehr schön und vor allem sehr geheimnisvoll war. Wir haben gemeinsam Spritzgebäck gebacken, Berliner Brot, Lebkuchen und vieles mehr. Hmmh, es roch dann immer so gut in der Stube. Um diesen Duft noch zu toppen, legten wir Orangenschalen auf den Kohleofen. Das ist es, was mich heute immer noch wehmütig an die damalige Zeit zurückdenken lässt. Nie gingen meine Eltern ohne mich irgendwo hin. Daher hatte ich auch noch lange an das ‚Christkind‘ geglaubt, das zum Fest die Geschenke unter den Weihnachtsbaum legte. Mutti und Vati unterstützten es nur dahingehend, dass sie die Geschenke für uns Kinder bereits zu Hause aufbewahrten, damit das Christkind an Weihnachten nicht so viel zu schleppen hatte. Ja, das war mir wohl bekannt. Aber wo blieben bis Weihnachten die Geschenke? Wo wurden sie gelagert.
Um das herauszufinden, musste man sich ja schließlich mal im ganzen Haus informieren. Insgeheim wusste ich, dass dies nicht wirklich richtig war. Was würde sein, wenn ich etwas finden würde? Könnte ich mich dann noch freuen? Und konnte ich mich meinen Eltern gegenüber so verstellen, dass sie glaubten, ich würde mich freuen?
Ich war mir sicher, dass ich mich diesbezüglich vollkommen im Griff haben würde und wollte mit der Suche beginnen. Ich schlich mich aus der Stube und wollte im Keller mit meinen Nachforschungen anfangen, als meine Mutti diese heimliche „Verdrücke“ mitbekam und meinte: „Wo willst Du hin?“ „Äähh, ich brauch mal was aus dem Keller. Ich geh mal eben runter…“ „Nein warte, ich komme mit“, meinte Mutti, „ich brauche noch einen Korb voll Kartoffeln.“
Mist, jetzt kann ich doch nicht rumschnüffeln! Das musste ich also verschieben. Ich musste nur eine neue Gelegenheit abwarten. Also ging ich gemeinsam mit meiner Mutter in den Keller und half ihr, den Korb mit Kartoffeln zu füllen. Mir fiel auf, dass es im Keller nach Farbe roch. Ja musste Vati denn schon wieder streichen, da hab ich doch gar nichts von mitgekriegt. Uuups, was war das denn, da war etwas mit einem großen Leinentuch abgedeckt. „Was ist da drunter?“, wollte ich wissen. „Ach, das macht Dein Vater für die Familie Kotter. Das ist ein Weihnachtsgeschenk für Claudia, und weil sich ihr Vater den Arm gebrochen hat, hilft Vati ihm und streicht das Geschenk an.“
Ach so war das. Schade… Ich war zufrieden mit der Aussage. Ja, Vati war eben sehr hilfsbereit, das wusste ich. Also brauchte ich da schon mal nicht nachzuschauen. Wir gingen wieder nach oben. Nun hatte ich aber immer noch nichts entdeckt. Ich musste also eine weitere Gelegenheit abwarten.
In der folgenden Woche waren alle sehr emsig damit beschäftigt, ihre größeren und kleineren Geheimnisse zu verbergen, die angefertigt wurden, um seinen Liebsten eine Überraschung zu Weihnachten zu bereiten. Auch ich hatte für meine Brüder und meine Eltern etwas fertiggestellt. In der Schule hatte ich das vorbereitet. Es waren Weihnachtssterne aus Stroh und aus buntem Glanzpapier. Die hatte ich ja auch versteckt – in meinem Kleiderschrank! Also könnte es doch sein, dass die Geschenke, die meine Eltern für uns hatten, auch im Kleiderschrank versteckt waren.
Ich wartete eine Gelegenheit ab. Als meine Mutti in die Waschküche ging, um Wäsche aufzuhängen, schlich ich mich eiligst ins Schlafzimmer, öffnete den Kleiderschrank und entdeckte so dies oder das, was nichts in einem Kleiderschrank zu suchen hat. Selbst auf dem Kleiderschrank lag ein gaaanz langes Paket. Was mochte das wohl sein? Shit, da kam ich nicht ran, es war zu hoch. Ich hörte die Kellertreppe knarren und schlich eiligst aus dem Schlafzimmer der Eltern, setzte mich schnell auf einen Stuhl und begann mich mit meinen Hausaufgaben zu beschäftigen. Das Herz schlug mir bis zum Hals. Hoffentlich hatte meine Mutter nichts bemerkt! Sie schaute mir in die Augen und ich begann interessenlos ein Liedchen zu pfeifen, so, als ob nichts gewesen wäre. Ich spürte die Röte in meinem Gesicht. Irgendwie fühlte ich mich mies. Ich hatte etwas getan, was sich einfach nicht gehörte.

Heiligabend rückte immer näher. Nun wurden häufiger die Türen abgeschlossen, damit nicht unverhofft jemand eintreten und eventuell die Überraschungsschätze entdecken konnte. Vati begann, den Tannenbaum, den er aus dem Wald geholt hatte, unten zuzuspitzen, damit er in den Christbaumständer passte. Der Baum bekam einen ganz bestimmten Platz in unserem Wohnzimmer. Als mein Vater ihn dort platziert hatte, meinte er: „Jetzt müssen wir nur noch abwarten, dass die Engelchen kommen, um ihn zu schmücken“.
Puuhh, es wurde immer spannender. Nur noch einmal schlafen, dann war es soweit. Mutti war den gesamten Heiligabendtag damit beschäftigt, Essen vorzubereiten und Vati hielt peinlich akribisch die Schiebetür vom Wohnzimmer im Auge, damit auch niemand von uns „aus Versehen“ natürlich, dort hineingehen konnte. Am Nachmittag wurden wir Kinder alle auf unsere Zimmer geschickt, um sie erst verlassen zu dürfen, wenn das Glöckchen geläutet wurde. Mann, das zog sich aber auch wieder hin!
Endlich war es soweit. Bimmel, bimmel , bimmel. Wir stürmten ins Esszimmer. Mein Vater öffnete dann ganz langsam die Schiebetür und vor uns stand in vollem Glanz und mit den weißesten Wachskerzen, den buntesten Kugeln und dem silbernsten Lametta geschmückt, unser Weihnachtsbaum. Mann, war der schön! Unter ihm gab es viele Teller, auf denen sich alles gleich befand: Jeweils ein Apfel, eine Orange, Nüsse, Gebäck und eine Tafel Schokolade. Sah das schön aus. Aber es lagen da auch noch eine Menge kleinerer und größerer Geschenke in buntem Papier . Bin ja mal gespannt, für wen welches war.
Zunächst kam aber erst der rituelle Ablauf. Die Jungens trugen auf ihren Instrumenten ein Weihnachtslied vor und ich musste ein Gedicht aufsagen. Danach wurden noch etwa drei Lieder gemeinsam gesungen und dann ging es erst an die Bescherung.
Mit glänzenden Augen öffneten wir unsere Pakete. Hurraaa, ein Skipullover für mich und Skisocken. Die hatte ich mir immer schon gewünscht. Die Jungs hatten das schon alles, nur ich nicht. Oh, das Päckchen auch noch für mich? Ich öffnete es und sah lauter kleine Püppchen. Was sollte ich denn damit? „Dann schau mal unter dieses Tuch da“, meinten meine Eltern. Ach, das sah doch so aus, wie das Tuch, was ich im Keller gesehen hatte. Ich ging hin und entdeckte ein niegel –nagel-neues Puppenhaus mit vier Zimmern, ausgestattet mit kleinen Möbeln und sogar Licht, das über eine Batterie erzeugt wurde. „Danke“, schrie ich, „ist das toll“. Ich drückte meine Eltern und meinte: „Ihr habt geflunkert. Das hat Vati gar nicht für Claudia gemacht, sondern für mich!“ Die Eltern schmunzelten. Auch meine Brüder waren zufrieden mit ihren Präsenten. Sie hatten wissenschaftliche Bücher, einen Stabil-Baukasten, Schuhe, Pullover und Socken bekommen und noch das eine oder andere, was sie sich gewünscht hatten. Nun überreichte ich stolz auch meine Weihnachtssterne für jeden einzelnen von ihnen. Die für meine Eltern waren besonders schön und groß. Ich hatte mir sehr Mühe gegeben. Wir waren alle sehr zufrieden.
Nun war es Zeit zum Essen. Meine Mutter hatte den Tisch bereits liebevoll gedeckt und wir nahmen alle Platz, als mir einfiel, dass ich doch da im Kleiderschrank noch etwas entdeckt hatte, was nicht unter dem Weihnachtsbaum gelegen hatte. Ich überlegte, ob ich das sagen sollte, um mich nicht selbst zu verraten. Während des Essens konnte ich mich allerdings dann doch nicht mehr bremsen und fragte: „Und wo ist das Buch, das oben im Kleiderschrank gelegen hat?“
Uuuups! Alle schauten sich an und meinten nur: „Christiane, hast Du etwa rumgeschnüffelt…..?“
Meine Mutter stand auf ging ins Schlafzimmer und kam mit einem weiteren Geschenk in der Hand zurück. „Du hast recht“, meinte sie, „das hat das Christkind vergessen, unter den Baum zu legen.“
Ich nahm es mit hochrotem Kopf entgegen, entfernte das Papier und freute mich über das Buch, das ich mir immer schon gewünscht hatte: Die Kinder von Bullerbü……
Alle lachten und ich nahm mir vor, nie wieder rumzuschnüffeln. Ob ich mich daran gehalten habe, werdet Ihr in meiner Weihnachtsgeschichte im nächsten Jahr erfahren.
Christiane Rühmann

Tannengrün.......

Geschätzt bist Du zu jeder Zeit,
geliebt wirst Du, wenns draussen schneit,
wenn sich Deine Zweige neigen
und von der schönsten Seite zeigen.

Niemals färbst Du Dir Dein Haar,
bleibst immer grün - von Jahr zu Jahr.
Im Sommer schmückst Du Dich mit Zapfen, den braunen,
lässt Dich von manchem Betrachter bestaunen.

Wirfst sie nieder auf die Erd,
damit sich ein Prachtstück wie Du bald vermehrt.
An Weihnachten verschönst Du unsere Stuben,
lässt leuchten die Augen der Mädchen und Buben.

Geschmückt mit Kugeln und mit Kerzen
Eroberst Du jährlich unsere Herzen.
Hab Dank für Dein ewiges Bemüh´n,
Du allseits beliebtes Tannengrün…..

(c) Christiane Rühmann

Nickis Weihnachtswunsch...

Es war einmal ein kleiner Weihnachtswichtel namens Nicki. Nicki war sehr stolz darauf, zu den weihnachtlichen Wichteln gehören zu dürfen. Er war noch ein Winzling und konnte noch nicht bei allen Aufgaben helfen, die im Weihnachtshimmel zu erledigen waren, aber dafür durfte er dem Weihnachtsmann persönlich helfen, sich um die Rentiere zu kümmern, den Schlitten in Ordnung zu halten und den grossen roten Weihnachtsmantel stets abzubürsten, damit der bis zum nächsten Jahr keinen Staub ansetzen konnte. Er wich der wichtigsten Person im Weihnachtshimmel, also dem Weihnachtsmann, kaum von der Seite und dieser kümmerte sich rührend um den kleinen Wichtel. Nicki war nämlich ein Waisenwichtel und war ohne seine Eltern aufgewachsen. Seine Grosseltern waren schon sehr alt gewesen und wurden bereits vor einigen Jahren auf dem riesigen Wichtelfriedhof im Himmel beerdigt, als Nicki gerade mal zwei Jahre alt war. Seitdem hatte sich der grosse Weihnachtsmann dem kleinen Knirps höchstpersönlich angenommen und ihm alles beigebracht, was er bisher konnte.
Nicki nahm seine Aufgaben sehr Ernst. Er holte die grosse Putzkiste aus dem Stall, die fast grösser war, als er selbst, stellte die Trittleiter auf den Hof und holte dann ein Rentier nach dem anderen aus seiner Box, um es so lange zu striegeln und zu putzen, bis deren Fell glänzte. Danach füllte er frisches Heu, Möhren und Rübenschnitzel in die Tröge und freute sich, dass es den Tieren schmeckte. Sie freuten sich auch, wenn der kleine Mann in ihren Stall marschiert kam und zwinkerten ihm schmunzelnd entgegen, wenn sie sahen, wie viel Mühe er sich mit ihnen gab. Dankbar stubsten sie ihn am Ende seiner Arbeit mit ihren weichen Fellnasen an, um ihm damit zu sagen: „Das hast Du wieder toll gemacht, danke kleiner Mann“.
Wenn Nicki dann zum Rentierschlitten ging, um die Kufen zu schleifen und einzuwachsen, bekam er jedesmal Sehnsucht. Er träumte davon, einmal mit dem Weihnachtsmann auf die Erde zu fliegen und die Geschenke an die Kinder auf der ganzen Welt zu verteilen. Nicki seufzte laut. Das hatte der Weihnachtsmann gehört, der gerade in die Scheune eintrat um nach dem Rechten zu sehen und fragte mit tiefer warmer Stimme: „Was hast Du, kleiner Nicki? Bist Du müde oder ist Dir die Arbeit zu schwer? Möchtest Du Dich ausruhen?“ „Äääh, nein, das ist es nicht“, stammelte der Knirps. „Was ist es dann? Warum seufzt Du so?“
Nicki überlegte, ob er dem Weihnachtsmann von seinem Wunsch erzählen sollte. Doch der drängelte so lange, bis er erfuhr, warum der kleine Wichtel so laut geseufzt hatte. „Weisst Du, Weihnachtsmann, ich möchte so gerne mal mit Dir auf die Erde niederfliegen und auch die Geschenke an all die braven Kinder verteilen. Ich sehe doch immer, was auf den Wunschzetteln steht und möchte Dir nicht nur helfen, sie aus der Weihnachtswerkstatt auf den Schlitten zu packen, sondern ich möchte Dir auch beim verteilen helfen. Ich würde so gerne mal sehen, wie es auf der Erde aussieht. Ich will wissen, wie die Kinder leben, was sie an Weihnachten machen, ob sie auch Lieder singen, wie wir hier oben, und ob jeder Weihnachtsbaum gleich aussieht und ob dort auch Kekse gebacken werden und wie die Bettchen der Kinder aussehen und…….“ „Halt halt halt, kleiner Mann. Sind das nicht ein wenig viele Fragen auf einmal?“ „Bittööööö, nimm mich doch einmal mit.“
Der Weihnachtsmann schmunzelte über den Ehrgeiz des Kleinen und hatte bemerkt, wie seine Wangen vor Eifer glühten. „Weisst Du Nicki, Du bist doch noch recht klein. Warte noch zwei, drei Jahre, dann will ich es mir nochmal überlegen .“
Nicki senkte enttäuscht den Kopf und eine kleine Träne rann ihm über sein erhitztes Gesicht. „Immer bin ich für alles zu klein. Zugegeben, ich bin noch nicht sehr gross, aber ich bin doch kräftig und ausserdem wird Dein Bauch immer dicker und irgendwann wirst Du sicher im Schornstein stecken bleiben und niemand kann Dir dann helfen, und dann würden die Kinder Dich sicher am anderen Morgen mit den Beinen strampelnd auf dem Dach ihrer Häuser sehen und Du wärest entlarvt. Ich passe in jeden Kamin. Und dann werden es ja auch immer mehr Kinder und die Arbeit könnte Dir zu viel werden. Was, wenn der Schlitten eine Panne hat? Ich kenne mich bestens mit ihm aus und kann auch unterwegs für die Rentiere sorgen. Bitte, bitte überlege es Dir doch nochmal.“
Der Weihnachtsmann war entzückt über die Vielfalt der Einfälle, die Nicki hatte, damit er ihn am Weihnachtsabend auf seine Reise zur Erde mitnehmen sollte. Er begann, ernsthaft darüber nachzudenken, ob der Kleine ihm nicht wirklich behilflich sein konnte.
„Komm Nicki, Zeit, ins Bett zu gehen. Morgen hast Du noch eine Menge Dinge zu erledigen.“ Der kleine Wichtel folgte brav und begab sich zu seinem Wichtelbettchen, dass gleich neben dem grossen Bett des Weihnachtsmannes stand. Erst nachdem er sich die Zähne geputzt und seine schmutzigen Händchen und sein Gesicht gewaschen hatte, begab er sich unter seine mollige Decke. Er hatte tatsächlich noch eine Menge Dinge zu erledigen, bevor in zwei Tagen der Weihnachtsmann auf seine alljährliche Reise zur Erde ging. Er schlief über seinen Gedanken ein……
Am anderen Morgen, gleich nach dem Frühstück, begab er sich wieder eifrig an seine Aufgaben, die er erneut ohne wenn und aber erledigte.
Endlich war es Weihnachtsabend und er hatte den Rentierschlitten mit all den Geschenken für die irdischen Kinder beladen, Die Rentiere gefüttert und getränkt, die Kufen überprüft und das Geschirr nachgezurrt, als der Weihnachtsmann aus dem Weihnachtshaus trat.
Gleich sollte es los gehen. Aber was hatte er da in der Hand? „Komm her Nicki, ich habe hier etwas für Dich.“ Nicki ging auf ihn zu und nahm das Päckchen entgegen, öffnete es und stiess einen riesigen Jubelschrei aus. Was er da gereicht bekam, war ein kleiner Weihnachtsmann-Mantel, mit einer passenden Mütze und weissen Handschuhen. „Nun, worauf wartest Du noch, grosser Nick. Wir wollen gleich los. Zieh Dich schnell an und dann nimm Platz, gleich vorne neben mir im Schlitten.“
Der kleine, grosse Nick konnte es kaum fassen, zog sich flink an und sprang frohen Mutes auf das Gespann. Er durfte sogar die Zügel halten und los ging die Reise. Die Helfer des Weihnachtshimmels winkten ihnen lachend nach und schickten ihnen noch Segensgrüsse mit.
Ho ho ho….. Endlich ging sein grösster Weihnachtswunsch in Erfüllung. Nun war er „Nick“ und der persönliche Gehilfe des von den Kindern bereits lang erwarteten Weihnachtsmannes. Sie flogen durch den kalten Winterhimmel hinunter zur Erde und verteilten die Geschenke an die braven Menschenkinder. Ab sofort durfte er Jahr für Jahr mitreisen und bekam somit Jahr für Jahr seinen grössten Weihnachtswunsch erfüllt……
(c)Christiane Rühmann

Die Weihnachtswichtel.......

Joshua war sieben Jahre alt. Er fühlte sich bereits zu alt, um mit seiner Oma oder seiner Mama zu Weihnachten Kekse zu backen. Normalerweise machen das alle Kinder in seinem Alter noch, doch Josh war das peinlich. Ausserdem hatte man ihm in der Schule erzählt, dass es ja überhaupt keinen Weihnachtsmann und kein Christkind gibt. Warum sollte er sich also anstrengen und in irgendwelchen mit Eiern, Backpulver und Mehl zubereiteten Teigen rummatschen. Ausserdem fand er das ekelig, weil ewig alles an den Händen kleben blieb und man sich diese ständig waschen musste.

Wenn es aber kein Christkind und keinen Weihnachtsmann gibt, wie funktioniert das dann mit den Geschenken? Er hatte doch in den Jahren zuvor, als er noch nicht so gut schreiben konnte, mit Mamas und Papas Hilfe einen Wunschzettel verfasst, den er höchstpersönlich auf die Fensterbank gelegt hatte. Danach sind alle schlafen gegangen und am anderen Morgen war der Zettel weg! Irgendwer musste ihn doch abgeholt haben – wenn nicht das Christkind, wer denn dann?

Es war Ende November und Weihnachten rückte immer näher. Zeit also, für den Wunschzettel. Er hatte sich schon ein paar Notizen gemacht!: Nintendo, Handy, Base-Cap, den neuen Baukasten, mit dem man mit eigenem Werkzeug Dinge zusammen zimmern kann, eine DVD von Superman und dann noch eine von Sponchbob-Schwammkopf, die coolen Sportschuhe, dazu den passenden Schulranzen und natürlich die ergänzende Federmappe – logischerweise mit Inhalt, denn die Stifte aus der alten Federmappe waren ja bereits „angefangen“. Dann fiel ihm noch eine Digitalkamera ein, um seine gezimmerten Werke zu fotografieren. Ach ja, und ein kleiner Computer – nur für ihn – wäre auch nicht schlecht.

Joshua nahm sich einen großen weißen Zettel aus dem Drucker seines Papas und zog mit einem Lineal Linien darauf. Zwar ein wenig schief, aber das machte ja wohl hoffentlich nichts. Weil er der Meinung war, dass die Linien für seine Wünsche nicht ausreichen würden, nahm er sich gleich ein zweites Blatt Papier – vorsichtshalber natürlich !

Er begann zu schreiben, mit Großbuchstaben: N I N T E N D O, D V D, D I G I C A M, COMPUTER…..
Das waren allesBegriffe, die er bereits schreiben konnte, weil er sie aus der Werbung kannte. Er wollte allerdings sicher gehen, dass seine Wünsche auch genau verstanden wurden, also holte er sich Mamas Versandhaus-Katalog, in dem er bereits oft mit ihr nachgeschlagen hatte. Er wusste genau, hier fand er alles…

Nachdem er alles aufgeschrieben hatte, ging er damit zu seiner Mum. „Schau mal, ich habe alles gaaanz fleißig aufgeschrieben, was ich mir zu Weihnachten wünsche. Soll ich den Zettel wieder auf die Fensterbank legen? Das mache ich doch immer so.“ Mama stimmte ihm zu und beobachtete ihren Filius, wie er mit hochroten Wangen den richtigen Platz auf der Fensterbank suchte, damit ihn auch ja das Christkind zwischen den Blumen fand. Doch dann fiel ihm ein: ES GIBT DOCH GAR KEIN CHRISTKIND UND KEINEN WEIHNACHTSMANN!! Hatten die großen Kinder doch gesagt…..

Aufgeregt lief er zu Mum zurück und berichtete ihr davon, dass man ihm erzählt habe, dass es weder das Christkind noch den Weihnachtsmann gäbe. Wie könnten denn nun seine Wünsche in den Himmel gelangen?

Seine Mama nahm sich –trotz Küchenarbeit- die Zeit, setzte sich auf einen Stuhl und zog den kleinen Burschen auf ihren Schoß. „Weisst Du,“ sagte sie, „es stimmt schon, dass die größeren Kinder erzählen, dass es Christkind und Weihnachtsmann nicht gibt. Dafür gibt es aber Weihnachtswichtel, die behilflich sind, den Kindern ihre Wünsche zu erfüllen. Mann muss nur fest an sie glauben. Oder, was denkst Du, wer die Wunschzettel immer abholt? Und jetzt ist es Zeit ins Bett zu gehen. Geh schon mal rauf, ich komme gleich und sage Dir Gute Nacht.“

Josh zwischte ab, begab sich auf sein Zimmer und zog sich aus. Brav ging er ins Bad, um seine Zähne zu putzen. Als er dann endlich unter seine mollige Bettdecke geschlüpft war, betrat auch schon seine Mama das Zimmer.
„Zähne geputzt?“

„Ja, habe ich. Mama, erzähle mir mehr über die Weihnachtswichtel, bitte!“

Mum setzte sich auf Josh´s Bettkante, strich dem Jungen zärtlich durchs Haar und begann zu erzählen:
„Nun, das sind die Gehilfen des kindlichen Himmels, und sie sind immer zur Stelle, wann immer ein Kind ihre Hilfe anfordert. Man kann sie immer kontaktieren, wenn einen was bedrückt, oder wenn man sich etwas ganz fest wünscht. Sie holen sich dann die Wunsch- oder Beschwerdezettel ab und versuchen, alles wieder in Ordnung zu bringen, wenn mal was schief gelaufen ist. Darüber hinaus können sie trösten und sind unglaublich lieb. Nun schließ aber Deine Augen und schlafe gut. Du wirst schon sehen, was passiert. Gute Nacht, mein Großer, ich habe Dich sehr lieb.“

Als Mama gegangen war, dachte Josh noch eine Weile nach und er kam zu der Erkenntnis, dass die Kinder in der Schule wohl doch Unrecht hatten. Mama würde ihn niemals anlügen – und wenn sie sagt, dass es Weihnachtswichtel gibt, die schriftliche Botschaften der Kinder entgegen nehmen, dann ist das so. Dann ist es im Grunde genommen auch egal, ob es kein Christkind oder keinen Weihnachtsmann gibt. Hauptsache ist doch nur, dass es die Wichtel überhaupt gibt……

Er schlief über seine Gedanken ein. ….

Am anderen Morgen war seine Wunschliste von der Fensterbank verschwunden! Er hatte gleich nachgeschaut. Wow,es gibt sie also, die Weihnachtswichtel……., aber das wollte er coolerweise seinen älteren Schulkameraden nicht erzählen.

(c) Christiane Rühmann

Der Weihnachtsengel......

Der Weihnachtsengel…….

Lexi, wie sie liebevoll von ihrer Mama genannt wurde, ist ein aufgeschlossenes zwölfjähriges Mädchen. Eigentlich heisst sie Alexandra, aber bereits von klein auf an hatte sie diesen Spitznamen. Sie wuchs ohne ihren Vater auf, der tötlich verunglückte, als Lexi ein Jahr alt war. Ihre Mutter hatte es nicht leicht gehabt in all den Jahren. Sie war oft überfordert mit der Arbeit und dem Kind. Es gab da leider auch keine Grosseltern, die beide hätten unterstützen konnten. Ihr Papa war ein Waisenkind gewesen und die Eltern ihrer Mama wohnten in Amerika. Einmal war sie mit ihrer Mama dort gewesen, um ihre Oma und Opa zu besuchen. Das war ein schöner Urlaub. Leider nur sehr kurz, weil Mama nicht länger frei bekommen hatte. Lexis Mama war sehr fleissig und sparte jeden Cent, um ihrer Tochter von Zeit zu Zeit etwas bieten zu können. Tag für Tag arbeitete sie in der Bäckerei mitten in der Stadt in der Fussgängerzone. Den ganzen langen Tag war sie auf den Beinen und oftmals abends so geschafft, dass sie oft nach dem Abendbrot auf der Couch einschlief. Alexandra war dann häufig sehr traurig, konnte allerdings ihre Mama verstehen. Dann ging sie ganz alleine zu Bett und stellte sich ihren Wecker so, dass ihre Mama nicht zu spät zur Arbeit kam. Ihr Schulbrot machte sie sich alleine. Deshalb war ihre Mama des öfteren sehr traurig, weil sie ein solches Leben führen mussten. Aber sie war sehr stolz auf ihre Tochter und liebte sie über alles in der Welt.
Alle Nachbarn schätzten die nette kleine Familie. Sie hatten auch Mitleid mit ihr. Daher wurde Alexandra häufiger von ihrer Klassenkameradin Lena und ihren Eltern eingeladen, Freizeit mit ihnen zu verbringen und an Aktivitäten teilzunehmen. Lexis Mama war darüber dann sehr erleichtert, aber auch ein wenig deprimiert. Warum musste das Leben nur so schwer sein?
An einem Donnerstag im März wurde Alexandras Mutter in der Bäckerei von dem Rektor der Schule angerufen. Es ginge ihrer Tochter nicht so gut, hatte er gesagt. Ihr sei übel, und sie sei fast in Ohnmacht gefallen, daher habe man den Rettungsdienst angerufen, der Alexandra in die Klinik gebracht habe. Fast reglos hatte sie das Decthandy in die Ladeschale zurückgestellt. Der Schock stand ihr im Gesicht geschrieben. „Was ist denn los?“ wollte die Chefin wissen. „Ich muss schnell ins Krankenhaus…..Lexi…..“, sprach es, zog dabei ihre Schürze aus, verliess verstört die Bäckerei und begab sich sofort ins Klinikum. Nachdem sie sich durchgefragt hatte, wo sie ihre Tochter finden könnte, traf sie endlich auf dem Jugendzimmer ein. Sie erschrak erneut, als sie ihre Tochter in dem Bett liegen sah, an Infusionsgeräten angeschlossen und so blass, wie sie sie kaum zuvor jemals gesehen hatte. Eiligen Schrittes lief sie zu ihrer Tochter, die sich offensichtlich sehr schwer tat, ein kleines Lächeln abzugeben. Der Mutter rannen einige Tränen über das Gesicht, als sich die Türe öffnete und der Oberarzt das Zimmer betrat. Er prüfte Alexandras Puls, fühlte ihre Stirn und nickte leicht mit dem Kopf. Er bat die Mutter in sein Sprechstundenzimmer.
Frau Steinmeier folgte ihm unruhig. Als sie Platz genommen hatte, sah sie den Arzt mit bangen und fragenden Augen an. „Tja, Alexandra hat eine sehr seltene Stoffwechselerkrankung, wie es aussieht. Wenn die Laborberichte da sind, werden wir Näheres wissen. Bis dahin braucht sie unbedingte Ruhe. Wir haben ihr ein leichtes Beruhigungsmittel gegeben, sie wird gleich schlafen. Ich rate ihnen, nach Hause zu gehen und zu warten, bis wir Sie anrufen.“ „Das können Sie nicht im Ernst von mir erwarten und was überhaupt für eine Stoffwechselerkrankung? Bislang hat ihr doch nichts gefehlt.“ „Bitte, Frau Steinmeier, lassen Sie uns das besprechen, wenn das Ergebnis da ist. Meinetwegen können Sie natürlich auch bei Ihrer Tochter bleiben.“
Nachdem sie in der Bäckerei angerufen und erklärt hatte, was passiert war, wurde ihr gesagt, dass sie sich alle Zeit der Welt nehmen solle, um bei ihrer Kleinen zu sein. Sie solle sich keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. Man würde so lange wohl ohne sie auskommen.
Ein wenig erleichtert begab sie sich zurück ins Krankenzimmer, um sich auf einem Stuhl neben Lexis Bett niederzulassen. Sie streichelte ihrem einzigen Sonnenschein liebevoll mit dem Rücken ihres Zeige- und Mittelfingers über die blassen Wangen. Alexandra schlief. Nach einer Weile fielen auch ihr die Augen zu und ihr Kopf sank auf das Kopfkissen ihrer Tochter. Bis zum Abendbrot hatten die Krankenschwestern diesen Zustand geduldet, dann aber weckten sie Frau Steinmeier auf und baten sie, nach Hause zu gehen. Sie überreichten ihr eine heisse Tasse Tee und meinten, dass sie ja gleich morgen früh wiederkommen könne.
Also begab sie sich beunruhigt und traurig nach Hause. Hier wurde sie gleich von den Nachbarn angesprochen: „Lexi ist heute nicht von der Schule nach Hause gekommen. Ist alles in Ordnung?“ „Nein, sie liegt im Krankenhaus, wurde von der Schule mit dem Rettungswagen abgeholt. Sie wissen noch nichts genaues. Irgendeine Stoffwechselerkrankung oder so. Genaueres werden wir erst wissen, wenn die Laborwerte da sind.“ „Oh , das tut uns leid . Können wir etwas für Sie tun? Bitte sagen Sie uns nur Bescheid. Und grüssen Sie Lexi schön, wenn Sie morgen früh zu ihr fahren, ja?!“ „Ja, das werde ich machen. Danke“ . Dagmar Steinmeier schloss die Tür zu ihrer Wohnung auf, zog den Mantel aus, begab sich in ihr Schlafzimmer, warf sich aufs Bett und begann, bitterlich zu weinen. Sie fragte sich, warum es ausgerechnet ihre kleine Familie so schwer treffen müsse. Darüber schlief sie ein.
Am anderen Morgen wachte sie verstört auf und glaubte, es sei alles nur ein Traum gewesen, bis sie begriff, dass die Realität sie wieder eingeholt hatte. Sie beschloss, erst ein heisses Bad zu nehmen und anschliessend sofort ins Klinikum zu fahren.
Frisch und gedanklich ein wenig sortierter fuhr sie gegen 8.00 Uhr los. Als sie das Krankenzimmer betrat, hatte Alexandra bereits auf sie gewartet. „Mama“, hauchte sie. „Schön, dass Du da bist“. „Mein Engel, wie fühlst Du Dich? Ich bin ja jetzt da.“
Nach der Frühvisite hatte sie Gelegenheit, mit dem Arzt zu sprechen. Inzwischen waren die Untersuchungsergebnisse vorhanden, die er nun mit Dagmar besprechen wollte. „ Frau Steinmeier, ich muss ihnen leider mitteilen, dass Alexandra tatsächlich an einer Stoffwechselerkrankung leidet. Leider ist es hier in Deutschland nicht möglich, diese exakt und entsprechend zu behandeln. Es gibt Untersuchungsergebnisse aus den USA, wo man diese Krankheit bereits erfolgreich behandelt hat. Dort könnte auch Ihrer Tochter geholfen werden. Leider übernehmen diese Behandlung unsere deutschen Krankenkassen nicht und die Behandlung ist recht aufwendig und dementsprechend teuer. Ohne eine Behandlung hat Alexandra höchstens noch zwei Jahre zu leben. Es tut mir leid, dass ich Ihnen keine positivere Mitteilung machen kann. Wenn Sie es wünschen, kann ich Ihnen einen entsprechenden Kontakt verschaffen. Sie müssen sich allerdings nicht heute entscheiden. Lassen Sie sich nur alles ruhig durch den Kopf gehen und wenn Sie Fragen haben, können Sie mich jederzeit ansprechen.“
Nein, nicht auch noch Alexandra! Auf keinen Fall wollte sie ihre Tochter auch noch verlieren. Was sollte sie nur tun. Etwa 50.000 € sollte die Behandlung kosten, hatte der Arzt gesagt. Dabei hatten sie doch kaum Geld, um den Monat zu überstehen. Dagmar war verzweifelt. Ihr gingen so viele Dinge durch den Kopf.
Am Nachmittag begab sie sich kopflos nach Hause, wo sie erneut von einigen Nachbarn angesprochen wurde, die wissen wollten, wie es Lexi heute ging. Dagmar begann erst zu schlucken und schluchzte dann laut los. Entsetzen machte sich unter den Nachbarn breit. Dagmar eilte zu ihrer Wohnungstür und verschwand eiligst dahinter.
Frau Becher ergriff als erste die Initiative und sprach alle Nachbarn an, ob sie nicht mit einer Spende dazu beitragen wollten, der liebenswerten Alexandra zu helfen. Sofort und spontan entschlossen sich ausnahmslos alle von ihnen, mit einer bestimmten Geldsumme die kleine Familie zu unterstützen. Es tat ihnen allen so leid, dass dies auch noch ausgerechnet vor Weihnachten stattfand.
Familie Kellers Sohn arbeitete beim Regional-Radiosender und auch er wollte helfen, als er die tragische Geschichte erfuhr. An seinem Arbeitsplatz erzählte er von der Not der Steinmeiers. Spontan gab er die Geschichte im Rundfunk bekannt, und erhielt diesbezüglich eine Menge Telefonanrufe. Massenhaft Zuhörer wollten helfen. Es wurde ein Konto eingerichtet, auf das die Spenden unter dem Kennwort „Lexi“ überwiesen werden konnten. Es war unglaublich, aber innerhalb einer Woche war die Spendensumme auf 46.845,00 € angestiegen.
Dagmar hatte inzwischen mit ihren Eltern in den USA telefoniert und ihnen ihre Situation geschildert. „Wir können Dir leider keine 50.000,00 € geben, aber mit 10.000,00 könnten wir Euch aushelfen. Natürlich wollen wir sie nicht zurück haben, sie sollen helfen, Alexandra wieder gesund zu machen. Halte uns bitte auf dem Laufenden. Sprich doch mal mit Deiner Bank, vielleicht geben Sie Dir einen Kredit.“
Toll, Dagmar war schon sehr dankbar über das Angebot ihrer Eltern und erzählte dem Arzt von ihren bisherigen Unternehmungen, Erfolgen und Misserfolgen. Die Bank wollte ihr nichts geben, da sie keine Sicherheiten aufzuweisen hatte. Aber 10.000,00 € waren doch eine Hausnummer! „Na, das ist doch ein Anfang, Frau Steinmeier. Ich kann versuchen abzuklären, ob Sie die Summe in Amerika monatlich abstottern können, wenn Sie es möchten.“ „Ja denken Sie denn, dass das möglich ist?“ Dagmars Gesicht begann sich ein wenig zu entspannen und sie schöpfte neue Hoffnung. „Ich will es versuchen.“
Am anderen Tag war Nikolaustag. Dagmar hatte eine kleine Überraschungstüte für Lexi zurechtgemacht. Auch einige der Nachbarn hatten kleine Geschenke abgegeben, die sie mit ins Krankenhaus nehmen sollte. Alexandra hatte bereits voller Sehnsucht auf ihre Mama gewartet. Ihre Augen leuchteten sogar wieder ein wenig, als sie alles auspacken durfte.
Plötzlich klopfte es an der Türe und ein Engel betrat den Raum. Er sah wunderschön aus, trug ein bodenlanges weisses Gewand und auf dem Rücken hatte er weisse Flügel. Sein silbernes Haar reichte bis fast auf die Hüften. Ihm folgte der Oberarzt, eine Krankenschwester und jemand mit einer Kamera. Lex und ihre Mum staunten und hielten dies für eine Unternehmung der Klinik, um den Kindern eine Freude zu machen. Aber es war anders.
Der Engel begab sich direkt zu Alexandra, reichte ihr die Hand und meinte mit kristallklarer Stimme: „Liebe Alexandra, ich bin der Weihnachtsengel und wurde von Deinen Freunden, Bekannten und vielen Spendern beauftragt, Dir diesen Brief zu überreichen. Du wirst darin etwas finden, was Dir helfen soll, Deine Krankheit zu überstehen und wieder total zu gesunden.“ Er überreichte ihr einen Umschlag, den Lex sofort öffnete. Sie holte einen Scheck hervor, auf dem die Summe 46.845,00 € ausgewiesen war. Dagmar konnte es kaum fassen. „Ist das wirklich wahr, man hat gesammelt für Lexi?? Danke, danke, danke…… !!!! Ich kann es immer noch nicht fassen!“ Lex und ihre Mama umarmten sich als erste und danach fielen sie dem Engel um den Hals. Der Mann mit der Kamera war die ganze Zeit damit beschäftigt, die Geschehnisse im Bild festzuhalten. Allen, sich im Raum Befindlichen, standen Tränen in den Augen und man freute sich mit der kleinen Familie Steinmeier.
Der Tag endete aufregend. Sofort hatte der Oberarzt mit seinen Kollegen in Amerika telefoniert und einen Termin für das Mädchen festgemacht. Gleich im neuen Jahr sollte die Reise losgehen, genau genommen schon am 01. Januar. Dagmars Chef hatte seine beste Mitarbeiterin hierfür selbstverständlich freigestellt und auf die gefragte Summe von 50.000,00 € die fehlenden 3.155,00 € noch draufgelegt. Es war unfassbar, aber nun würden Dagmar und Lexi mit dem zusätzlichen Geld von den Grosseltern den Aufenthalt in den Staaten spielend überstehen.
Sie haben überstanden! Lexi wurde nach einer entsprechenden Therapie wieder völlig gesund. Nach ihrer Rückkehr aus den Staaten haben sich Lex und ihre Mutter im Radio bei allen Spendern bedankt. Es war sehr rührend. Für die Nachbarn gaben sie ein kleines Fest und für die Bäckereibesitzer backten sie ein riesiges Herz aus Hefeteig mit Rosinen und Koriander.
Seitdem glauben sie an Engel – speziell an Weihnachtsengel!

(c)Christiane Rühmann

Weihnachtszeit, der Weihnachtsbaum…..

Oh Weihnachtszeit, wie bist Du schön,
Du zeigst mit Deinem Sein,
man soll mit offenen Augen sehn,
Deinen Glanz und Deinen Schein.

Bei Kerzenlicht und Keksgeruch,
der Vielfalt allen Treibens,
krieg ich von Dir selten nur genug,
kann Alltagsstress vermeiden.

Als Krönung Deiner schönen Zeit,
lässt Du Dich im Glanze blitzen,
es ist wieder mal so weit,
bis in Deine Spitzen.

Auf Märkten und auf allen Strassen,
bemüht man sich um Deinen Glanz.
Und alle, die Dich je besassen,
schätzen Dich wieder, voll und ganz.

Du wirst geschmückt mit vielen Sachen,
mit bunten Kugeln, Schleifen, Kerzen.
Willst allen Menschen Freude machen,
und eroberst unsere Herzen.

Oh, Tannenbaum, bleib uns erhalten,
noch ewig lange Zeit.
erfreu uns wieder in der kalten
und letzten Jahreszeit.

(c) Christiane Rühmann

Weihnachtsmarkt........

Jährlich gibt es in jeder kleineren oder größeren Stadt einen Weihnachtsmarkt. Das Gesichtsbild jedes Ortes wird gewahrt, indem alle teilnehmenden und ausstellenden Weihnachtshütten annähernd gleich aussehen. Die unterschiedlichsten Dinge kann man hier kaufen. Fahrgeschäftsbetreiber stellen ihre klitzekleinen Riesenräder oder Karussells auf, um mit den glänzenden Augen ihrer kleinen Kunden und deren Verlangen, die Karussels zu benutzen, einen riesigen Reibach zu machen. Überall duftet es nach Popcorn, Zuckeräpfeln, Fischbrötchen oder Bratwurst, sowie nach Glühwein, gebrannten Mandeln , Spießbraten und Champignons. Hmmm, wenn ich nur daran denke, läuft mir unwillkürlich das Wasser im Mund zusammen.
Fahrgeschäfte gibt es ständig, zu jeder Jahreszeit, aber an Weihnachten sind sie etwas Besonderes. Die Kinder bevölkern die Feuerwehrautos, Polizeifahrzeuge oder wippenden Pferdchen, als hätten sie solche niemals in ihrem Leben vorher gesehen. Ich glaube, dass die stimmungsvolle Atmosphäre den gewissen Unterschied macht. An jeder Ecke stehen aufgeblasene Weihnachtsmänner, die Lust auf einen Bummel über den Markt machen. Ständig begegnet man auch einem dieser, in rote Mäntel gehüllten Typen lebendig, der die kleinen Furzies auffordert, ihm ein Gedicht aufzusagen, damit er ihnen etwa eine Orange oder ein paar Nüsse schenkt.
Man schlendert zwischen den Buden, mit ihren Angeboten auf der einen Seite hin und auf der anderen wieder her. Erstaunlicherweise ist man bereit, sich das breite Spektrum Jahr für Jahr aufs Neue anzuschauen, ohne sich zu wundern, dass es immer dasselbe ist oder aber zu bemerken, dass es dieses Jahr einen Stand gibt, der im letzten noch nicht da war – etwa einer, der Ohrstecker anbietet, die nicht nur für das rechte, sondern auch für das linke Ohr geeignet sind, oder dass der Stand mit den Christbaumkugeln diesmal bei seinen Motiven einen schneebedeckten Weihnachtsbaum mehr auf seinem Umfang hat. Im vergangenen Jahr waren die Gürtel eher nur braun oder schwarz, in diesem sind sie lila und pink.
Es ändert sich also nicht ständig etwas an der Kulisse. Aber die Menschen – sie scheinen gleich zu bleiben, stehen an den Glühweinständen, schlürfen sich diesen mit oder auch ohne Amaretto, in roter oder weißer Version und haben oftmals das Verlangen nach einem weiteren….
Eins kommt mir bemerkenswert vor:
Redet man nicht schon seit Jahren von der sogenannten „Wirtschaftskrise“? Hier scheint diese nicht wirklich zu existieren, nicht gegenwärtig zu sein, und das ist gut so. Denn hier wird die Wirtschaft Jahr für Jahr auf´s Neue angekurbelt…..
Christiane Rühmann

Heubodenspringen........

„Hast Du alle Bleche schon fertig gebacken?“, fragte Bauer Erich seine geliebte Bäuerin.
„Na, was denkst Du wohl?“ prustete sie im zurück
.
Er liebte es, wenn seine Berta sich aufregte. Sie war dabei so „sexy“. Seit über vierzig Jahren waren sie bereits verheiratet und keinen einzigen Tag davon hätten sie missen wollen. Er ging auf sie zu, umschlang Berta mit seinen unglaublich kräftigen Armen von vorne, kniff ihr dann hinterrücks mit seinen Pranken ähnlichen Händen in die üppig geformten Pobacken und drückte ihr einen fetten feuchten Schmatz auf ihre Lippen. Sie zierte sich ein wenig und befreite sich mit leicht geröteten Wangen aus seiner aussagenden Umarmung.

„Mach schon, dass Du wegkommst, Du Riesenbaby“, befahl sie.

Er liess sie amüsiert los und begab sich zum Küchenausgang, allerdings nicht, ohne mit einem geschickten Griff ein Stück des noch warmen Apfelkuchens vom Blech zu stibitzen.

„Finger weg!“

Sie klopfte ihm mit einem Küchenhelfer auf seine wulstigen Hände.

„Der ist für die Kinder!"

Heute sollte nämlich Heu eingefahren werden, ein Fest für alle Kinder aus der Umgebung. Bauer Erichs Landwirtschaft wurde nämlich noch traditionell betrieben. Er besass keine Pressmaschine oder so ein Teil, wo das getrocknete Gras gleich zu Rollen verarbeitet wird. Hier wurde noch mit Harken und Heugabeln gearbeitet. Das brachte allen doch viel mehr Freude, und jeder genoss die persönliche und familiäre Atmosphäre. Nicht, dass Erich sich den technischen Kram nicht leisten konnte, nein, das war es nicht. Normalerweise brauchten sie die Landwirtschaft nicht mehr. Sie hatten längst für das Alter ausgesorgt. Es machte ihnen einfach nur Freude, die strahlenden Augen der Kinder zu betrachten, die ihnen bei der Heuernte behilflich sein durften und sich alle freuten, wenn Berta zur Kaffeepause ihren unübertrefflichen Blechkuchen und Kakao oder Limonade kredenzte.

Es war sehr heiss an diesem Tag. Eine Schar von Kindern hatte sich bereits auf der Weide versammelt. Erich kannte jedes einzelne von ihnen mit Namen und berüsste jedes mit Handschlag, um ihnen zu verdeutlichen, dass jedes von ihnen willkommen und unabkömmlich sei. Einige von ihnen kamen bereits seit Jahren und waren mittlerweile zu jungen Erwachsenen geworden. Es war gut, zu sehen, dass es ausser Computern und Nintendos auch noch andere Werte im Leben gab, die von den jungen Leuten geschätzt wurden.

Zur Kaffeepause erschien Berta mit ihrem Motorroller, dem angehängt, ein kleiner Anhänger folgte. Sie sah recht lustig aus, mit ihrem Sturzhelm und in ihrer Kittelschürze, auf dem kleinen Gespann. Auf ihrem Hänger befanden sich, aufeinander gestapelt, vier Bleche mit Kuchen, mehrere Kannen Kakao, kühle Limonade, etliche Becher und eine Thermokanne mit Kaffee, für ihren Erich. Karierte Küchentücher deckten die Bleche ab, um sie vor Staub und Ungeziefer zu schützen.

Berta wurde bereits sehnlichst erwartet und entsprechend begrüsst. Im Nu waren die Ofenbleche geplündert und man konnte ringsum „hhmmmmmhh“ vernehmen.

Die letzten Halme wurden auf den Heuhänger gepackt, dann ging es Richtung Scheune. Oben auf dem mit Heu beladenen Hänger sass die Jugend und flaxte.

„Passt auf, dass Ihr nicht runterfallt“, ermahnte Erich die Bande lachend.

Als sie an der Scheune angekommen waren, hatte Berta bereits die Luken geöffnet und das Transportband eingeschaltet, auf dem nun das getrocknete Gut den Heuboden erreichen sollte. Eigentlich war das der schönste Abschnitt des Tages. Welche warfen das Heu vom Hänger auf das Transportband, und andere nahmen es oben auf dem Schoberboden entgegen, um es zu verteilen. Wenn das alles erledigt war, durften die Kinder nach Herzenslust im Heu herumtollen, von der oberen in die untere Etage springen, in der Gewissheit, dass ihnen nichts geschehen könne. Viel zu weich war das Heu.

Ach ja, jedesmal, wenn es so weit war, erinnerten sich Erich und Berta an die Zeit, als sie selbst jung waren und vom Heuboden gesprungen waren. Hier hatten sie sich kennen gelernt und sich auch zum erstenmal geküsst. Sie zwinkerten sich zu, als sie beobachteten, dass die ältesten unter den Kindern den Heuboden erklammen, sich bei den Händen fassten und in die Augen schauend eine Etage tiefer in das duftende Heu sprangen. Sie beobachteten auch, dass sich hier eine neue Liebe entwickelte.

Schmunzelnd billigten sie das Treiben in ihrer Scheune. Das Quitschen und das vergnügte Lachen, hatte Erich auf eine Idee gebracht.

„Komm mal, ich glaube, wir sollten die erste Diele auf dem Boden mal überprüfen.“

Berta folgte ihm besorgt die Leiter empor. Oben angekommen bückte sich der Schlawiner tatsächlich, um angeblich das lose Brett in Augenschein zu nehmen. Sie befanden sich am Rand des oberen Dachbodens. Plötzlich nahm Erich seine Berta bei der Hand, schaute ihr verschmitzt in die Augen, und…….

Berta konnte nur noch einen Schrei lassen:
„Neiiiiiinnn Eriiiiiich!!!!!“ und schwups war Erich mit ihr in die untere Etage gesprungen.

Kichernd und lachend erhielten sie grossen Beifall aller Anwesenden.

„Boaah, Erich, das war total…., wie sagt man heutzutage....... g e i l, oder wie das heisst!“ rief Berta „NOCHMAL bitte!!!“

Schöner konnte der Tag nicht ausklingen. Bei einem abschliessenden Lagerfeuer sangen dann alle gemeinsam zur Gitarre Lieder, die man nicht mehr in der Schule, sondern nur bei Erich und Berta während der Heuernte lernt……

(c) Christiane Rühmann

Geplänkel........

„Das ist doch nicht normal“!

„Was ist nicht normal?“ fragte ich provokant den Anfang Sechziger.

„Normalerweise kann doch niemand einen solchen Teller schaffen“.

„Warum nicht?“ interessierte ich mich. „Und ausserdem haben Sie meine Frage noch nicht beantwortet“.

„Welche Frage?“ Er blickte mich merkwürdig, um nicht zu sagen unnormal blöd an.

„Was nicht normal ist. Oder, ich frage mal anders: Was ist denn normal?“

„Jedenfalls nicht, was Sie auf dem Teller haben.“

„Nein, Sie haben recht, normalerweise nehme ich immer einen grösseren, da passt mehr drauf.“

„Wie bitte? Das ist ja wirklich unnormal!“, meinte er fast schimpfend. „Sie können doch zweimal gehen.“

„Warum sollte ich das tun?“, fragte ich zurück und merkte, wie es mir mehr und mehr Freude bereitete, diesen Giftzwerg auf die Palme zu bringen.

„Wie sieht das denn aus, so vollgepackt!?“ Er schüttelte seinen Kopf so arg dass seine Baskenmütze sogar verrutschte und drei bis sechs seiner wild darunter hervor schauenden Haare, die vermutlich unter der Kopfbedeckung seinen breiten Scheitel verdecken sollten, wild durch die Gegend schaukelten.

„Also, ich finde, das sieht sehr appetitlich aus, ich weiss überhaupt nicht, was Sie haben“.

„Sie sind auch nicht normal“, brummte er, und schob sein Tablett vor dem Buffet weiter, bis zum nächsten Rechaut.

„Tja, nur gut, dass ich es nicht bin!“

„Dass Sie was nicht sind?“

„Na, normal!“

„Wieso?“

„Dann wären wir beide uns doch viel zu ähnlich, oder? Und bisher war mir nicht bekannt, dass Menschen genormt sind. Uuuhh, das wäre ja echt schlimm!“

Er schaute mich mit gerunzelter Stirn und zusammen gekniffenen Augen an: „Wie meinen Sie das?“, wollte er wissen.

„Weil ich dann normalerweise genau so normal wie Sie wäre, und das wäre mir dann persönlich doch zu unnormal“, sprach es grinsend aus und zog mit meinem Salatteller zur Kasse weiter, während ich beobachtete, dass er sich auf seine fetten Bratkartoffel , x-mal auf die Mayonaisepumpe drückend im Anschluss daran dann auch noch der Sauce Bernaise und des Ketchups bediente. Für die Krakauer mit Senf war kaum noch Platz.

Das war doch nicht normal oder? Normalerweise hätte ich ihn darauf hin ansprechen und ihm erklären müssen, dass das ja wohl nicht normal sei…..

Das hätte ich normalerweise auch gemacht, aber ich war zu hungrig und hatte keine Lust mehr, rumzufrötzeln. Ich wollte nur noch ganz in Ruhe und normal meinen Salat geniessen……..

(c) Christiane Rühmann

Bedienung….

Auf einem wöchentlichen Event warteten wir wie immer darauf, dass der Seminarraum geöffnet wurde. Bis dahin verbrachten wir stets in der Vinothek oder dem Bistro die Zeit auf einen Kaffe, Tee, Wasser o. ä.

So auch an diesem besagten Sonnabend. Gerda, Moni, Susi, Sonny, Ralf, Rainer und ich nahmen an einem urigen Tisch in der Nähe der Theke Platz, während Wolfgang noch schnell vorher zur Toilette eilte.

Wir alberten, scherzten und waren sehr gut gelaunt. Als die Bedienung kam, bestellten wir unsere Getränke. Für Wolfgang bestellten wir mit.

Dieser kam nach einer Weile von der Toilette zurück, setzte sich in unsere Runde und meinte seufzend: ”Ach ja, jetzt müsste es einen Knall geben, und ein NEGER würde uns unsere Getränke servieren.”

Er hatte das letzte Wort kaum ausgesprochen, als der Servicemitarbeiter erschien, um uns unsere Getränke zu kredenzen.

Das geschah fast zeitgleich.

Da wurde Wolfgang purpurrot im Gesicht, er lächelte verlegen, als er erkannte, wer uns da bediente. Der Kellner war ……….ein Farbiger!!

Das war Wolfgang sichtbar peinlich…..
Nie wieder später, haben wir Wolfgang einen solchen oder ähnlichen Ausspruch tätigen hören.

(Sorry an alle andersfarbigen Menschen!)

Christiane Rühmann

Herbstliches...


Guten Morgen…..

Guten Morgen, lieber Morgen.,
hast mich mit hellem Schein geweckt,
und die Sonne, ohne Sorgen
hat mich mit Strahlen eingedeckt.

Die Vögel zwitschern schon sehr lebhaft.
Sie freuen sich auch auf diesen Tag.
Doch nur ein Teil unserer Gesellschaft,
dieses morgens früh schon mag.

Wer nicht dem Tageserwachen lauscht,
sich stattdessen mürrisch wendet,
ist wahrscheinlich noch berauscht,
und im Suff im Bett geendet.

Nimm doch an des Tages Hand,
lass Dich von ihm verwöhnen.
Luft und Sonne, das sei bekannt,
werden ihn Dir verschönen.

(C) Christiane Rühmann

Ich liebe es.....

Ich liebe es, im Gras zu liegen,

wenn über mir die Vögel fliegen.

Ich liebe es, ausgehen und essen,

dabei die Tagessorgen vergessen.

Ich liebe es, mal nichts zu tun,

den ganzen Tag im Bett zu ruh´n.

Ich liebe es, Musik zu hören,

und niemand kann mich dabei stören.

Ich liebe es, ein Bad zu nehmen,

und ein Glas Wein zu mir zu nehmen.

Ich liebe es, mal albern zu sein,

sei der Moment auch noch so klein.

Ich liebe es, wenn er mich küßt

und zu mir richtig zärtlich ist.

Ich liebe es, auf dem Berg zu stehen,

und in das Tal hinab zu sehen.

Ich liebe es, die Menschen zu sehen,

wie alle ihre Wege gehen.

Ich liebe es im Kerzenschein

mit ihm mal ganz alleine sein.

Ich liebe es am Strand zu liegen

und den Alltag zu besiegen.

Ich liebe es, herzhaft zu lachen,

unendlich viele Scherze machen.

Ich liebe es, positiv gestresst zu sein,

und Mutter meiner Töchter zu sein.

So lange ich noch was lieben kann,

und fähig dazu bin,

kommt kein Unheil an mich ran,

und mein Leben hat seinen Sinn.

(c) Christiane Rühmann

DER FREUND

“Deine Stärke ist gewaltig,
so wie auch Deine Zuversicht”,
glaubt ein Jeder, der mich ansieht,
doch meine Seele sieht er nicht!

Es läßt sich nicht in Worte kleiden,
was dort vonstatten geht.
Es läßt sich einfach nur erleiden,
weil jemand mir zur Seite steht.

Beharrlich folg ich meinem Schicksal,
nehm alle Nackenschläge hin,
beachte nicht mal mehr die Vielzahl
an des Lebens reichem Sinn.

`Da gibt es Kinder, Haushalt, Arbeit.
Das alles lässt die Pein vergessen`.
Dies denkt nur, der von alle dem befreit,
und dieses Leid nie hat besessen.

Ich will versuchen das zu schaffen,
was Andere längst schon tun,
und meine Kraft zusammen raffen,
bloß niemals müde tun.

Zeig´ meine ganze Stärke Jenen,
denen es schlechter geht als mir.
Damit kann ich zunächst beleben,
dass Niemand resigniert.

Dem Menschen, der mir zur Seite steht,
geb ich mehrmals täglich Dank.
Egal, woher der Wind auch weht,
ich nehme Platz auf seiner Bank!

Hier kann meinen Kopf anlehnen,
er hat es Dir erlaubt,
und hat - entsprechend meinem Sehnen,
ganz fest an mich geglaubt!

Ich nehme an, des Freundes warme Hand,
und bin nicht zu bescheiden.
Sonst würde ich völlig unerkannt,
alleine weiter leiden!

(c) Christiane Rühmann

Grausam und gemein …..! (Die Herausforderung)

Sag´, wie grausam und gemein
kann das Leben manchmal sein??!!

Weil ständig Unheil DICH befällt,
geprügelt wirst, vom Rest der Welt!

Warum trifft´s nicht mal reiche Leute,
die wären doch ´ne fette Beute!?!

So denkt man leider nur zu oft,
weil man vom Leben “mehr” erhofft.

Doch nimm als positive Seite,
sogar die allerschlimmste Pleite.

Versuch, aus jeder Welle aufzutauchen,
weil andere Menschen Dich noch brauchen!!

Du bist das Werkzeug in Gottes Hand!
Hast Du die Stärke in Dir erkannt??

Dann wirst Du mit viel Elan und Streben,
der Sieger sein in Deinem Leben!!!


Christiane Rühmann

Peinlich - peinlich - peinlich....

Meine Freundin Giesela hatte neuerdings Probleme mit dem Magen. Bereits seit einigen Wochen hatte sie einen Termin zur Darmspiegelung in der Tasche. Ihr graute davor, aber aus Angst, dass etwas Schlimmes sein könnte, nahm sie diesen Termin selbstverständlich wahr.

Herbert, ihr Mann, hatte sie zu dieser Untersuchung gefahren und gewartet, bis sie fertig war und wieder nach Hause entlassen wurde. Auf dem Parkplatz der Klinik stiegen sie in ihren Wagen ein, als Giesela ein Anruf ihrer Töchter erreichte, die ihre Mutter baten, auf dem Heimweg doch noch Grillfleisch aus dem Supermarkt mitzubringen.

Herbert bog auf den Parkplatz des Supermarktes ein und wollte so lange im Auto warten, bis seine Frau eingekauft hatte. Giesela begab sich also auf den Weg zur Fleischtheke, als sich die natürlichen Auswirkungen der vorangegangenen Untersuchung in ihrem Körper bemerkbar machten. Sie verspürte einen starken Drang, fürchtete, unangenehm aufzufallen und flüchtete deshalb unverrichteter Dinge aus dem Discounter riss die Beifahrertür des Wagens auf, sprang hinein….. und ließ der Natur ihren Lauf……..

Sie musste so stark blähen, dass sie sogar Sorge hatte, dass man ihren Notstand außerhalb des Fahrzeugs akustisch wahrnehmen könnte. Erleichtert wendete sich ihrem Fahrer zu, der aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kam.

Ach Du dickes Ei….! Das war ja gar nicht ihr Herbert und es war nicht ihr Fahrzeug!

Fluchtartig verließ sie das fremde Auto und entdeckte schon ihren Herbie, der mit ihrem Gefährt verwundert auf sie zusteuerte. Sie riss die Türe auf, sprang ins Wageninnere und schrie: „Fahr los, fahr bloß los!“ Herbert gab Gas…. und musste an der nächsten roten Ampel anhalten. „Fahr doch drüber, los, los, los, mach schon!“ Giesela wollte nur noch weg. „Nee, also das mache ich nicht! Ich brauche meinen Führerschein noch! Was ist denn überhaupt passiert? Was hast Du in dem anderen Auto gemacht?“, wollte ihr irritierter Göttergatte wissen und dieser blieb letztlich brav an der Ampel stehen, als es auch schon an ihrer Scheibe klopfte und der Mann aus dem fremden Fahrzeug vor ihr stand. Mit hochrotem Kopf ließ Giesela die Scheibe runter und wollte so etwas wie eine Entschuldigung stammeln, als der Fremde meinte: „Unter anderem haben Sie noch Ihre Handtasche in meinem Auto gelassen……“, und lächelte dabei.

Als sich Giesela bei ihm bedankt hatte, die Lichtzeichenanlage grün zeigte und Herbert endlich losgefahren war, wollte er nun aber dringlichst wissen, wie das mit der Tasche passieren konnte. Die Gelackmeierte erzählte ihre Storry und Herbert kam bis zu Hause aus dem Lachen nicht mehr raus. Da die Mädchen wissen wollten, warum es kein Grillfleisch gab, musste Giesela ihre peinliche Geschichte nochmals erzählen. Sie verziehen ihrer Mutter natürlich, dass sie ohne Grillgut nach Hause kam und kriegten sich ebenfalls vor Lachen nicht mehr ein. Natürlich machte diese Geschichte auch in unserem Bekanntenkreis die Runde und sorgte stets für grölendes Gelächter.

Mittlerweile kann meine Freundin selbst darüber lachen, aber peinlich war das doch……

(c)Christiane Rühmann

Lustiger Irrtum.....

Als Weihnachtsgeschenk bekamen die Geschäftsleute von ihren bereits erwachsenen Kindern Karten für ein Musical geschenkt. Das Ehepaar freute sich bereits sehr auf dieses Event.

Dieses Musical wurde seit dem Start als so glorreich durch die Medien angepriesen, das es daher bereits Monate zuvor ausverkauft war, und somit keine Chance mehr bestand, für ebenfalls interessierte Freunde, sich diesem Abend mit dem Ehepaar anzuschliessen.

Als der Konzertabend nahte, richtete sich das Ehepaar auf einen wunderbaren Abend ein. Es plante vorher ein Candlelight-Dinner und hatte hierzu in der Grossstadt in einem Nobelrestaurant bereits einen Tisch reserviert. Es sollte ein alles übertreffender, unvergesslicher Abend werden. Und so kam es auch.......

Die Eheleute warfen sich in Robe und starteten rechtzeitig, um relaxt den Abend geniessen zu können, ohne die aus dem Alltag bekannte zeitweise Hetze. Sie wurden von auffallend elegant gekleidetem Personal empfangen, zu ihrer Niesche begleitet und von vorne bis hinten betüddelt. Dass sie selbst das Essbesteck halten und zum Mund führen mussten, war alles. Der prunkvoll hergerichtete Tisch mit seinen liebevollen Accessoires, hinterliess grossen Eindruck bei der erfahrenen Geschäftsfrau, die selbst auch in ihrem Bekanntenkreis dafür bekannt war, sich als hervorragende Gastgeberin immer etwas Neues einfallen zu lassen und durch ihre gestalterischen Ideen stets den positivsten Eindruck hinterliess.

Auch die Speisen verdienten ausgesprochenes Lob, mehr ging einfach nicht....

Gut gelaunt und frohen Mutes liessen sie sich von einem Taxi zur Musicalhalle fahren. Der Herr beteuerte, dass er ohne Platzanweiser die reservierten Plätze finden würde, schliesslich sei dies ja nicht ihr erster Konzertbesuch. Der Eintrittsabschnitt wurde also von den Platzordnern abgetrennt. Nun dann - auf gings.

Sie verglichen die Zahlen auf den Karten, Block, Sitzreihe und Platz. Als sie ihre Sitzplätze erreichten, waren diese bereits besetzt. Wie konnte das sein...? Sie forderten die Besetzer auf, sich einen anderen Platz zu suchen, dies seien ihre Stühle, die man bereits lange zuvor reserviert habe. Leider wollten diese das nicht einsehen und meinten, ebenfalls reserviert zu haben. Daher verglichen sie mit den fremden Leuten ihre Reservierungsnachweise und stellten fest, dass .... es darf doch nicht wahr sein, .....ihr Termin bereits GESTERN war! Unglaublich, alles stimmte überein - nur das Datum nicht. Mensch, war das peinlich!

Sie fühlten sich von weiterem Publikum, das die kleine Auseinandersetzung mitbekommen hatte, sowie von den Platzhaltern ausgelacht, drehten sich um und verliessen ein wenig verärgert, eiligst den Showroom.

Draussen vor der Halle mussten sie sich erstmal erholen, bis sie dann allerdings über ihr eigenes Missgeschick so fürchterlich lachen mussten, dass sie beschlossen, wo sie doch bereits schon einmal hier waren, noch das Nachtleben in der Stadt zu geniessen.

So wurde es also doch noch ein unvergesslicher Abend......

Es wird heute noch darüber gesprochen - und natürlich gelästert. Es ist eben so: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.....

(c) Christiane Rühmann

Der Pfiffikus.....

Daniel war ein recht aufgewecktes Kerlchen. Stets musste er sich gegen seine zwei älteren Brüder durchsetzen. Das kostete nicht nur ihn viel Kraft, sondern regte auch seine Phantasie an. Nichts war ihm zu lästig, um den „Grossen“ ein Schnippchen zu schlagen. Oft sammelte er tagelang Utensilien, um ihnen etwas anzuhängen und ölte sich dann darin, wenn sie von den Eltern getadelt wurden. Zu seinen Utensilien gehörten Nägel, Knöpfe, Reisszwecken, Klebeband, Kordel, Kaulquappen, Blindschleichen und vieles mehr. Ohh, es war niemals langweilig bei ihnen zu Hause.

Am Freitag, nachdem die älteren Jungen aus der Schule wieder daheim waren, hatte sich der Knirps schon auf sie vorbereitet. Nach dem Mittaggessen wollten natürlich alle nach draussen, um ihre selbst gebaute „Räuberhöhle“ im nahegelegenen Wald aufzusuchen. Daniel konnten sie dabei nicht gebrauchen, er musste zu Hause bleiben und mit dem ätzend langweiligen Konstantin aus der Nachbarschaft auf dem Hof spielen. Mama hatte allen allerdings vorgeschrieben, dass sie sich alte Klamotten anziehen sollten und anderes Schuhwerk natürlich auch. Die Schuhe befanden sich in einer kleinen Abstellkammer und standen dort immer so ordentlich nebeneinander, dass man einfach so reinschlüpfen konnte.

Der Pfiffikus hatte sich zuvor aus Papas Werkstatt einen Hammer und einige Nägel geholt und damit versucht, als Mama in der Waschküche war, die Schuhe seiner Brüder am Boden festzunageln. Hierfür besass er dann allerdings doch noch nicht die nötige Kraft und sah sein Vorhaben als gescheitert an. Dann fiel ihm ein, dass Papa bei Oma und Opa letztens einen Teppichboden verlegt hatte und er hatte dabei zugeschaut. Also nochmal in Papas Werkstatt, die Nägel und den Hammer wieder zurück an ihren Platz, damit niemand etwas merkt. Er schaute sich um und öffnete jede Schublade. Wo war es denn gleich noch? Aah, genau das hatte er gesucht. Leise schlich er wieder in die Abstellkammer und riss von der doppelseitigen Klebebandrolle einige Streifen ab, die ebenso lang waren, wie die Schuhsohlen seiner Brüder. So, geschafft. Na, die werden fluchen und hoffentlich purzeln!

Er versteckte sich auf der Treppe, die nach oben führte um jederzeit schnell flüchten zu können, wenn es denn nötig war. Gespannt wartete er, dass die Jungen ihre Schuhe anzogen, und tatsächlich: Jonas war reingeschlüpft und kam nicht von der Stelle. Er verlor dadurch das Gleichgewicht, versuchte sich an Timo festzuhalten, der allerdings bereits selbst mit den Armen ruderte und beide fielen gegen das Regal mit den Reinigungsmitteln, die, wie bei einem Erdbeben, heraus und zu Boden fielen.

Durch das Gepolter und das Geschreie aufmerksam geworden, eilte Mama herbei und begann gleich zu schimpfen: „Ach Kinder, könnt Ihr denn nicht aufpassen? Macht das ja alles wieder ordentlich, bevor Ihr geht!“ Rechtfertigungsversuche fruchteten nicht und überhaupt, Mama hielt doch sowieso immer nur zu dem Kleinen Stinker.

Der zog es nun vor, nachdem er seinen Spass gehabt hatte, sich zurückzuziehen und sich vor seinen Brüdern bis zum Abend lieber nicht mehr blicken zu lassen. Wenn dann Papa auch noch zu Hause war, trauten sie sich nämlich nicht, dem Nesthäkchen irgendein Haar zu krümmen.

Klasse, das war mal wieder gelungen…..

Erst vor einer Woche mussten die Grossen bereits schon einmal aufräumen, als Daniel ein Mäusenest ausgenommen und die kleinen Tierchen in einer grossen Kunststoffdose, die er zuvor mit Erde und ausgerupftem Gras ausgelegt hatte, bei ihnen im Zimmer so deponiert hatte, dass diese bei der kleinsten Erschütterung einfach runterfallen musste. Die Erde verstreute sich im halben Kinderzimmer und die Mäuse natürlich auch…. Das war ein Gaudi. Dafür hatte Daniel dann allerdings auch Ärger bekommen. Wenn auch schmunzelnd, hatte Papa ihm abends eine Standpauke gehalten.

Natürlich waren die Grosseltern auch immer über Daniels Streiche informiert. Oma schüttelte immer nur mit dem Kopf, wenn wieder was passiert war, aber Opa…., Opa streichelte dem kleinen Burschen oft durch sein Haar und meinte nur: „Na, mein kleiner Pfiffikus, wiedermal alles wuschelig gemacht?“

Daniel liebte das. Seine Phantasie war erneut angeregt und er liess sich im nächsten Moment schon wieder etwas Neues einfallen….

Christiane Rühmann

Erinnerungen im Herbst.......

Es ist Sonntag. Ich werde wach und liege noch eine Weile im Bett. Ich merke, dass der Hund auch wahr genommen hat, dass ich aufgewacht bin, denn er beginnt unruhig zu tänzeln. Ach Balto, mein Junge! Gerne hätte ich vor dem Gassi gehen noch eine Tasse Kaffee getrunken, aber hinterher schmeckt sie sicherlich ebenso gut.

Also ab ins Bad, einen „Kölschen Wisch“ machen, geduscht wird später, ins medizinische Korsett zwängen, ankleiden und noch schnell die Kaffeemaschine programmieren, Stiefel anziehen nicht vergessen, und los geht’s. Mit diesem Rundum-Korsett soll mein brüchiger Rücken bis zum Operationstermin gestärkt werden. Drei Stunden täglich soll ich es tragen, kann damit jedoch weder sitzen oder Auto fahren und auch nicht liegen. Treppen gehen funktioniert, jedoch etwas umständlicher, und muss für 'Normalos' wohl unglaublich witzig aussehen. Ich wohne im dritten Stockwerk und der Hund kann kaum begreifen, warum ich ihm so träge folge. Er wird sich dran gewöhnen müssen. Im Wald angekommen, hat Balto sich natürlich sofort einen Stock gesucht und mir mit dem Schwanz wedelnd vor die Füsse gelegt. Gerne hätte ich ihm seinen Wunsch erfüllt, das Stöckchen aufgehoben und geworfen. Leider kann ich mich aber nicht bücken und so fordere ich ihn auf, weiter zu laufen – aber das Stöckchen nimmt er mit.

Ab und zu bleibe ich stehen, um zu verschnaufen und geniesse dabei die erfrischende Morgenluft. Als wir nach etwa einer Stunde auf dem Hügel angekommen waren, von wo man weit über Reiter-, Bauernhöfe und mein Städtchen hinweg sehen kann, verweile ich am Waldrand. Ich atme tief durch und schaue in den wunderschönen Himmel. Die Sonne wärmt kaum noch, aber ich empfinde sie als sehr angenehm. Ein paar Wolken belagern den sonst stattlich blauen Himmel. Ach, ist das schön! Ich bemerke den Hochstand der Jäger, der sich hier befindet und beschliesse, mich an seiner Leiter anzulehnen. Auf dem Nachbarfeld befinden sich noch einige Strohrollen und so kam mir meine Kindheit wieder in den Sinn.

Ich erinnere mich daran, wie es war, als die Felder abgeerntet waren, als Kartoffelzeit war, und das Kartoffelkraut verbrannt wurde. Als Kinder durften wir oft nebenan stehen und zuschauen. Manchmal fanden wir noch eine Kartoffel, pieksten sie auf einen langen Stock auf und hielten sie dann in das Feuer, um uns 'Bratkartoffel' zu machen. Das war immer sehr schön. Zu Hause gab es dann immer ein wenig Ärger, weil wir so nach Rauch stanken. Komisch, wir fanden, das roch lecker! Ach ja, und Heu – Heu wurde damals noch auf hohe dreieckige, unten verstrebte Holzgestelle, die einem Indiandertipi ähnelten, gepackt, um es dort zu trocknen. Man nannte diese Teile 'Heuböcke' und sie waren immer ein tolles Versteck für uns Kinder. Wir krochen darunter und versteckten hier unsere kleinen Geheimnisse, von denen die Eltern nichts wissen sollten, wie etwa eine Flitsche, das ist ein Holzstück, das aussieht wie ein Y, an das wir oben an der Gabel ein Einweckgummi befestigten, um damit mit Kieselsteinchen auf leere Blechdosen zu schiessen. „Viel zu gefährlich“, meinten natürlich die Eltern, und daher mussten wir das geheim machen. Auch lagerten wir dort Fahrtenmesser, mit denen wir ebenfalls nicht rumlaufen durften, obwohl sie doch lebenswichtig waren!

Ich lächelte vor mich hin. Ja, die Zeit war nicht vergleichbar mit der heutigen.

Einmal hatten wir dem doofen Nachbarn, der uns immer von seinem Grundstück jagte, das Gelege seiner Hühner geklaut. Strafe muss ja schliesslich sein. Aber wohin mit den Eiern? Also, nix wie ab unter die Heuböcke. Bloss, was sollten wir mit ihnen anfangen? Mit nach Hause nehmen konnten wir sie ja schliesslich auch nicht, das hätte nur blöde Fragen gegeben. Also haben wir sie gebraten. Streichhölzer hatten wir ewig gebunkert, schliesslich gehörte es zu einer unserer Mutproben, die abgebrannten Schwefelköpfe zu essen. Wir hatten einen Deckel von einem alten Bitumeneimer mitgenommen und schafften mit dicken Wackersteinen eine kleine Feuerstelle, die wir mit Hölzchen ausgelegt hatten, nahmen ein wenig getrocknetes Heu, ein wenig Zeitungspapier und richteten uns eine Kochstelle. Früher waren die Eimer schliesslich noch Eimer und aus Metall hergestellt, und nicht wie heute, aus Kunststoff. Daher eignete sich der alte Deckel bestens als Bratpfanne. Hmmmm, war das lecker. Mist, das qualmte aber auch ganz schön..... !

Und so fielen mir noch einige schöne Jugendgeschichten ein, während ich meine Augen über die Weite der Landschaft schweifen liess.

Sogar in der Schule wurde uns beigebracht, wie man Drachen baut. Es gab noch dieses bunte „Drachenpapier“, das wir benutzten, um unsere selbst gefertigten Holzrahmen damit zu bekleben. Lustige Gesichter klebten wir auf aus anders farbigem Papier oder malten die Fratzen. Für den Schweif benötigten wir lange Kordel, in die wir in kurzen Abständen Strohhalme einwickelten, das wir verknoteten. Niemand konnte voraussagen, ob sein Drache „es tat“ oder nicht. In Scharen traf man sich dann auf den abgerohdeten Strohfeldern, um seinen Drachen fliegen zu lassen. Oftmals hielten unsere Teile nur von zwölf bis Mittag, weil sie bei der oft unsanften Landung bereits zerbrachen und auch noch durch das stoppelige Stroh durchstochen wurden. Aber es war schön...... Abends kamen wir dann häufig mit, durch die stacheligen Strohhalme zerkratzten, blutigen Knöcheln nach Hause.

Ich war so in Gedanken versunken, dass ich nicht bemerkte, wie ich von einem Jäger angesprochen wurde, der an seinem Hochstand nur nach dem Rechten sehen wollte. Er lächelte, als ich mich erschrak. „Na, schlechtes Gewissen?“, meinte er. Ich rechtfertigte mich nur damit, dass ich ihm erzählte, wie und warum ich so in Gedanken versunken gewesen war, und dass mich eine solch tolle Aussicht dazu inspiriert habe. Nachdem wir noch eine Weile geplaudert hatten, verabschiedeten wir uns und ich begab mich wieder auf den Heimweg. Ich war sehr zufrieden, aber Balto eher nicht..... Nun, für heute früh muss es reichen, es kommen auch wieder bessere Tage.

Jetzt freute ich mich darauf, nach Hause zu kommen, das Korsett auszuziehen, und bei einer Tasse Kaffee meine Gedanken niederzuschreiben........

Christiane Rühmann

TELEFONBEKANNTSCHAFT........

Ist Euch das auch schon mal passiert: Ihr kennt jemanden seit Jahren vom Telefon her und hat von seinem Aussehen lediglich eine Vorstellung. Ist der/diejenige dick, gross, klein, dünn, Brille, Glatze usw. Das ist doch immer spannend, oder?

So erging es mir in den 70-er Jahren. Mit einem Verkäufer einer Mega-Fleischhandlung aus Hamburg telefonierte ich täglich und gab die Bestellung für den nächsten Tag durch oder klärte die Eingangsgewichte der gelieferten Tiere am selben Tag ab. Es meldete sich immer der selbe Verkäufer, namens "M". Dabei kamen wir im Lauf der Zeit auch dazu, uns zu duzen und dann auch noch unsere Gespräche immer persönlicher und vertrauter werden zu lassen. Oft telefonierten wir sogar mehrmals täglich. Wenn meine Kolleginnen auf ihrem Display die Hamburger Nummer sahen, scherzten sie bereits: "Für Dich Chris, Dein "M", und nahmen den Höhrer erst gar nicht ab.

Ich vermied jedoch, mit ihm zu korrespondieren, wenn mein Chef sich im Büro befand, oder ich tat dann äussert geschäftlich, so dass mein Gesprächspartner sehr flink reagierte und das Telefonat beendete, um sich später nochmals zu melden. Unser Chef hatte absolut kein Verständnis für so ein privates Geplänkel während der Arbeitszeit, das blieb nur ihm vorbehalten. Irgendwie kann ich ihn ja auch verstehen. Es gab noch keine Flat und keine Verbindungsnachweise...

Das ging so etwa zwei Jahre, bis sich eine Gelegenheit ergab, "M" persönlich kennen zu lernen, und das kam so:

Neben unserer Betriebsstätte gab es eine kleine urfurzgemütliche kleine Kneipe, wo ich mich mit meinen Kollegen öfters aufhielt. Sie wurde von einer älteren, damals bereits 70-jährigen lustigen Dame, nicht viel grösser als eine Parkuhr, betrieben. Marta konnte den besten Kartoffelsalat und die schmackhaftesten Reibekuchen Europas zubereiten. Hhmmm, schon bei dem Gedanken daran, läuft mir jetzt das Wasser im Mund zusammen.Aber auch sonst war Marta fit wie ein Turnschuh. Manche Flipperrunde gewann sie sogar gegen die Fittesten unter ihren Gästen und kicherte dann triumphierend. Es ging dort immer sehr lustig zu.

Im April 1977 hatte Marta ihre zwei Jahre ältere Schwester aus Hamburg für vier Wochen zu Besuch. Auch Ilse "Ilschen" war so flott drauf. Oft erzählte sie irgendein Seemannsgarn. Das hatte sie wohl von ihrem verstorbenen Mann, der einst zur See gefahren war. Im Dämmerlicht der Thekenbeleuchtung und in dem Nebel von Ilschens Zigarillos, sowie ihrem bereits recht knitterigem Gesicht, konnten einem schon manchmal die Nackenhaare steigen!!

Aber dann, eine Woche vor ihrer Heimreise, vertrat sie sich den Fuss und konnte nur noch mit Gehhilfe laufen. Wie sollte sie nun nach Hause kommen ? Unmöglich, dass sie mit ihrem Gepäck in dem gebuchten Zug fuhr!

Bei mir fuhren ganz langsm die Antennen aus, als ich von ihrem Mißgeschick erfuhr.

Ich erzählte meinem Telefonfreund "M" davon und auch, dass ich in Erwägung zog, Ilschen mit dem Auto nach Hamburg zu fahren, um dann noch das Wochenende bei ihr zu verbringen.

"Mensch", rief er am anderen Telerfonende: "Das ist doch die Gelegenheit, uns zu treffen! In Hamburg ist Hafenfest, ich lade Dich ein und Sonntag früh hole ich Dich ab zum Fischmarkt!"

Cool, genau so hatte ich mir das vorgestellt!

Ilschen jedenfalls war begeistert von meinem Vorschlag, sie nach Hause zu fahren und hatte mir natürlich angeboten, das Wochenende auf ihrer Couch zu verbringen. Ich hatte ihr auf der Heimfahrt erzählt, dass ich ein "blind date" hätte. Sie fand das total aufregend und überdimmens spannend. Sie überliess mir sogar ihren Wohnungszweitschlüssel, damit ich mich austoben konnte und zeitlich nicht gebunden war.

Ich hatte "M" die Rufnummer von Ilschen gegeben, damit wir uns am Freitag Abend noch kurz für den nächsten Tag abstimmen konnten. Handys gab es ja noch nicht.

Ich hatte in der Nacht zum Samstag sehr unruhig geschlafen - nun ja, ich war halt sehr aufgeregt!

Pünktlich um 8.00 Uhr früh stand ich, wie verabredet, vor der Haustürnund wartete auf meinen Abholer. "M" hatte mich bereits gesichtet, als ich das Haus verliess. Er stieg aus seinem fetten Mercedes aus und kam mir lächelnd entgegen. Ich traute meinen Augen nicht und hoffte, dass er meine Enttäuschung nicht bemerken würde. Der Stimme nach sah er doch gaaanz anders aus...!! Oh je...!

Brav blieb ich bei seiner Umarmung stehen, gab mein Händchen und gab vor, mich echt zu freuen. Tja, das hat man davon, wenn die Sinne Augen kriegen!

"M" war 1,90 m gross und sehr kräftig, etwat 3 x XXl oder so. Er begleitete mich Gentleman-like zur Beifahrertür und liess mich in die schmucke Limousine einsteigen. Aus meinen Augenwinkeln merkte ich, wie er mich ansah und dann schliesslich meinte: "Na, mien Deern, is ans klar?" "Ja, klar" stammelte ich .Wir fuhren zuerst in ein Restaurant am Hafen, um ausgiebig zu frühstücken. Währenddessen wurde er mir immer symphatischer. Wir lästerten und kicherten über so belanglose Dinge, dass ich mir - .....wie...am Telefon vorkam. Nach dem Frühstück zeigte er mir Hamburg. Wir fuhren mit dem Boot über die Alster und besuchten am Nachmittag noch einen Jahrmarkt, wir hatten mächtig Spass. Ich fühlte mich sogar mittlerweile schnuckelig geborgen in seiner Nähe. Das hätte ich am Anfang nicht gedacht.

Nach dem ausgedehnten 4-Gänge-Menue bei Kerzenschein und Wein, liessen wir den Abend gegen 23.00 Uhr ausklingen. Wir verabschiedeten uns mit einer Umarmung bis zum nächsten Morgen um 6.00 Uhr.

Auf ging es heute zum Fischmarkt und zum Hafenfest!

Ich war beeindruckt von den vielen Marktschreiern und der Vielfältigkeit der Angebote. In einer Fischerkneipe nahmen wir einen echten Grog, der mich fast von den Füssen haute, und der uns in die richtige Marktstimmung versetzte. Hamburg schien sich allmählich mit Menschen zu füllen. Alle begaben sich in Richtung Hafen, wegen des Hafenfestes. Das Wetter war uns heute nicht so hold und ich begann zu frösteln. "M" legte mir behutsam sein Jacket über die Schultern und umarmte mich. Mir wurde warm.....

Ich gab es erst zurück, als wir uns gegen 15.00 Uhr auf den Weg zu Ilschen machten. Aaachch, schaaade, ich wäre gerne noch länger geblieben, aber schliesslich musste ich noch über 400 km fahren und am anderen Morgen pünktlich im Büro sein, um mit einem gewissen Herrn "M" die Gewichte der angelieferten toten Tiere am Telefon abzustimmen......

Zum Abschied gaben wir uns vor Ilschens Haus einen zarten Kuss - auf den Mund - und waren uns einig, dass dies das schönste Wochenenden war, das wir seit langem gehabt hatten....

Christiane Rühmann

Stachelige Männerbeine......

Ich war gerade erst zwanzig Jahre alt geworden, als ich zu Hause, aus dem wohl behüteten Elternhaus, auszog, weil ich mir eine kleine 40 Quadratmeter-Einliegerwohnung angemietet hatte. Meine erste eigene Wohnung - Mann, war ich stolz! Ich konnte es mir sogar leisten, sie mit flammneuen Möbeln auszustatten. Dafür jobte ich unter der Woche und an den Wochenenden. An Geld fehlte es mir nie. Ich fuhr stets die angesagtesten Autos und trug die fetzigste Kleidung.

Die Wohnung lag in einem sehr schönen und grossen Haus, welches hoch am Berg gebaut war und über eine sehr schöne und anschaubare Gartenanlage verfügte. Kein Wunder, denn der Hausbesitzer war selbständiger Gartenbaumeister und legte sehr grossen Wert auf seine gepflegte Grundstücksanlage. Unterhalb des Hauses und von oben bedeckt mit Grün, befanden sich drei Garagen mit einer kurzen steilen Einfahrt. Die mittlere davon hatte ich angemietet.

Mit der Zeit bemerkte ich, dass der Vermieter genauestens wusste, wann ich am Abend zuvor ggfs. auch, ob ich überhaupt nach Hause gekommen war. Ständig schlawenzelte er mit der Giesskanne oder irgendwelchen Gartengeräten um mich herum, wenn ich mich auf meiner wunderschönen grosszügigen Terasse im Bikini sonnte, oder auch, wenn ich Besuch hatte, versuchte er ständig, einen Blick auf mich zu erhaschen oder mit mir ins Gespräch zu kommen. Manchmal klopfte er sogar unter irgendeinem Vorwand an meine Terassentüre - aus reiner Neugier - denke ich.

Am Anfang fand ich das ja noch sehr lustig, aber im Lauf der Zeit war ich darüber schon etwas angenervt. Das führte dann später auch dazu, dass ich ständig die Rollläden runter liess, um mich frei in meiner Wohnung bewegen zu können. Allerdings nervte er weiter.....

Eines nachts, als ich vom Spätdienst meines Jobs zurück kam, es war bereits nach zwei Uhr, stellte ich vor dem Garagentor erschreckt fest, dass ich den Schlüsselbund mit dem Haustür- und Wohnungsschlüssel bei meiner Arbeitsstätte vergessen hatte. Nochmal zurück fahren kam nicht in Frage. Dazu war die Strecke zu weit, und beim Vermieter klingeln, kam erst recht nicht in die Tüte. Also setzte ich meinen Wagen, wie immer, rückwärts in die Garage, holte aus dem Kofferraum eine schnuckelige Wolldecke, die man in meinem Alter ja wohl logischerweise für alle Fälle bei sich hat, begab mich zurück ins Auto, liess den Sitz zur Liegefläche hinab, stellte einen Reisewecker, der sich -natürlich auch nur für alle Fälle in meinem Handschuhfach befand- und wollte gerade einschlafen, als ich ein Geräusch hörte. Auf einmal war ich wieder hellwach, und beobachtete, dass sich das Garagentor von aussen langsam öffnete. Ich richtete mich auf und griff auf dem Nebensitz zu einer schweren Zinnvase, die mir an dem Vorabend mein Bruder vorbeigebracht hatte und die er selbst hergestellt hatte.

Ich spürte, wie mein Herz schneller schlug und glaubte, es fast sogar schlagen hören zu können.

Ich sah zunächst nach aussen hin gegen das Strassenlaternenlicht nur ein paar Füsse, die dann langsam nach oben hin ständig länger wurden, aber trotzdem unbekleidet blieben, bis....... sie sich zu zwei stacheligen Männerbeinen entwickelten, die dann unterhalb der Hüften ihre Nacktheit verloren, also etwa auf Short-Länge!

Wenn der Vorfall gefilmt worden wäre, hätte der Betrachter annehmen können, dass er sich in einer Peepshow befände.

Vor mir stand dann plötzlich, nachdem das Garagentor gänzlich geöffnet war, mein Vermieter! Puuuhhh, der war es bloss! .....im Shorty und Filzpantoffeln....lächel.

Er hatte gehört, dass das Garagentor zuvor geöffnet und wieder geschlossen wurde, jedoch hatte er keine Haustüre schliessen und keine Toilettenspülung hören können. Also nahm er an, dass mir auf dem Weg von der Garage bis zur Haustüre etwas zugestossen sei und machte sich auf, um nachzuschauen. Er staunte nicht schlecht, als ich ihm erzählte, warum ich im Auto übernachten wollte.

Nachdem wir das nun alles geklärt hatten, begleitete er mich zu meiner Wohnung, die er mit seinem Drittschlüssel öffnete. Am nächsten Tag holte ich natürlich meinen Wohnungsschlüssel ab und machte aus zwei Schlüsselbunden eins. Ausserdem hinterlegte ich einen Wohnungsschlüsselexemplar in der Garage und einen Garagenschlüssel deponierte ich im Auto.

Denn, das sollte mir nicht nochmal passieren........!

Christiane Rühmann

Lebenseinstellung......

Leben ist eine Einstellungssache,
der Rest ist ein Empfinden,
das man zu einer Einstellung machen muss.....

(c) Christiane Rühmann

Die Stinkbombe.......

Zu meiner Schulzeit, von 1960 bis 1968 gab es noch einen Eintrag auf dem Stundenplan "Bücherei".

Das bedeutete, Klassenbeschäftigung, während man sich gleichzeitig oder vielmehr parallel in dem Schul-Buch-Schuppen Bücher aussuchen und ggfs. ausleihen konnte.

Die Klassenlehrer machten sich während dieser Zeit dann meistens auch vom Acker und gaben vor, "Aufsicht" zu schieben, damit von den Heiligtümern keines gestohlen wurde und ihjr persönlicher Heiligenschein nicht verloren ging.

Also blieben die meisten Klassen während dieser Zeit unbeaufsichtigt und wurden nur mit irgendwelchen Aufgaben beschäftigt.

Grinsend und gleichzeitig triumpfhierend haben wir natürlich diese Zeiten genutzt, um irgendwelchen Blödsinn zu verzapfen. Meistens stand auch immer einer von uns auf dem Flur Schmiere, um zu melden, falls sich eine aufgeballte Qualle als Autoritätsperson dem Klassenraum näherte.

Sofort waren wir alle brav und arbeiteten an den uns auferlegten Aufgaben. Damals war es auch noch nicht so wie heute, dass ein Schuljahr zwei oder drei Klassen besetzten, sondern es gab in unserem kleinen Dorf nur vier Klassen, bestehend aus acht Schuljahren.

Dementsprechend wenige Lehrer gab es dadurch auch. Alles war irgendwie sehr familiär, zumal die Pauker selbst auch Kinder hatten, die teilweise auf unserer Schule unterrichtet wurden. Das gestaltete sich natürlich nicht immer sehr einfach, wegen Bevorteilung und so.....

Na ja, war eher selten, da die Paukkids ja auch nur beim sch... die Knie krumm machten, und um zu uns übrigen zu gehören, machten sie auch fast jeden Blödsinn mit.

Mal haben wir die Türklinken mit Gummiarabikum eingeschmiert, mal haben wir die dünnspahnigen Sitzflächen der Lehrerstühle von unten mit einem Gemisch aus Löwensenf und scharfem Meerrettich eingestrichen und amüsierten uns später, nachdem diese Masse die Holzsitzfläche durchzogen hatte, darüber, dass sich die Obrigkeiten dauernd am Mors kratzten und sichtlich unruhiger wurden.

Ein Anderesmal kicherten wir darüber, dass die von Spucke durchtränkten Papierkügelchen, die wir mittels Lineal an die Decke über dem Lehrerpult katapultiert hatten, nach und nach trockneten und Klümpchen für Klümpchen in den Dunstkreis des Paukers fielen. Nee, an Ideen hat es uns selten gefehlt, ähnlich wie dem Schüler Nietnagel aus den altbekannten Pauker-Filmen.

Auch damals gab es schon "Sitzenbleiber", sogar welche, die zwei Ehrenrunden drehen durften. Das Problem war nur, dass diese dann altersmässig zwei Jahre den anderen Klassenkameraden voraus waren, und genau das machte sich auch in ihrer körperlichen Entwicklung bemerkbar.

Besonders trat das Problem bei den Mädels auf. Ich denke das kennt Ihr alle.

Der Busen beginnt zu wachsen, Körpergeruch tritt ein und ab und zu sah man auch einen roten Fleck auf der Sitzfläche und nicht zuletzt auch an der rückwärtigen Bekleidung der armen Person, wenn so ein pupertierendes Mädel aufgestanden war.

Die Lehrerschaft hatte mit diesen Eigenschaften kein Problem, aber die Mitschüler. Kinder und Jugendliche sind halt grausam und immer darauf aus, andere zu verletzen und zu diskriminieren.

So passierte es auch Dagmar immer wieder, dass sie von den männlichen pupertierenden Ungeheuern zur Verzweiflung getrieben wurde. Sie haben sie so lange gehänselt, bis sie anfing zu weinen. Ich glaube, heute nennt man das "Mobbing".

Dagmar war zweimal sitzengeblieben. Oft tat sie mir sehr leid, aber ich habe auch nichts unternommen, um die Horde davon abzuhalten, ihre Spässe mit ihr zu treiben.

Ich schäme mich heute dafür.

So kam es an einem Morgen zur "Bücherstunde" dazu, dass wiedermal keine Aufsicht in unserem Klassenraum war. Diese Tatsache hatte Robert dazu genutzt, um das Schulgelände zu verlassen, über die Strasse in den kleinen Dorfladen zu laufen, der von einer sehr geschäftstüchtigen Dame namens "Hildegard" betrieben wurde, um dort ein Mobbingobjekt zu kaufen. Bei Hildegard gab es alles, was Kinder- und Jugendherzen begehrten. Lose Bonbons aus dem Glas, Cola, Schulutensilien, die BRAVO und auch Scherzartikel, wie Furzkissen und Stinkbomben. Robert hatte sich heute für zwei Stinkbomben entschlossen.

Nachdem er flinkst wieder auf das Schulgelände und in den Klassenraum geeilt war, warf er hinter die eifrig lernende schüchterne Dagmar, eine dieser Stinkbomben. Sofort verbreitete sich der fürchterliche Gestank in der gesamten Klasse. Es stank so schlimm, dass wir alle gröhlend den Unterrichtsraum verliessen und uns auf dem Flur halb totlachten und teilweise sogar ihren Würgereiz nicht unterbinden konnten.

Nur die arme Dagmar blieb auf ihrem mittlerweile viel zu klein gewordenen Stuhl sitzen und brach lauthals in Tränen aus.

Mit donnernden Schritten näherte sich unser Pauker dem Klassenraum und wollte wissen, was los sei. Auch ihm war mittlerweile der Gestank nicht entgangen, also wollte er wissen: "Wer war das?"

Alle schwiegen - wie in der heutigen Fernsehwerbung mit der Versicherung - aus Solidarität und zuckten mit den Schultern. Also begab er sich in die Klasse zu Dagmar und versuchte zunächst einmal, sie zu beruhigen. Er nahm sie sanft beim Arm und forderte sie auf, ihm ins Lehrerzimmer zu folgen, nachdem er zuvor noch eilends die Fensterflügel bis zum Anschlag geöffnet hatte. "Wir sprechen uns noch!", meinte er, als er mit Dagmar an uns vorbeiging. Und nun.....?

Plötzlich war uns allen nicht mehr zum lachen zumute und das schlechte Gewissen plagte die meisten von uns. Wahrscheinlich war es nur die Angst vor Strafe oder vor so etwas wie einem "blauen Brief" oder einem autoritären Besuch zu Hause.

Robert bemerkte die allgemeine Haltung und meinte nur: "Lasst mich jetzt nur nicht im Stich, ihr wolltet doch auch, das ich das mache."

Alle schwiegen.

Nach einer Weile kam der Schulleiter zu unserer Gruppe, schnappte sich Robert am Ohr, drehte dieses, bis er seinen Kopf wendete und entschwand mit ihm aus der Klasse.

Wir hörten nur noch: "So, mein Freund......., das hat ein Nachspiel!"

Auweiahh, das konnte ja noch heiter werden.

Zur Strafe musste Robert vier Wochen lang die Tafel wischen, die Papierkörbe leeren, die Klasse fegen und hatte Pausenhof-Verbot.
Darüberhinaus musste er zwanzig DIN A 4 - Seiten Strafarbeit schreiben.

Wir übrigen kamen mit einer schroffen Ermahnung davon, was uns jedoch alle nachdenklich gemacht hatte und erkennen lies, dass man niemals mit einer Person so umgehen darf.

Wir hatten uns später ALLE, auch Robert, bei Dagmar entschuldigt und sie sogar in unsere Gemeinschaft aufgenommen. Sie wurde nach diesem Vorfall lockerer und pflegte sich deutlich besser.

Oft muss halt etwas Grausames geschehen, um sich gegenseitig mehr Verständnis entgegen zu bringen und aus unseren Fehlern zu lernen.

Niemals wieder habe ich mich dazu hinreissen lassen, gegen jemand in solcher Art und Weise Partei zu beziehen - im Gegenteil, ich bekenne mich heute zu den Schwächeren und stehe voll und ganz vor Denjenigen, die sich alleine nicht wehren können.

Meine Taten machen mich nicht stolz - haben jedoch zu einer Erkenntnis geführt.

Entschuldige, Dagmar........

c) Christiane Rühmann

Der Dorfsheriff....... Teil 2

Also, für mich war die Zeit auf den Dörfern sehr erlebnisreich.

Wieder eine Episode mit Willi:

Eines Abends hatten wir in derselben Dorfkneipe vereinbart, dass wir ein Fussballspiel austragen wollten, für das wir von jedem Zuschauer 5,00 DM als Eintritt nehmen wollten, die der Kinderkrebshilfe in der nächst grösseren Stadt Eutin zugunsten kommen sollten.

Mittlerweile hatte man spitz gekriegt, dass ich jahrelang als Torhüterin in meinem Damenfussballverein im Rheinland aktiv gewesen war.

Aus diesem Grund wurden an einem Kneipenabend auf dem Dorf bereits Mannschaften aufgestellt, bei denen ich in der einen als Torhüterin tätig sein sollte.

Wow, war das aufregend, die Dorflümmel dabei zu beobachten, wie sie ihre Persönlichkeiten auf die einzelnen Mannschaften aufzuteilen versuchten.

Wie gesagt, ich gehörte nicht deren “Dorfklüngeln” an und galt als Aussenseiter.

Als sie aber erfuhren, dass ich erfolgreich 5 Jahre Damenfussball im Tor verlebt hatte, und dass noch bei einer hier im Rheinland sehr erfolgreichen “Frauschaft”, wurden sie alle messerscharf und rissen sich darum, mich als Torhüterin in ihrer Mannschaft zu beschäftigen.

Die Planung stand also, und das musste man standesgemäss in der Dorfkneipe begiessen.

Wir hatten den Termin ausgemacht und den Fussballacker reserviert. Ordentlich wurde die Werbetrommel gerührt, und es gab einige Leute, die glaubten, mit ihrer Titischrift Plakate hierfür auf die Beine stellen zu können.

Sie schnitten “genormte” Streifen von einer Tapetenrolle ab und setzten in grossen Lettern das Datum des Ereignisses darauf:

” Am Sontag, den 22. August in diesem Jahr, findet unser Tornier auf dem Sportplatz Lüttenbrake statt. Eintritt ist 5,00 DM. Es gibt Würstchen und Senf zu kaufen”.

Ich konnte es kaum fassen! Das Plakat ging tatsächlich so in Vervielfältigung!- und zudem noch unter meine eigene Gürtellinie!

Der Tag rückte an, die Mannschaften waren aufgeteilt, und ich spielte natürlich “gegen” meinen späteren Mann.

Rücksichtslos, wie Dorftrottel nun mal sind, versuchte man mir natürlich ein Tor nach dem anderen reinzubrettern. Doch eins hatten sie verkannt: Ich war Profi!

So kam es, dass nach der regulären Spielzeit meine Spielgemeinschaft mit 7 : 5 Toren gewonnen hatte.

Der Zorn meines Mannes war mir gewiss und die Wertschätzung seiner Teamkollegen ebenfalls.

Nix mit 'Kuscheln' heute Abend - das war´s!

Das Spiel wurde gut besucht. Etwa 200 Zuschauer säumten das Spielfeld.

Als Respektperson gab sich natürlich auch WWW (world-wide-willi) die Ehre. Er sorgte dafür, dass Bengt Larsson nicht mit seinem Fahrrad über das Spielfeld raste, oder dass Frauke nicht ständig über dem Geländer am Spielfeldrand ihre Purzelbäume schlug.

Als er sein Tageswerk vollbracht hatte, ging auch er zur normalen Tagesordnung über und bestellte sich im Zelt ein grosses Bier. Dieses erhielt er ohne eigene Zahlung als “Dienstleistungszuweisung”.

Gegen 19.00 Uhr begann es leicht zu regnen und so begab sich die gesamte Sportplatzgesellschaft in die nahe gelegene Dorfkneipe. Das Spiel, was dann begann, habe ich ja bereits in meiner vorhergehenden Geschichte beschrieben.

Doch dieses Ereignis sollte alle Rahmen sprengen!

Willi erreichte ein Anruf beim Kneipenwirt vom Pfarrer aus der Nachbargemeinde.

Jemand hätte den Beichtstuhl aus der Kapelle gestohlen und mitten auf den Marktplatz gestellt und darin eine Kerze angezündet. Willi solle sofort kommen und sich um Aufklärung bemühen!

Haah, dachte Willi, und begab sich ohne Mütze, Koppel und Jacket auf den Weg zum Nachbarort.

Das war schliesslich eine ernst zu nehmende Straftat. Er wollte sich zu seinem Dienstfahrrad begeben, aber ich bot ihm an, ihn zu seinem Einsatzort mit meinem PKW zu fahren, nicht zuletzt deshalb, weil ich kneipengesprächsmässig mitbekommen hatte, wer für dieses Dilämma verantwortlich war, und herausfinden wollte, wie Willi seine Ermittlungen durchführte.

Wir kamen also bei der kleinen Kirche an, auf dessen Vorhof sich der Beichtstuhl befand.

Man hatte diesem eine Schleife umgebunden und er sah irgendwie “niedlich” aus auf seinem Platz.

Der Pfarrer zeterte sogleich los, als Willi aus meinem Fahrzeug ausstieg.

Willi wollte sich Notizen in seinen Block machen, den er immer in seinem Jacket mitführte, doch da fiel ihm auf, dass er seine Jacke ja gar nicht bei sich hatte.

Ich erkannte Willi´s Not, holte aus dem Handschuhfach Block und Stift und übergab sie ihm.
Willi notierte alle Einzelheiten, die der Pfarrer ihm mitteilte, ohne zu ahnen, dass ich genau wusste, wer die Scherzbolde waren, die den Beichtstuhl auf den Marktplatz befördert hatten.

Er nahm die Aussage des Pfarrers akribisch genau auf, stellte unnütze Fragen und notierte jede Kleinigkeit. Schliesslich befahl er den Gaffern, den Beichtstuhl in die Kapelle zurück zu setzen, was diese auch wehr- und wortlos taten.

Willi hatte alles perfekt geregelt!
Erhobenen Hauptes fuhr er zurück, mit mir, in die Dorfkneipe und gab seiner Zufrieden- und Fähigkeit Ausdruck dadurch, dass er eine Thekenrunde ausgab.

Danach wurde er durch die “Blume” auf die Täter der Begebenheit aufmerksam gemacht, was er jedoch nicht mehr wirklich registrierte. ER hatte den Beichtstuhl gerettet und ER hatte ihn wieder an seinen PLATZ schaffen lassen.

Geplanterweise schnallte er das allerdings alles nicht mehr, fuhr -wie immer- mit seinem “Dienstfahrzeug” (dem Fahrrad) nach Hause und verfasste am nächsten Tag einen “undurchsichtigen” Polizeibericht.

Die Tageszeitungen waren am nächsten Tag voll von dieser Begebenheit und lobten Willi dafür, dass er gleich dafür gesorgt habe, dass das "Möbelstück Gottes" wieder an seinen Platz gelangt war....

World-wide-willi war wiedermal der Held des Dorfes...

(c) Christiane Rühmann